Abstracts

Abstracts 2017-11-28T12:38:45+00:00

ABSTRACTS PLENARVORTRÄGE

V1 - Alfried Längle
Das Sein ist im Werden
Entwicklung im existentiellen Paradigma

Freitag, 27.04.2018, 15.45–16.30 Uhr, Plenarsaal

Das Sein des Menschen ist nicht statisch, sondern auf ein Werden hin angelegt. Es ist für die ganze Lebensdauer in ständiger Veränderung, was in der Kindheit und Jugend besonders augenfällig ist. Jedoch ist die Entwicklung von Potentialen dem Menschen immer möglich, bis zum Tode. Daneben geht es aber auch um die Entwicklung der grundlegenden existentiellen Fähigkeiten, um soweit reif zu werden, dass ein selbständiges, eigenverantwortliches und erfüllendes Leben möglich wird und man nicht psychisch erkrankt. Den Ort für diese Entwicklung sehen wir in den Voraussetzungen für die personale Tätigkeit in jeder Grundmotivation. Anhand von Beobachtungen und phänomenaler Beschreibung sowie einiger wichtiger Forschungsergebnisse werden Zusammenhänge für die Entwicklung der Daseins-Strukturen aufgezeigt. Sie sollen deutlich machen, wie sich das Sein des Menschen im Werden aufhalten kann.

V2 - Romuald Brunner
Hirnreifung und Pubertät
Entwicklungsneurobiologische Grundlagen und Konsequenzen für die sozial-emotionale Entwicklung in der Adoleszenz

Freitag, 27.04.2018, 16.30–17.15 Uhr, Plenarsaal

Annähernd die Hälfte aller psychiatrischen Erkrankungen im Erwachsenenalter hat ihren Beginn in der Pubertät bzw. um den Pubertätszeitraum herum. Diese Tatsache weist die Pubertätsphase als eine besonders vulnerable Entwicklungsphase für die Genese psychischer Störungen aus. Um ein besseres Verständnis für die zugrundeliegende Vulnerabilität zu erlangen, erscheint es von zentraler Wichtigkeit, neben den sozialen auch die biologischen Veränderungsprozesse zu verstehen, um mögliche Risikofaktoren zu identifizieren und damit auch Interventionsmöglichkeiten zu entwickeln. Um die Pathogenese umschriebener psychiatrischer Störungen weiter aufzuklären, erscheint es insbesondere wertvoll, die Umbauprozesse des Gehirns im Pubertätszeitraum und ihre Konsequenzen für die soziale, kognitive und emotionale Entwicklung zu untersuchen. Neue Forschungsergebnisse zur Entwicklung der neuronalen Netzwerkstrukturen und der Einfluss der Geschlechtshormone werden berichtet und ihre Bedeutung für spezifische Krankheitsbilder (u. a. Borderline-Persönlichkeitsstörung) exemplarisch dargestellt.

V3 - Torsten Passie
Hemmung des Werdens
Viktor von Gebsattels Zugänge zu Neurosen und Entwicklungskrisen

Freitag, 27.04.2018, 17.45–18.30 Uhr, Plenarsaal

Viktor Emil Freiherr von Gebsattel (1883–1976) gehört zu den Geburtsvätern der phänomenologisch-anthropologischen Psychiatrie und Psychotherapie. Von Gebsattel sieht – sich auf Aspekte des christlichen Menschenbildes wie auch die Existenzphilosophen Max Scheler und Martin Heidegger beziehend – den Menschen in seinem Wesen durch das Aktzentrum der Person konstituiert. Die Person vermag es, sich in weitgehender Autonomie gegenüber den innerlich und äußerlich andrängenden Trieben, Zwängen, Freiheiten und Bedürfnissen in Akten bewusster Entscheidung zu konstituieren. Darin kann sie zu sich selbst kommen, aber sich auch verfehlen. Gerät das Werden des einzelnen Menschen ins Stocken oder wird es durch neurotische Konflikte oder Dissonanzen der Wertewelt gehemmt, so kommt es zu einer Krise des Werdens, in stärkeren Fällen zur Krise der Person.

Der Referent hat mit dem Buch „Phänomenologisch-anthropologische Psychiatrie und Psychologie“ eine umfassende Studie zu Ludwig Binswanger, von Gebsattel, Erwin Straus und Eugen Minkowski vorgelegt. Der Vortrag stellt von Gebsattel und sein Verständnis dieser Prozesse als mögliche Erweiterung eines psychotherapeutisch inspirierten Menschenbildes vor.

V4 - Eva Maria Waibel
Inneres Wachstum durch personale Begegnung
Impulse Existenzieller Pädagogik

Samstag, 28.04.2018, 9.00–9.45 Uhr, Plenarsaal

Entwicklungspsychologisch wird das Wachstum des Menschen üblicherweise als ein biologisch, sozial und psychisch geprägter Reifungsprozess beschrieben, der dem Menschen durch Begleitung das Hineinwachsen in die Gesellschaft ermöglicht. Auch viele reformpädagogische Ansätze orientieren sich an diesen Prämissen.

Wenig Thema ist jedoch, wie die Person selbst ihr inneres Wachsen initiiert und beeinflusst und wie sie an ihrer Auseinandersetzung mit der Welt wächst. Um dem jungen Menschen gerade dies zu ermöglichen, bedarf es aus Sicht einer Existenziellen Pädagogik der Begegnung mit dem Anderen. Diese Begegnung eröffnet einen Raum für Selbstentfaltung, Selbstbestimmung und entschiedenes Tun. Dadurch kann der junge Mensch lernen, mit herausfordernden Situationen umzugehen und seinen authentischen Lebensweg zu finden.

Wie aber kann dies pädagogisch begleitet werden? In welcher Art und Weise sollen sich Erziehende und Lehrpersonen einbringen, um dieses Gegenüber zu sein? Welche Haltungen müssen sie mitbringen, um dieses innere Wachstum zu ermöglichen? Der Vortrag wird diesen Fragen nachgehen.

V5 - Jürgen Kriz
Entwicklung und Wachstum im Verständnis
Humanistischer Psychotherapie

Samstag, 28.04.2018, 9.45–10.30 Uhr, Plenarsaal

Entwicklung und Wachstum sind Kernkonzepte in der Humanistischen Psychotherapie (HPT), zu der – im groben Raster der vier Grundorientierungen (psychodynamisch, behavioral, humanistisch und systemisch) – auch die Logotherapie und Existenzanalyse zählt. Trotz anders lautender Behauptungen sind die Richtungen der HPT mit ihren gemeinsamen Wurzeln und Kernkonzepten homogener als die der anderen drei Grundorientierungen. Gleichwohl bestehen zwischen den Hauptansätzen auch deutliche Unterschiede in den Sichtweisen und den genaueren Bedeutungen dieser Konzepte.

Logotherapie und Existenzanalyse, Personzentrierte Psychotherapie, Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Psychodrama, Transaktionsanalyse – die in der deutschen „Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie“ vertreten sind – verstehen unter „Entwicklung“ und „Wachstum“ nicht dasselbe, wertschätzen aber die Vielfalt der Perspektiven und unterschiedlichen Zentrierungen, welche die Komplexität des Lebens und der Kulturen widerspiegelt.

Der Vortrag widmet sich gemeinsamen und unterschiedlichen Aspekten, wie Wachstum zu verstehen ist und wie dieses gefördert werden kann.

V6 - Helmut Dorra
Kontinuität und Wandel
Lebensgeschichtliche Perspektiven im Alter

Samstag, 28.04.2018, 11.00–11.45 Uhr, Plenarsaal

Menschliches Dasein ist ein Werden in der Zeit. Immer wieder sind wir zu Veränderungen, zu Wachstum und Entwicklung herausgefordert bis zuletzt, solange wir leben. Im geschichtlichen Horizont unserer Lebenswelt werden wir an den Übergängen und Zäsuren sich wandelnder Altersphasen mit spezifischen Daseinsthemen konfrontiert, die in temporaler Sicht ein Ende signalisieren und zugleich auf einen neuen Anfang verweisen. Wir müssen Abschied nehmen vom Bewährten und Gewohnten, von bisher gelebten, mithin auch nicht gelebten Möglichkeiten und bleiben gegenwärtig auf Zukunft hin ausgerichtet mit allem, was wir zu verwirklichen, zu bewahren und zu gewinnen suchen.

Mit dieser lebensgeschichtlichen Perspektive kann eine biographische Rückschau und bilanzierende Reflexion zur Vergewisserung der eigenen Identität und Kontinuität wie auch zur Versöhnung mit dem je individuellen Schicksal, den Versäumnissen und Versagungen der Vergangenheit beitragen. So stellt das höhere Lebensalter die Person vor die Aufgabe, das eigene und einzige Leben, wie es gelebt wurde, zu bilanzieren und anzunehmen.

Schließlich wird man der Tatsache zustimmen müssen, für sein eigenes Leben verantwortlich zu sein. Und jedem Einzelnen aufgegeben ist, sein Lebensalter und sein Älterwerden unter den jeweiligen Bedingtheiten unserer geschichtlichen Existenz im Alltag der Welt und im Miteinander der Menschen initiativ und aktiv zu gestalten.

V7 - Renate Bukovski, Lilo Tutsch
Was uns nicht umbringt …?
Zum Janusgesicht des Traumas

Samstag, 28.04.2018, 11.45–12.30 Uhr, Plenarsaal

Nur sechs bis 18 Prozent der Überlebenden von Verletzungen, Unfällen oder Kriegen entwickeln eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), sagt der Psychologe George Bonanno von der Columbia University. PTBS verdient große Aufmerksamkeit. Aber die überwiegende Mehrheit derer, die lebensgefährlichen Ereignissen ausgesetzt waren, entwickeln diese Störung nicht. Das findet bisher nicht genügend Beachtung. Traumatische Erfahrungen bergen zum einen zerstörerische Kräfte, zum anderen die Macht zu Transformation und Wachstum. Im Vortrag gehen wir der Frage nach dem Phänomen des „traumatic growth“ nach.

V8 - Alfried Längle im Gespräch mit Irvin Yalom
Existenzielle Psychotherapie – Wie geht das?

Samstag, 28.04.2018, 19.40–20.40 Uhr, Plenarsaal

Zunächst soll Irvin Yalom zu seiner persönlichen Begegnung mit Viktor Frankl sowie seiner Beziehung zur Logotherapie befragt werden. Im weiteren Gespräch wird es dann um die von Yalom vertretene existenzielle Psychotherapie, insbesondere um sein Modell der vier Dimensionen menschlicher Existenz in ihrer Bedeutung für die psychotherapeutische Arbeit gehen. Die Antworten von Irvin Yalom werden dabei gleichzeitig einen interessanten Einblick in prägende Begebenheiten seines Lebens, seine reiche Lebenserfahrung und das, was ihm wesentlich gewesen und geworden ist, geben.

V9 - Herbert Pietschmann
SEIN und WERDEN

Sonntag, 29.04.2018, 9.00–9.45 Uhr, Plenarsaal

Seit den Vorsokratikern Heraklit und Parmenides wird um ein Verständnis dieses fundamentalen Widerspruchs (dieser Aporie) zwischen SEIN und WERDEN gerungen. Platon spricht sogar vom „notwendigen Vatermord“ an Parmenides, um zu einer Synthese zu gelangen. Dies ist heute noch wichtig, weil sich diese Aporie im Alltag als Widerspruch von „Bewahren und Erneuern“ findet und jeweils nach einer Antwort verlangt. Ein möglicher Weg wird aufzeigbar, wenn wir uns klar machen, dass die beiden Ziele „Sein und Werden“ (oder Bewahren und Erneuern) jeweils eine Fehlgestalt (oder einen Schatten) haben: Erstarrung und Identitätsverlust. Erst wenn wir uns dessen in geeigneter Weise bewusst werden, ist der Weg zu einer Synthese frei.

V10 - Ingo Zirks
Reifungsprozesse im Angesicht der Endlichkeit
Die Auseinandersetzung mit dem je eigenen Tod und ihre Auswirkungen auf das Leben

Sonntag, 29.04.2018, 9.45–10.30 Uhr, Plenarsaal

Im Spätmittelalter entwickelte sich angesichts vieler Seuchen eine spezielle Literaturgattung, die „Ars moriendi“. Sie sollte auf den allgegenwärtig drohenden Tod vorbereiten und helfen, einen guten Tod sterben zu können. Es entstand eine Art „Lebenskunst“ (Ars vivendi). Angesichts der Endlichkeit werden durch die Annahme der Bedingungen und die Lebensaffirmation Reifungsprozesse ermöglicht, so dass mit innerer Zustimmung existentielles Leben bis zum Ende möglich wird. Das Ringen in dieser personalen Auseinandersetzung soll mit Beispielen aus der psychoonkologischen Praxis bezeugt und inhaltlich nachvollziehbar werden.

V11 - Karl Heinz Brisch
Bindungstraumatisierungen
Ursachen, Therapie und Prävention

Sonntag, 29.04.2018, 11.00–11.45 Uhr, Plenarsaal

Die Entwicklung einer sicheren emotionalen Bindung eines Kindes an seine Eltern wird heute als ein bedeutender Schutzfaktor in der kindlichen Entwicklung betrachtet. Die Bindungsentwicklung ist allerdings durch vielfältige Einflüsse störbar. Traumatische Erfahrungen der Bindungspersonen können durch kindliches Verhalten wieder aktiviert werden und dazu führen, dass die Eltern ihrerseits die eigenen unverarbeiteten Erfahrungen, etwa von Gewalt und Missbrauch, mit ihren Kindern wiederholen. Auf diese Weise können unverarbeitete Traumata über Generationen weitergegeben werden.

Nach den Grundlagen der Bindungstheorie werden die Möglichkeiten einer bindungsorientierten Therapie und Beratung dargestellt. Abschließend werden die bindungsorientierten Präventionsprogramme SAFE®-Sichere Ausbildung für Eltern (www.safe-programm.de) sowie B.A.S.E.®-Babywatching (www.base-babywatching.de) vorgestellt.

V12 - Christoph Kolbe
Von der Kunst, erwachsen zu werden
Entwicklung durch Selbsterkenntnis

Sonntag, 29.04.2018, 11.45–12.30 Uhr, Plenarsaal

Worin besteht die Kunst, erwachsen zu werden? Sie zeigt sich in der Fähigkeit, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und sich den schicksalhaften Lebensthemen zu stellen. Damit dem Menschen dieser Vollzug personaler Aktivität gelingen kann, bedarf es einer personalstrukturellen Stabilität, um aus dieser Verankerung den Aufgaben der Welt zu begegnen. Dann erlebt er das Glück des Selbstseins und der erfüllenden Begegnung.

Im Horizont dieses Zusammenhangs von struktureller Stabilität und personaler Aktivität beschreibt der Vortrag kindliche Haltungen des Menschen und ihr erwachsenes Pendant. Und er reflektiert existenzanalytische Beobachtungen zu einer Konfliktdynamik. Es wird dargelegt, wie innere Ängste oder Konflikte die Bewältigung der jeweiligen Lebensaufgabe blockieren. Sie gilt es, in ihrer Bedeutung zu erarbeiten, um schließlich Haltungen zu finden, die personale Aktivitäten im Umgang mit Situationen möglich werden lassen.

ABSTRACTS SYMPOSIA

A) PSYCHOTHERAPIE & BERATUNG

Organisation: Ingo Zirks, Tobias Jahn

Vorträge

A1 - Tobias Jahn
Was wächst in Dir?
Eine phänomenologische Reflexion zum Personverständnis in der Humanistischen Psychologie

Samstag, 28.04.2018, 13.00–13.40 Uhr, Seminarraum 304

Unsere Arbeit in der Existenzanalyse impliziert zumeist das persönliche Wachstum des Gegenübers als – ein – Ziel des Arbeitsprozesses. Was meint dieses im phänomenologischen Verständnis? Hierzu sollen die philosophischen Grundlagen des humanistischen Menschenbildes befragt und deren Verständnis der Person herausgearbeitet werden. Was kann und soll hier wachsen – das Ich, das Selbst, die Persönlichkeit, die Person? Was streben wir an, wenn wir Wachstum befördern wollen? Und wie wirkt sich dies auf unsere praktische Arbeit aus?

A2 - Helga Grubitzsch
„Ein Wort, ein Satz – erkanntes Leben, jäher Sinn“ Poesie- und Bibliotherapie im existenzanalytischen Kontext

Samstag, 28.04.2018, 13.40–14.10 Uhr, Seminarraum 304

Das Zitat von Gottfried Benn bringt zum Ausdruck, was Poesie als gestaltete Sprache und Literatur vermögen: Sinn aufscheinen zu lassen und das eigene Leben verstehen zu lernen – zwei wichtige Anliegen der Existenzanalyse. Die Verwendung von Literatur und die Anregung zum Schreiben im Beratungs- und Therapieprozess können Trost gewähren, Selbstdistanzierung fördern, zu Werterfahrungen anregen, Neuorientierungen bewirken und Impulse zu Wachstum und Reifung geben. In meinem Vortrag werde ich erläutern, welchen Beitrag die Poesie- und Bibliotherapie für die Existenzanalyse leisten kann. Dabei werde ich auch praktische Erfahrungen einbeziehen und den Zuhörenden Möglichkeiten bieten, eigenem Erleben nachzuspüren.

A3 - Silvia Teuwsen
Veränderung und Wachstum am Ende des Lebens

Samstag, 28.04.2018, 14.10–14.30 Uhr, Seminarraum 304

Dass Psychotherapie auch im Alter sinnvoll ist, wurde lange Zeit bestritten. Im hohen Alter und/oder am Ende des Lebens wird es aber nicht mehr darum gehen, mit einem Menschen tiefgreifende Änderungen anzustreben. Veränderungen zum besseren Leben und Wachstum auf der letzten Strecke des Lebens sind aber durchaus möglich und erstrebenswert. Um die Chancen und Grenzen existenzanalytischer Begleitung von Menschen am Ende des Lebens geht es in diesem Vortrag. Der Hintergrund des Vortrages sind die Praxiserfahrungen in der existenzanalytischen Begleitung von BewohnerInnen eines Altenpflegeheims.

A4 - Zdenka Čamachová Davet
Vertrauen finden – Entwicklungsprozesse einer Angstpatientin

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.40 Uhr, Seminarraum 304

In diesem Beitrag wird der therapeutische Entwicklungsprozess einer Angstpatientin dargestellt. Mit Hilfe der phänomenologischen Betrachtungsweise wird die Entwicklung der personalen Möglichkeiten und Fähigkeiten hervorgehoben, welche schließlich im gefestigten Vertrauen und Selbstvertrauen münden. Der Vortrag konzentriert sich auf das phänomenologische Verständnis der zu Grunde liegenden Dynamiken, nicht nur der typischen Angstthematik, sondern auch einer Verunsicherung in Beziehungen zu Anderen und zu sich selbst. Eine mögliche therapeutische Herangehensweise wird vorgestellt, welche die Entwicklung und Reifung eines erwachsenen Menschen unterstützt.

A5 - Susanne Jaeger-Gerlach
Ich bin, wie ich bin! Aber so will ich nicht mehr sein!

Samstag, 28.04.2018, 15.40–16.10 Uhr, Seminarraum 304

Mitte des Lebens. Die Eigenarten wurden bisher verteidigt, der zurückgezogene Lebensstil bewusst gewählt – meint sie. Die Einsamkeit ist gewachsen. Die Sehnsucht nach geteiltem und mitgeteiltem Leben, nach Beziehung und Begegnung außerhalb der Berufstätigkeit ist neu für sie. Gewachsen ist auch die Angst – dass alles so bleibt und dass alles sich verändert, wenn sie der Sehnsucht folgt. In diesem Vortrag berichte ich über den Veränderungsprozess einer Patientin unter Einbeziehung ihrer nächtlichen Traumgeschichten.

A6 - Elisabeth Petrow
An schwerer Krankheit reift der Mensch. – Ist das so?

Samstag, 28.04.2018, 16.10–16.30 Uhr, Seminarraum 304

„Ich habe viel in der Krankheit gelernt, das ich nirgends sonst in meinem Leben hätte lernen können“, schrieb Goethe 1768. Das Gefühl, in Krankheits- und Heilungsprozessen Wesentliches zu lernen, ist vielen bekannt. Doch ist dieses Lernen gleichzusetzen mit Reifung? Wenn es Reifung wäre: Geschieht sie durch die Krankheit – oder nur während oder trotz der Krankheit?
Der Beitrag skizziert das Feld zwischen Reifung und Pseudoreifung, zwischen der Entwicklung persönlicher Fähigkeiten oder deren Rückbildung und geht der Frage nach, ob Reifung eine weitere Art von Krankheitsgewinnen sein könnte.

A7 - Ute Reich
Reifung im Angesicht des Todes – Erfahrungen aus der Psychoonkologie

Samstag, 28.04.2018, 17.00–17.30 Uhr, Seminarraum 304

Was heißt Entwicklung und Reifung angesichts der Herausforderung, sich auf den nahenden Tod einzulassen? In diesem Vortrag soll es um Erfahrungen gehen, die uns Sterbende dazu vermitteln können. Und um Erfahrungen, wie wir diesen letzten Lebensabschnitt begleiten können, ob als professionelle Helfer oder Angehörige. Dabei soll auch mit einbezogen werden, welche Wirkungen das eigene Geworden-Sein im Kontext der Biografie hat, aber auch die Wahrnehmung des Daseins in diesem letzten Lebensraum, mit seiner eigenen Zeit- und Beziehungsqualität.

A8 - Gabriel Traverso
Persönliche Entwicklung in der Paarbeziehung

Samstag, 28.04.2018, 17.30–18.00 Uhr, Seminarraum 304

Eine gesunde Paarbeziehung ist nicht nur ein Raum für die Entwicklung der Beziehung selbst, sondern sie kann auch ein wichtiger Raum für das individuelle Wachstum beider Partner sein. In der Begegnung trifft man nicht nur den Anderen, man findet auch sich persönlich in der eigenen Wesentlichkeit. In der liebenden Begegnung bringt man das Beste des Anderen heraus und erkennt auch das Beste in sich. Der Partner oder die Partnerin gibt mir stets wertvolle Rückmeldung und so kann ich mich durch seine oder ihre Augen sehen. Um die Entwicklungs- und Reifungsprozesse der Persönlichkeit zu stärken und um die Entfaltung der Person zu erleichtern, helfen wir in der Paartherapie oder -beratung mit Grundsätzen des Dialogs und der guten Kommunikation. Dies wird im Vortrag vertieft.

A9 - Simone D. Kaster
Grenz-Erfahrungen – Existenzanalytische Psychotherapie mit Geflüchteten

Samstag, 28.04.2018, 18.00–18.30 Uhr, Seminarraum 304

Menschen, die aus ihrer Heimat vor Krieg und Armut geflüchtet sind, haben extreme Grenzerfahrungen gemacht. Angekommen in Deutschland, finden sie sich neuen Bedingtheiten gegenüber und machen auch hier wieder die Erfahrung, dass ihnen Grenzen gesetzt werden.
Es ist eine Herausforderung unter diesen Umständen wieder ein Gefühl und die Kraft zu entwickeln, den eigenen Spielraum zu sehen und entscheidungsfähig zu werden. Im Vortrag wird anhand von Fallbeispielen gezeigt, wodurch existenzanalytisch betrachtet Entwicklung und Reifung unter diesen schwierigen Lebensbedingungen wieder möglich werden können. Auch mögliche Gefahren und Grenzen einer Psychotherapie werden thematisiert.

Workshops

A10 - Corinna Pregla
„Sprich, damit ich dich sehe.“ (Sokrates) Stimmentwicklung als Wachstumsinstrument

Samstag, 28.04.2018, 13.00–14.30 Uhr, Seminarraum 405

Ist die Stimme – in sokratischem Sinne – mehr als ein Kommunikationswerkzeug, dann können wir uns mit diesem eigenartigen Instrument weiterentwickeln, es verfeinern, modulieren und unserer sich verändernden Persönlichkeit darüber Ausdruck verleihen. Dieser Workshop bietet, verbunden mit Überlegungen zum existenzanalytischen Verständnis des Person-Seins, praktische Übungen rund um’s Sprechen. Ziel ist es, Ressourcen zu entdecken sowie das Entwicklungspotenzial der eigenen Atmung und Stimme zu erfahren.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

A11 - Astrid Görtz, Andreas Harbich
Qualitative Einzelfallforschung in der Existenzanalyse

Samstag, 28.04.2018, 15.00–16.30 Uhr, Seminarraum 405

Die neuere Psychotherapieforschung steht im Zeichen des „forschenden Praktikers“. In diesem Workshop werden Ansätze aufgezeigt, wie die eigene Praxis mittels einfacher Methoden (z.B. Interviews, Tonband-Aufzeichnung einzelner Sitzungen, Stunden-Dokumentationen) und mit Psychotherapienahen Auswertungsverfahren dokumentiert und evaluiert werden kann.
Eine Systematik der qualitativen Auswertungsmethoden auf Basis der Diagnose und entsprechend den Grundmotivationen wird an Hand von konkreten Fallbeispielen vorgestellt und soll zur Durchführung eigener Einzelfall-Forschungsprojekte anregen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 50 Personen
ACHTUNG: für diesen Workshop ist keine Vorbuchung möglich.

A12 - Susanne Jaeger-Gerlach
Die Rolle der nächtlichen Träume für Entscheidungen zum Anderswerden Personsein zwischen Tag- und Nachtgeschehen in Zeiten der Veränderung

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 105

In diesem Workshop stelle ich einiges aus dem Handwerkszeug der Existenziell-Narrativen Traumarbeit (ENTA) vor, außerdem einen Ausschnitt aus einer Traumarbeit mit einer Patientin in einem Veränderungsprozess, um dann an von Workshop-Teilnehmern mitgebrachten Traumsequenzen gemeinsam zu üben.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 50 Personen

A13 - Martin Hötzer
Crescendo

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 405

Petrus, so erzählen es die Evangelien, verleugnet den Freund Jesus, als dieser in die tödlichen Mühlen der (Religions-)Gesetze gerät. Als in jener Nacht der Hahn zum dritten Mal kräht, wird dem Petrus der Verrat bewusst und er weint bitterlich … Meisterhaft illustriert J. S. Bach in seiner Matthäus-Passion den Weg der Reue als existenziellen Prozess des Wachstums über sich selbst hinaus.
Im Workshop widmen wir uns dieser Passage, indem wir uns mit den Texten und der musikalischen Umsetzung und Ausdeutung durch Struktur und Dynamik beschäftigen und indem wir in die Musik eintauchen, um uns selber bewegen zu lassen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 25 Personen

B) PSYCHOTRAUMATHERAPIE UND WACHSTUM

Organisation: Renate Bukovski, Lilo Tutsch

Vorträge

B1 - Karin Matuszak-Luss
Ressourcenarbeit in der Traumatherapie – Werkzeuge für Veränderungsprozesse

Samstag, 28.04.2018, 13.00–13.45 Uhr, Hörsaal 401

Ressourcen orientiertes Vorgehen ist ein wichtiges und zentrales Werkzeug in der Arbeit mit traumatisierten Patienten. Menschen können durch die Aktivierung von Ressourcen erfahren, dass sie den Traumainhalten etwas entgegensetzen können. Damit erfolgt eine Abgrenzung gegen das Erleben von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit, dem die Patienten während des Traumas ausgesetzt waren und in flash backs und/oder Träumen ausgesetzt sind. In den Ausführungen zu diesem Thema soll ein besonderes Augenmerk auf den Aspekt der Entwicklungs- und Veränderungsmöglichkeiten von Betroffenen im Laufe eines Therapieprozesses gelegt werden.

B2 - Kerstin Breckner
Beziehungstraum(a) – wenn Liebe weh tut

Samstag, 28.04.2018, 13.45–14.30 Uhr, Hörsaal 401

Interaktionsprozesse und Beziehungserfahrungen im Zusammenspiel mit den wichtigsten Bezugspersonen formen am Anfang des Lebens die Entwicklung eines Bindungsmusters. Das wirkt bei der Bewältigung bedrohlicher Situationen, aber darüber hinaus gestaltet ein Mensch demnach die Beziehung zu sich selbst und zur Um- und Mitwelt. Bindung ist für das Leben so grundlegend wie die Luft zum Atmen. Doch was geschieht, wenn es in dieser sensiblen Phase zu (Beziehungs-)Traumatisierungen kommt? Welche Auswirkungen hat das auf die Entwicklung und Reifung des heranwachsenden Menschen?

Workshops

B10 - Renate Bukovski
Es lässt mir keine Ruhe
Zur Gegenwärtigkeit von Vergangenem

Samstag, 28.04.2018, 15.00–16.30 Uhr, Seminarraum 105

Die Biografie eines Menschen wird durch Eindrückliches, eben auch Entsetzliches, das geprägt und verletzt hat und wie die Person dieses gestaltet bzw. verarbeitet hat, geschrieben. Hindern Traumatisierungen in den personal-existenziellen Grundmotivationen nachhaltig an einem gelingenden Existenzvollzug, suchen wir in der Praxis die Spuren dieser Erfahrungen auf. Statt dass diese – in den Alltag einbrechend – die Betroffenen immer wieder in die traumatische Situation katapultieren, sollen Veränderungsprozesse eine Beruhigung, Entlastung und manchmal auch eine Befriedung des Erlebten ermöglichen. Wir beleuchten Methoden, um Vergangenes zur Ruhe zu bringen und posttraumatisches Wachstum anzuregen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

B11 - Doris Fischer-Danzinger
Ich will endlich ich sein können!

Samstag, 28.04.2018, 15.00–16.30 Uhr, Seminarraum 301

Für manche PatientInnen ist es schwierig, sich ihren eigenen verletzten Seiten wohlwollend zuzuwenden. Dies ist aber wichtig, damit früher erfahrene Verletzungen bearbeitet und integriert werden können. Traumatherapeutisch sprechen wir vom Versorgen von verletzten Anteilen in uns; existenzanalytisch ist es ein Vorgehen, in dem wir PatientInnen zum inneren Dialog mit sich anleiten, um ihnen eine gute Beziehung zu sich selbst zu ermöglichen. Erst wenn verletzte Anteile in uns versorgt sind, können diese im besten Fall auch zur Ruhe kommen und dadurch den reifen Umgang der Person mit sich und der Welt ermöglichen statt zu behindern. Wie dieses Vorgehen konkret aussieht, wird im Workshop dargestellt.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 25 Personen

C) BIOGRAFIE

Organisation: Ingo Zirks, Tobias Jahn

Vorträge

C1 - Ines Kloke
Wenn wir uns im „Hier und Jetzt“ nicht entwickeln können, ohne unser (aller) „Damals“ in den Blick zu nehmen …

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.45 Uhr, Seminarraum 101

Der Bezug zwischen unserer Verfasstheit im Hier und Jetzt und unserer persönlichen Geschichte wird den meisten Kongressteilnehmern als Tatsache gelten. Weniger selbstverständlich dürfte die Überzeugung sein, dass es einen tiefgreifenden Einfluss der kollektiven Zeitgeschichte auf individuelle Lebensgeschichten gibt. In dem Vortrag wird von der Prämisse ausgegangen, dass unsere physische und psychische Gegenwart nicht gänzlich zu verstehen ist, ohne prägende Erlebnisse aus dem familiären UND gesamtgesellschaftlichen Kontext zu berücksichtigen.

C2 - Karin Matuszak-Luss
Psychotherapie mit schizophrenen Menschen – Besonderheiten und Herausforderungen

Samstag, 28.04.2018, 15.45–16.30 Uhr, Seminarraum 101

Die Erlebnisweisen und der Leidensdruck von schizophrenen Menschen verlangen eine spezifische psychotherapeutische Herangehensweise. Der existenz-analytische Zugang zu an Schizophrenie leidenden Menschen wird theoretisch dargestellt und die therapeutischen Implikationen aufgezeigt. Die Existenzanalyse betrachtet, wie viele andere psychotherapeutische Richtungen, psychotische Symptome u. a. als Reaktion auf biologische Dysbalancen, lebensgeschichtliche Erschütterungen oder intrapsychische Spannungen. Wie Biografiearbeit mit dieser PatientInnengruppe möglich ist und zur Weiterentwicklung und Stabilisierung der PatientInnen beitragen kann, soll aufruhend auf dem existenzanalytischen Verständnis der Psychopathologie nachgegangen werden. Mit Fallbeispielen aus der freien Praxis werden die Ausführungen verdeutlicht.

Workshops

C10 - Toni Nindl
„Ich versteh’ mich nicht …“

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 101

Die Biografie eines Menschen wird durch prägende Erfahrungen, durch mehr oder weniger bewusste Stellungnahmen und durch die spezifische Gestaltung seiner Existenz geschrieben. Traumatisierungen, Verluste, Vernachlässigung oder Verletzungen können zu strukturellen Schäden und Blockaden des Lebensvollzugs mit Ohnmacht, sinnlosen Wiederholungen und Unverständnis führen. Im Workshop zeigen wir vor dem Hintergrund der Biographischen Existenzanalyse (BEA) mittels Fallvignetten Wege auf, wie Verletzungen verarbeitet werden können und wie es gelingen kann, durch authentische Stellungnahmen das Erlebte in das jeweilige Lebenskonzept zu integrieren.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

D) LIVE-DEMONSTRATIONEN

Organisation: Christina Strempfl

Existenzanalytische Vorgangsweisen und Techniken der Gesprächsführung zu grundsätzlichen Themen von Entwicklung, Wachstum und Reifung.

Demonstrationen

D1 - Doris Fischer-Danzinger, Barbara Gawel
Boden bereiten im Abgrund der Ängste

Samstag, 28.04.2018, 17.00–17.30 Uhr, Plenarsaal

Der Entwicklungs- und Wachstumsprozess findet nicht nur am Ende einer Therapie Beachtung, wo er als Ganzes betrachtet wird. Der Prozess ist auch Thema in Abschnitten, Zwischenstationen, wenn von dem Patienten/der Patientin mehr Stabilität, Eigenermächtigung und Möglichkeit im Umgang mit für ihn/sie schwierigen Themen erreicht wurden.

In der folgenden Demonstration nehmen wir Sie mit in einen Abschnitt im frühen Psychotherapieprozess einer Patientin mit zwanghaft fixiertem Handeln. Sie arbeitet daran, sich dazu zunehmend freier verhalten zu können. Im Speziellen geht es um die ersten Schritte der Personalen Existenzanalyse (PEA). Denn die Deskription und Arbeit an der Kognition stehen am Beginn dieses Prozesses. Dadurch entstehen Boden und Entlastung. Erst von diesem Boden aus ist der entscheidende Entwicklungsprozess möglich.

D2 - Barbara Jöbstl, Margarete Lackner
Durch Trauern in der Beziehung zum Leben reifen

Samstag, 28.04.2018, 17.30–18.00 Uhr, Plenarsaal

Trauer als die gefühlte Beziehung zum verlorenen Wert ist die Voraussetzung dafür, sich nach einem Verlust dem Leben neu zu öffnen und dabei als Person potenziell zu wachsen und zu reifen. Wenn die Trauer über einen Verlust ausbleibt, gerät der Lebensfluss ins Stocken, was sich häufig in einem depressiv funktionalen Lebensmodus ausdrückt.

In der Demonstration wird ein Therapieabschnitt auf dem methodischen Hintergrund der Personalen Existenzanalyse (PEA), und zwar der Schritte PEA 0 und PEA 1, dargestellt. Darin wird gezeigt, wie durch die von der Therapeutin angeleitete und empathisch begleitete Beziehungsaufnahme zum verstorbenen Menschen Gefühle wieder ins Fließen kommen, Trauer und damit Wertberührung ermöglicht werden.

D3 - Thomas Herzog, Corinna Pregla
Menschliches Sein ist entscheidendes Sein

Samstag, 28.04.2018, 18.00–18.30 Uhr, Plenarsaal

Erst in seiner Entschiedenheit gestaltet und entwickelt sich der Mensch als Ganzes – dort wo er nicht entscheidet, kommt er – existenziell betrachtet – nicht ins Leben. Daher richtet die Existenzanalyse ein zentrales Augenmerk auf das Sich-entscheiden-Können. Die Demonstration widmet sich einer Patientin mit einem schwierigen Entscheidungsproblem, das sie emotional sehr belastet. Über die einzelnen Stufen der Personalen Positionsfindung wird veranschaulicht, wie durch die Mobilisierung verfügbarer Ressourcen und das Beziehen authentischer Stellungnahmen ein stimmiger Umgang eröffnet wird, der sowohl der Situation als auch der Person angemessen ist.

E) PÄDAGOGIK UND PSYCHOEDUKATION

Organisation: Kerstin Breckner

Vorträge

E1 - Esther Kohl
Von Gestaltungs-vielfalt zur Gestalt-vielfalt

Samstag, 28.04.2018, 13.00–13.25 Uhr, Seminarraum 103

Synonyme für Gestalt sind „Wuchs“ als das Freigebende und „Zuschnitt“ als das Regulierende. An der gymnasialen Oberstufe für Gestaltung stellen sich die Fragen: Wann braucht Wachstum Freiheit? Wann ist Zuschnitt erforderlich? Dieses dynamische Miteinander ermöglicht jungen Menschen individuelle Veränderungsprozesse. Verschiedene Wege führen zum Abitur. Die spezifischen Bedingungen gestalterischer Prozesse nehmen die Person ernst und eröffnen dem inneren Ringen Ausdrucksformen. Auswüchse können entstehen. Wildwuchs wird angenommen. Es geht um die Kreativität des Wachsens, nicht um Schnelligkeit und Einförmigkeit.

E2 - Sascha Seán Battermann
Jahrgangsübergreifendes Lernen als Möglichkeit zum Wachstum

Samstag, 28.04.2018, 13.25–13.50 Uhr, Seminarraum 103

Aus Sicht der existenziellen Pädagogik muss es im Kontext Schule nicht nur um Lernzuwachs, sondern auch um Reifung der Persönlichkeit gehen. Ein entscheidender Faktor dabei ist, wie SchülerInnen eine personale Stellungnahme entwickeln, bezogen auf den Umgang mit sich selbst, den Lerninhalten, den MitschülerInnen und den Lehrkräften. Im Vortrag wird aus der Arbeit an einer Schule im Schulversuch der Jahrgangsmischung sieben bis zehn Jahre und der Oberstufe berichtet. Welche Möglichkeiten und Grenzen bietet das jahrgangs-übergreifende Lernen für die Entwicklung der Person?

E3 - Eva Maria Waibel
Wachstum durch Existenzielles Lernen

Samstag, 28.04.2018, 13.50–14.15 Uhr, Seminarraum 103

Der Vortrag befasst sich mit dem Beitrag Existenzieller Pädagogik für Kinder und Jugendliche bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit und Potenzialität. Wie kann Schule Lernfreude und Selbstwert stärken? Wie wird deren Bereitschaft gefördert, sich neuen Herausforderungen zu stellen? Existenziell sinnvolles und sinnstiftendes Lernen ist nicht das Abarbeiten von Inhalten, sondern die Schaffung eines fruchtbaren Rahmens, in dem wertorientiert und nachhaltig Veränderungsprozesse gestaltet werden können. Personale Werte sind dabei Basis für Motivation und somit Zugkraft für den Menschen.

E4 - Evelyn Stelzl
Von Anfang an.
Wie Elternbildung in Eltern-Baby-Gruppen angeboten werden kann

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.25 Uhr, Seminarraum 103

Eltern möchten die Entwicklung ihres Babys bestmöglich fördern, damit aus ihm ein selbständiger, eigenverantwortlicher Mensch wird. Bei dieser Erziehungsaufgabe sind Eltern in Zeiten der Freiheit und Selbstentfaltung mit einem Dschungel an Informationen und Ratgebern konfrontiert. Oft macht sich eine Verunsicherung im Spannungsfeld zwischen Gewähren und Begrenzen breit. Was stärkt Kinder für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung? Was brauchen Eltern, um die Führungsrolle verantwortungsvoll übernehmen zu können?

E5 - Nadja Breibert
Wechseljahre – Jahre der Wandlung

Samstag, 28.04.2018, 15.25–15.50 Uhr, Seminarraum 103

Veränderung ist nicht immer angenehm. Ausgehend von der Begleitung von Frauen in den Wechseljahren wird aus existenzanalytischer Sicht dem Phänomen nachgegangen, warum es oft so schwer fällt, naturgegebene Veränderungsprozesse auszuhalten und anzunehmen. Wie kann das Leben (um)gestaltet werden? Darf Neues ausprobiert werden? Wie wird mit Fehlern, mit Schwächen, mit Scheitern umgegangen? Welche haltgebenden Strukturen lassen sich finden? In dem Vortrag geht es um den Mut sich zu zeigen und das Risiko der Verletzbarkeit.

E6 - Hemma Hammann
Bin ich verrückt?

Samstag, 28.04.2018, 15.50–16.15 Uhr, Seminarraum 103

Medizinische Diagnosen sind eine Selbstverständlichkeit für den therapeutisch tätigen Menschen. Für PatientInnen kann jedoch die Zuweisungsdiagnose oder das Ergebnis der Internetrecherche („Dr. Google“) zu den Symptomen eine Überforderung darstellen. Am Beginn einer Psychotherapie stellt sich die Frage nach der Einschätzung ihrer psychischen Gesundheit. Die Befürchtung „verrückt“ zu sein ist zutiefst verunsichernd. Zu den Aufgaben des/der TherapeutInnen gehört u. a. eine „ent-ängstigende“ Information, die als haltgebende Struktur den subjektiven Leidensdruck beachtet und in ein Krankheitsverständnis mündet, so dass in der Folge Veränderungsprozesse ermöglicht werden. Im Beitrag wird anhand einer Fallvignette ein Dreischritt als Vorschlag für die therapeutische Psychoedukation vorgestellt.

Workshops

E10 - Markus Hofbauer
Achtsamkeitspraxis im Schulalltag.
Chancen oder Modeerscheinung?

Samstag, 28.04.2018, 13.00–14.30 Uhr, Seminarraum 105

Was ist Achtsamkeit und wie kann sie existenzanalytisch verstanden und eingesetzt werden? Ausgehend von einem Projekt zur regelmäßigen Achtsamkeitspraxis an einem Gymnasium werden Methoden zur Achtsamkeit im Schulalltag vorgestellt und ausprobiert. Wie erleben und bewerten SchülerInnen selbst die Achtsamkeitspraxis? Und welche beobachtbaren Veränderungsprozesse nehmen sie bei sich selbst und der Klasse wahr? Der Workshop liefert keine fertigen Rezepte, sondern soll anregen und Möglichkeiten aufzeigen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

E11 - Kerstin Breckner, Jutta Höfig-Renner, Esther Kohl
Vernetzungstreffen für PädagogInnen

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.00 Uhr, Seminarraum 103

Das Symposium für Existenzielle Pädagogik ist mittlerweile fester Bestandteil im Rahmen der GLE Kongresse. Vorträge und Workshops bieten einen kleinen Einblick in die vielfältigen Projekte und weisen auf interessante Artikel und spannende Überlegungen hin. In Diskussionsrunden ergeben sich wesentliche pädagogische (im engeren und weiteren Sinn) Fragestellungen. Wir möchten hier einen räumlichen und zeitlichen Rahmen eröffnen, um sich untereinander zu vernetzen und Anliegen in Bezug auf existenzielle Pädagogik zu diskutieren. Wir freuen uns auf rege Teilnahme!

F) KINDER- UND JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE

Organisation: Roman Biberich

Vorträge

F1 - Birgit Adenbeck
Freiräume für Kinder schaffen bedeutet Wachstum ermöglichen

Samstag, 28.04.2018, 13.00–13.45 Uhr, Seminarraum 204

In der existenzanalytischen Kinderpsychotherapie stehen die innere und äußere Ermöglichung von Wachstum und die Ermutigung zur Entwicklung des Eigenen in der Zusammenarbeit mit den jungen Klientinnen und Klienten an oberster Stelle.
In diesem Vortrag werden konkrete Aspekte beleuchtet, welche sich in der kinderpsychotherapeutischen Praxis als förderlich auf die Entwicklung und Entfaltung von Kindern gezeigt haben. Betrachtet werden dabei drei Faktoren: die therapeutische Haltung gegenüber den jungen Klientinnen und Klienten, die Arbeit mit dem Bezugssystem und die Notwendigkeit der Reflexion der therapeutischen Tätigkeit und der eigenen Person.

F2 - Roman Biberich
Existenzanalytischer Beitrag zur Entwicklungspsychologie – ein Mehrwert für die praktische Arbeit

Samstag, 28.04.2018, 13.45–14.30 Uhr, Seminarraum 204

Für Beziehungsaufbau, Gesprächsgestaltung, Diagnostik und Intervention in der psychotherapeutischen Begegnung mit Kindern und Jugendlichen braucht es u. a. umfangreiche entwicklungspsychologische Kenntnisse. Durch Zuziehung existenzanalytischer Theorie differenzieren wir unsere Einschätzung des Entwicklungsstandes, eröffnen eine angemessene Diagnostik und unterstützen so eine konkrete hilfreiche Begegnungsgestaltung. Die Verknüpfung der vier Grundmotivationen mit grundlegenden entwicklungstheoretischen Erkenntnissen stellt hierzu eine wichtige Orientierung und wertvolle Unterstützung dar. Anhand eines konkreten Falles mit einem Jugendlichen soll in diesem Vortrag ein existenzanalytischer Beitrag für die Entwicklungspsychologie skizziert werden.

Workshops

F10 - Christian Gutschi
Wachstumspunkte erkennen
Entwicklungsschritte für Kinder und Eltern beschreiben und nutzbar machen

Samstag, 28.04.2018, 15.00–16.30 Uhr, Seminarraum 204

Wachstum ist ein fließender Vorgang, und als Therapeuten sind wir gefordert mit den Klienten auf förderliche und hinderliche Bedingungen hinzuschauen. Bei Kindern gelingt dies im symbolischen Ausdruck, für Eltern braucht es parallel dazu nachvollziehbare Beschreibungen. Anhand einer geführten, meditativen Reise in die Kindheit gelangen wir zu selbst erlebten Wachstumspunkten und halten einen solchen in Form eines Bildes fest. Im gemeinsamen Austausch reflektieren wir – ausgehend vom eigenen Bild – welche strukturellen und existenziellen Kriterien maßgeblich für Wachstumserfahrungen sind.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 18 Personen

F11 - Andrea Kunert
Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel (J. W. von Goethe)
Wie werden Kinder- und JugendpsychotherapeutInnen in der Praxis diesem Widerspruch gerecht?

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 204

Wann ist der richtige Zeitpunkt, Kindern Halt durch konkrete Führung zu geben? Und wann ist es wichtig, sie frei und selbstbestimmt handeln zu lassen? Was können wir tun, um Kinder in der Gestaltung ihres persönlichen Lebensweges zu unterstützen, sie in ihrem So-Sein zu stärken bzw. wie können wir als PsychotherapeutInnen deren Eltern ermutigen und anleiten, ihre Kinder bestmöglich hin zu erfüllter Existenz zu begleiten?
In der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen begegnen wir vor allem in begleitenden Elterngesprächen diesen Fragen, im Werkkreis wollen wir gemeinsam wichtige Orientierungshilfen erarbeiten.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 40 Personen

G) ORGANISATIONSENTWICKLUNG

Organisation: Alexander Milz

Seminar

G1 - Alexander Milz, Rainer Kinast, Andrea Kapounek, Christopher Ranft
Existenzanalytische Organisationsentwicklung im Dialog: Felderfahrungen bei der Veränderung von Unternehmens- und Führungskulturen
Reflexion bisheriger Entwicklungsprozesse im Gespräch zwischen Management und existenzanalytischen Organisationsentwicklern

Samstag, 28.04.2018, 13.00–14.30 Uhr, Seminarraum 201

Zwei sehr verschiedene Unternehmen, die Penny Markt GmbH, ein international tätiger Lebensmitteldiscounter, und die Vinzenz Gruppe, ein gemeinnütziger Krankenhausverbund, arbeiten unabhängig voneinander an einem gemeinsamen Ziel – der Implementierung einer Unternehmens- und Führungskultur im Unternehmen. Denn beide Unternehmen haben auf veränderte Rahmenbedingungen und Wettbewerbssituationen rasch zu reagieren. Für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen steht ein selbstverantwortliches Handeln, trotz einer stärkeren zentralen Steuerung an erster Stelle. Das lässt sich nicht spannungs- und widerspruchsfrei umsetzen. Auf diesem Weg werden beide Unternehmen von Existenzanalytikern beraten und begleitet.

Statt eines Vortrags führen die Existenzanalytiker Alexander Milz und Rainer Kinast mit dem Leiter Personal der Penny Handelskette und einer Managerin der Vinzenz Gruppe ein Gespräch über das konkrete Vorgehen bei diesem Entwicklungsprozess. Erörtert wird die praktische existenzanalytische Arbeit im Hinblick auf den bisherigen Entwicklungsweg. Dabei werden die jeweiligen Prozessschritte verdeutlicht, nebst Hürden und Lösungswegen.

Vorträge

G2 - Irene Kloimüller
Gesundheitssysteme im Wandel

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.45 Uhr, Seminarraum 201

Öffentliche Gesundheitseinrichtungen unterliegen derzeit Veränderungen, die über das „normale Maß“ an Organisationsentwicklung hinaus in Richtung Change Management gehen. Ursachen dafür sind veränderte politische Entscheidungsstrukturen, finanzieller Druck, Wettbewerb durch PrivatanbieterInnen, Engpass an Fachkräften bedingt durch den demografischen Wandel, neue Arbeitsmodelle u. v. m.

Neu eingesetzte ManagerInnen müssen einerseits Transformationsprozesse beschleunigen und zeitgleich eine solide Betreuungsqualität der PatientInnen sichern. Dabei stehen sie unter öffentlicher Beobachtung. Entscheidend ist, inwieweit es gelingt Führungskräfte und MitarbeiterInnen für diese Veränderungs-Konzepte zu gewinnen, sie zu Mit-AkteurInnen des Prozesses zu machen. Emotionen, Sinn, Zuversicht für die Zukunft, Energieniveaus (in Balance oder erschöpft) der professionellen Teams sind im Veränderungsgeschehen mitbestimmende Faktoren. In Befragungen von über 10.000 Gesundheitsmitarbeitenden im Zeitraum 2015 bis 2016 wurden die erwähnten Faktoren erhoben. Derzeit werden weitere Analysen gerechnet, um Hinweise zu finden wie der Veränderungsprozess bzw. der Wille zu Veränderung positiv unterstützt werden könnte. Besonderes Augenmerk werde ich in meinem Vortrag dem Thema „Sinn und Veränderung“ widmen.

G3 - Annette Fährmann
Reinventing Organisations – ein evolutionärer Veränderungsprozess in Organisationen

Samstag, 28.04.2018, 15.45–16.30 Uhr, Seminarraum 201

Einem völlig neuen Mindset folgen heute weltweit einige (noch wenige) Firmen, deren Organisationen ohne Macht-Hierarchie allerdings weltweit Aufsehen erregen. Frederick Laloux ist einer derjenigen, der diese Unternehmen besucht hat und dabei entdeckt hat, dass Selbstführung – also Management durch normale Mitarbeiter, Ganzheit und evolutionärer Sinn die bedeutsamsten Merkmale dieser neuen Organisationsformen sind. Immer mehr Unternehmer und Führungskräfte sind fasziniert von diesen neuen Ideen und auf der Suche nach Unterstützung für einen sanften Wandel in Richtung dieser sogenannten „Lebendigen Organisation“.

In diesem Vortrag möchte ich einen Einblick in den Mindset der oben beschriebenen Organisationen geben und aufzeigen, welchen Beitrag das existenzielle Coaching und eine existenzanalytisch ausgerichtete Organisationsentwicklung bei der Begleitung dieser Organisationsentwicklung leisten kann.

Workshop

G10 - Zorana Dippl, Thomas Reichel
Der Zeitfaktor in Veränderungsprozessen – zwischen Chronos und Chairos

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 201

Wer mit Veränderungen in Organisationen beschäftigt ist, lässt oft aus Zeitnot den Zeitfaktor außer Acht und gerät nicht selten in noch größere Zeitnot, weil durch Nichtbeachtung entscheidender Faktoren wieder noch mehr Zeit in Anspruch genommen werden muss. Zu beobachten ist dann oftmals, dass Prozesse abgebrochen, verzögert, boykottiert oder durch wiederum neue Prozesse abgelöst werden. Bei den Beteiligten führt dies häufig zu Frustration, Demotivation und Ablehnung.

Was häufig übersehen wird ist, dass jeder organisationale Wandel in bzw. über die chronologische Zeit geschieht – gleichzeitig aber auch eine subjektive Komponente, das Zeiterleben, beinhaltet. Und in diesem Zeiterleben gibt es immer einen individuellen Moment der Entscheidung, dem Veränderungsprozess zuzustimmen oder eben auch nicht.
Wie können wir diese Mehrdimensionalität von Zeit existenzanalytisch verstehen? Wie kann mit ihr im Veränderungsprozess umgegangen werden? Und wie kann es gelingen, das jeweilige Zeiterleben des Einzelnen im Veränderungsprozess zu berücksichtigen und bestenfalls zu „synchronisieren“?

Anhand eines realen Veränderungsprojektes aus der Wirtschaft möchten wir im Workshop die Bedeutung des Faktors „Zeit“ gemeinsam reflektieren, Erfahrungen austauschen und das Spezifische des existenzanalytischen Vorgehens herausarbeiten.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 25 Personen

H) SEELSORGE

Organisation: Geertje-Froken Bolle

Vorträge

H1 - Geertje-Froken Bolle
Existentielle Seelsorge
Eckpunkte seelsorgerlicher Begleitung von Menschen mit Depression

Samstag, 28.04.2018, 13.00–13.30 Uhr, Seminarraum 301

Existentielle Seelsorge arbeitet an einem Seelsorgekonzept auf der Grundlage der neueren Existenzanalyse. Seelsorge ist absichtslos unterwegs, will Raum geben, in dem sein kann, was ist. Dabei wird bisweilen die „Tür zur Transzendenz“ (Frankl) nicht nur nicht verstellt, sondern bewusst geöffnet. Professionelle Seelsorge nimmt auch die Psychopathologie in den Blick. Der Vortrag will an Beispielen aus der seelsorgerlichen Praxis in der Begleitung von Menschen mit Depression deutlich machen, wie eine phänomenologische Zugangsweise, die um ein Verstehen des Gegenübers ringt, Veränderungsprozesse in Gang setzen kann. Schritte aus der existenzanalytischen Begleitung und Behandlung von Menschen mit Depression werden für den Kontext Seelsorge beschrieben und reflektiert.

H2 - Steffen Glathe
Herr W. stirbt nicht

Samstag, 28.04.2018, 13.30–14.00 Uhr, Seminarraum 301

Heute wird Herr W. auf eine Palliativstation verlegt. Er hatte sich mir vor 16 Monaten vorgestellt, nachdem er wegen einer Panikattacke in die Psychiatrie geschickt worden war. Herr W. war ein Jahr zuvor an einem bösartigen Hirntumor operiert worden. Er berichtete mir von einem jetzt festgestellten Rezidiv und einer Lebenserwartung von etwa drei Monaten. Wir vereinbarten, uns jeden Mittwochnachmittag zu treffen. So entspann sich eine Geschichte von Lebensentfaltung im Todesschatten. Von diesem Grenzgang, an dem ich teilhaben durfte, als Arzt und Theologe, als Psychotherapeut und ärztlicher Seelsorger, möchte ich erzählen und ihn aus existenzanalytischer Sicht bedenken.

H3 - Werner Eichinger
Selbsttranszendenz
Wie Religiosität Menschen wachsen lässt – und wie sie Menschen klein macht

Samstag, 28.04.2018, 14.00–14.30 Uhr, Seminarraum 301

Die Existenzanalyse weiß darum, dass die Fähigkeit zur Selbsttranszendenz eine wesentliche Ressource des Menschen ist: Erst da, wo er aus sich heraustritt und sich in der Hingabe an eine Person oder Sache „vergisst“, kann er „ganz“ werden. Das ist der Einsicht mancher Theologen (Rahner, Tillich) in die zentrale Bedeutung der Selbsttranszendenz ganz nahe.
Wird hier eine anthropologische Tatsache bloß noch einmal in feierlicher Sprache wiederholt? Oder unterstützt die religiöse Kultivierung (mit ihrem Versuch, Worte für die Quelle der Selbsttranszendenz zu finden und sich dieser rituell und praktisch zu vergewissern) die Fähigkeit des Menschen, über sich hinauszuwachsen? Aber es ist auch anders herum zu fragen: Kann ein religiöses Selbstverständnis nicht auch zum Hindernis der Selbsttranszendenz werden?

Workshop

H10 - Bernward Teuwsen
„Die Städte sollen euch Asyl gewähren“ (Numeri 35:12) Biblische Aspekte zu einer gesellschaftlichen Frage, die immer auch die eigene Person trifft

Samstag, 28.04.2018, 17.00–18.30 Uhr, Seminarraum 301

Sie bringen „Fremdes“ mit in „unsere Welt“ – die AsylbewerberInnen und Flüchtlinge. Und anders als bei Reisen ins Ausland findet die Begegnung nun im „eigenen Kulturkreis“ statt. Wie die Begegnung mit Flüchtlingen und AsylantInnen den Selbststand fordert und fördert, daran habe ich in LehrerInnencoachings gearbeitet. Diese Erfahrungen verbindet der Workshop damit, dass die Hebräische Bibel von Orten spricht, die eingerichtet waren, um Menschen in Notsituationen Asyl zu ermöglichen. Das Recht auf Asyl und die Pflicht, Asyl zu gewähren, ist in der Bibel Grundrecht zum Überleben. Im Austausch eigener Erfahrungen und der Vermittlung von Coachingprozessen können Aspekte von Beziehung (Werte), Dasein (Existenz) und Verantwortung (Gewissen) zur Sprache kommen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

I) MITEINANDER IM GESPRÄCH: SCHULEN DIALOG

Organisation: Thomas Herzog, Christoph Kolbe

Diskussion

I1 - Christoph Kolbe, Karl-Heinz Schuldt, Manfred Thielen
Zum Entwicklungsverständnis in der Humanistischen Psychotherapie Die Existenzanalyse im Dialog mit der Transaktionsanalyse und der Körperpsychotherapie

Samstag, 28.04.2018, 13.00–14.30 Uhr, Plenarsaal

Im gemeinsamen Verständnis der Humanistischen Psychotherapie kommt dem menschlichen Streben nach Wachstum und Werden zentrale Bedeutung zu. Die Existenzanalyse stellt dabei die Dialogfähigkeit der Person in ihrem freien und authentischen Austausch mit sich und der Welt in den Fokus. Wie sehen dies andere humanistische Schulen? Welche Entwicklungsziele verfolgen sie? Mit namhaften Repräsentanten der Transaktionsanalyse und der Körperpsychotherapie werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Entwicklungsverständnisse diskutiert und im Kontrast zur existenzanalytischen Perspektive sichtbar gemacht. Während des anschließenden praktischen Teils des Symposiums zeigen die Vertreter der beiden eingeladenen Schulen im Rahmen einer Live-Demonstration, wie sie Veränderungsprozesse in der Psychotherapie konkret begleiten und vor dem Hintergrund des eigenen Entwicklungsverständnisses adressieren.

Demonstrationen

I2 - Karl-Heinz Schuldt
Transaktionsanalyse

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.40 Uhr, Plenarsaal

Eric Berne hat die Physis als Wachstums- bzw. Motivationsenergie beschrieben. Diese Quelle menschlicher Energie ist häufig verschüttet oder/und führt angesichts lebenseinschränkender Faktoren in der Kindheit zu Überlebensschlussfolgerungen (Skriptentscheidungen), die im späteren Leben die Selbstentfaltung behindern. In der Psychotherapie werden im Dialog mit dem Klienten die Quellen der Lebensenergie erschlossen, einschränkende Muster erkundet, entschlüsselt und für das zukünftige Leben neu erfahren, entwickelt und entschieden.

I3 - Manfred Thielen
Körperpsychotherapie

Samstag, 28.04.2018, 15.40–16.20 Uhr, Plenarsaal

Wachstum und Werden spielen auch in der Körperpsychotherapie eine zentrale Rolle. Sie beinhalten die Entwicklung des Selbst, das das Körper-Selbst einschließt. Viele Menschen, die zur Psychotherapie kommen, haben den Kontakt zu ihrem Körper und ihren Gefühlen verloren. Über die Wahrnehmung ihrer Körperempfindungen, die als „somatische Marker“ für ihre Gefühle fungieren, können sie sich ihren Körper und ihre Gefühle in der Körperpsychotherapie wieder aneignen. Dieser Prozess findet im interaktiven Dialog statt.

J) MEANING CAPTURING METHOD WITH CHILDREN

Organisation: Alfried Längle

Vorträge

J1 - Svetlana Krivtsova
The “Kinder-SEM-Method” as a process of joining the small child’s understanding of meaning

Samstag, 28.04.2018, 15.00–15.30 Uhr, Hörsaal 401

In 2015 the author gave a description of the development of the child’s self on the basis of a theory of D. Stern describing a model of periodization in the development. Combining it with the EA Structural Model (i. e. the 4 Fundamental Motivations – A. Längle) it allows to see the actual existential content what the little child is discovering for themself in a specific period of development. Subsequently we investigated the child’s discovery of meanings in the world as a process of phenomenological perception of the essence with the help of its corporeality. By giving their body to an intentional object, the baby himself becomes somehow unified with this object. In this presentation we describe a method that helps adults (parents and teachers) to join better the child’s dialogue with the world by understanding meanings the child is in process to detect. Successful upbringing needs the adults to join the child’s genuine meanings. Therefore the practical question arises: How can this process be taught to adults and how can they be helped to engage better? For this purpose the method for detecting the meaning (SEM) of a child can be helpful. We call it “Kinder-SEM” to parallel it with them SEM (in German) – the Sinn-Erfassungs-Methode (Längle).

J2 - Natalia Bondarenko
Report on experiences of training teachers with the Kinder-SEM method

Samstag, 28.04.2018, 15.30–16.00 Uhr, Hörsaal 401

The method of discovering the child’s meanings (in free play, behaviour, disobedience, etc.) allows an adult to see the essence of the experience in the game from the point of view of the child himself. This procedure has now been tested for five years by practical educational psychologists. The understanding of the child’s meaning provides an open access to the child and to better maintain it (what is important in the education). The methodological steps and typical errors in the application of the method are presented in the report.

J3 - Olga Arbekova
To pay tribute to small steps
A method of developing sensitivity to what is a success for the child

Samstag, 28.04.2018, 16.00–16.30 Uhr, Hörsaal 401

Parents often bring their children stress when expecting greater successes from them corresponding to the adult’s wishes. By their constant over demanding they cannot notice or appreciate small positive steps in the child’s development, because they always want more. How to help them to appreciate more what are successes and meanings in the child’s view? – For this purpose we apply special eye-glasses for these parents that invert the optical view of the reality. Wearing these glasses, they themselves become largely helpless and have difficulties in learning to coordinate their movements. This lets them experience the child’s efforts in performing simple tasks and to review their demands. Afterwards this experience is connected with the Kinder-SEM. Thus it helps to develop the ability to look more at the child and to appreciate what they see from their child. In the presentation the participants can use the glasses to try their effect: how they change the conditions of perception.

K) EINFÜHRUNG IN DIE EXISTENZANALYSE UND LOGOTHERAPIE

Vorträge

K1 - Karin Steinert
Was ist Existenzanalyse und Logotherapie?

Samstag, 28.04.2018, 13.00–14.30 Uhr, Seminarraum 101

In diesem Vortrag soll ein einführender Einblick in die Anthropologie, Motivationstheorie, das Strukturmodell und das Prozessmodell der Existenzanalyse gegeben werden. Darauf aufbauend wird in einem Überblick die existenzanalytische Sicht von spezifischen Störungsbildern dargestellt.

L) MODERIERTE DIALOGE ZU DREI AUSGEWÄHLTEN PLENARVORTRÄGEN

Organisation: Jürgen A. Baumann

Dialoge

Samstag, 28.04.2018, 15.00–16.30 Uhr, Foyer

Bei den drei moderierten Dialogen geht es darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, die gehörten Vorträge zu vertiefen und sich in einem guten, strukturierten und angenehmen Rahmen darüber auszutauschen.
Nach der Einführung und dem Einstieg durch den/die Moderator/in erfolgt aufgrund der Eindrücke, Fragen oder Kommentare in der Gruppe ein gemeinsamer Dialog, dessen Verlauf auf einer Flipchart festgehalten wird.

In der letzen halben Stunde kommt die/der jeweilige Vortragende hinzu, um in den Dialog einzusteigen, entstandene Fragen aufzugreifen und Rückmeldungen zu beantworten sowie Ausblicke zu geben.
Den Abschluss bildet eine kurze Zusammenschau der jeweiligen „Essenzen“ in der Großgruppe, die von den Moderatoren/innen vorgestellt werden.
Alle drei moderierten Dialoge finden im offenen Raum (open space) gleichzeitig (parallel) statt, so dass Teilnehmer/innen auch zwischen den Dialogen aktiv wechseln können.

Die drei Dialoge sind:

L1 - zum Vortrag von Romuald Brunner
Hirnreifung und Pubertät
Entwicklungsneurobiologische Grundlagen und Konsequenzen für die sozialemotionale Entwicklung in der Adoleszenz

L2 - zum Vortrag von Jürgen Kriz
Entwicklung und Wachstum im Verständnis Humanistischer Psychotherapie

L3 - zum Vortrag von Renate Bukovski, Lilo Tutsch
Was uns nicht umbringt …?
Zum Janusgesicht des Traumas