Grußwort

//Grußwort
Grußwort2018-11-06T15:43:22+00:00

Grusswort

Grußwort der Kongressleitung
Christoph Kolbe, Renate Bukovski, Anton Nindl

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir beschäftigen uns bei diesem Kongress mit der Bedeutung und dem Verständnis von Psychodynamik sowie den Möglichkeiten des Menschen, mit dieser umzugehen. Als existenzielle Richtung der humanistischen Psychotherapie interessiert uns hierbei besonders der Zusammenhang von psychischer und existenzieller Dimensionalität für eine ganzheitliche Sicht des Menschen und dessen Lebensgestaltung. Um die natürliche Lebens- und Selbsterhaltung zu gewährleisten, stellt die Psyche jedem Menschen eine Dynamik mehr oder weniger automatisiert und unbewusst ablaufender Kräfte zur Verfügung.

Diese wird erlebbar und sichtbar in Befindlichkeiten, Bedürfnissen, Affekten oder sogenannten Copingreaktionen. Gleichzeitig steht sie im Kontext existenzieller Haltungen des Menschen. Gemäß dieser Intentionalitäten hat der Mensch mit seiner psychischen Dynamik umzugehen. Ist diese jedoch pathologisch fixiert, blockiert oder aufgrund der Mächtigkeit der Affekte überschießend, wird dies besonders erschwert. Menschen erleben sich dann getrieben und unfrei.

Wie kann es dem Menschen gelingen aus diesem Getriebensein und der erlebten Fremdbestimmung wieder in die Eigentlichkeit seines Lebens zu finden?

Der Kongress widmet sich der Vertiefung und Schärfung des existenzanalytischen Verständnisses von Psychodynamik und existenzieller Dynamik in Psychotherapie, Beratung, Paartherapie, Traumatherapie, Kinder- und Jugendlichentherapie, Organisationsentwicklung und Pädagogik sowie im schulenübergreifenden Dialog. In Vorträgen, Symposia, Diskussionen und Workshops wird den unterschiedlichen Aspekten von Psyche – Macht – Dynamik von namhaften ReferentInnen nachgegangen.

Der Kongress 2019 wird im Salzburg Congress im Herzen der Salzburger Altstadt stattfinden. Das Rahmenprogramm gibt Ihnen die Gelegenheit die schöne Stadt Salzburg – Weltkulturerbe der UNESCO – zu erkunden.

Wir laden Sie herzlich ein!

Dr. Christoph Kolbe                Bukovski                  

Dr. paed. Christoph Kolbe                              Mag.a phil. Renate Bukovski, MSc                        Dr. phil. Anton Nindl

Präsident der GLE-International                 Vorsitzende der GLE-Österreich                         Leiter des GLE-Institutes Salzburg

Grußwort des Landeshauptmannes
Dr. Wilfried Haslauer

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Kongresses der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse 2019 heiße ich als Landeshauptmann herzlich in Salzburg willkommen. Es freut und ehrt uns, dass die Stadt Salzburg als weltweit renommierte Stätte der Begegnung und des Dialoges in Sachen Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bereits zum vierten Mal seit 2002 als Austragungsort für diesen bedeutenden Kongress fungieren darf.

In seinen Schriften weist Viktor E. Frankl wiederholt darauf hin, dass die seelische Gesundheit des Menschen auf einem gewissen Grad an Spannung beruht, der Spannung zwischen dem, was man schon erreicht hat, und dem, was es noch zu erreichen gilt. Aus dieser Spannung können eine positive Dynamik und am Ende jener „Sinn“ entstehen, den Frankl in den Mittelpunkt seiner Lehre und seiner gesamten Lebensbotschaft als Arzt, Wissenschaftler und Humanist stellt.

Die Behauptung, es gäbe in unserer Gegenwart einen Mangel an Spannung, mutet geradezu paradox an. Gehört nicht gerade ein Zuviel an „Spannung“, Stress, Wettbewerbs- und Effizienzdruck, an Getriebensein zu den Grundübeln unserer Zeit? Interessant ist an der Stelle, dass „die wachsende Nervosität der Gegenwart“ schon um die vorvorige Jahrhundertwende Neurologen auf den Plan gerufen hat und letztlich auch zur Entdeckung der Neurose durch Sigmund Freud geführt hat!

Bei näherem Hinsehen auf das von der Menschheit bis heute Erreichte und das noch zu Erreichende, stoßen wir im Licht der Erkenntnisse Frankls rasch auf eine sprudelnde Quelle von Frustration, Ratlosigkeit und sogar Aggression, wie sie sich zuletzt auch in politischen Stimmungslagen weltweit abzubilden scheinen.

Hat sich aber das liberale Weltmodell nicht gerade erst – rund um den Zusammenbruch des Kommunismus – „am Ende der Geschichte“ gewähnt, am Scheitelpunkt einer linearen Entwicklung nach „oben“? Was sollte nach diesem „Ziel erreicht!“ noch kommen, wenn nicht „Ent-Spannung“ im allerweitesten Sinn? Das Trauma von „9/11“, die globale Finanzkrise von 2008 und ihre Folgen, der neue Kalte Krieg, die Dynamik der globalen Migration und vor allem das Phänomen der globalen Erwärmung haben genau diese frivole Frage anders beantwortet, als von manchen erwartet. Wie eine Provokation mutet es da an, wenn anerkannte Wissenschafter, wie etwa zuletzt der Schwede Hans Rosling, vehement dagegenhalten: In seinem Buch „Factfulness“ verweist er anhand solider Daten und Fakten schlüssig auf die fast schon verblüffende Tatsache, dass die globale Entwicklung in vielen Bereichen wesentlich besser verläuft, als wir es – gejagt von einem endlosen Dauerfeuer negativer „breaking news“ – überhaupt noch wahrzunehmen in der Lage sind.

Freiheit ist der negative Aspekt eines Phänomens, dessen positiver Aspekt Verantwortlichsein heißt, hat Frankl stets betont. Freiheit heute wird auch wahrgenommen als ein orientierungsloses Ausgeliefertsein an eine komplex, unüberschaubar und „alternativlos“ gewordene Welt, die sich in verrücktem Tempo weiter verändert. Moralbefreiter Hedonismus (Frankl: „Wille zur Lust“) und narzisstisches Machtstreben (Frankl: „Wille zur Macht“) sind Handlungsoptionen, die schwer auch auf unserer Gegenwart lasten. Namen von Persönlichkeiten von heute, die repräsentativ für solche Verirrungen stehen, fallen einem beim Durchblättern der Tageszeitung rasch ein. Viktor E. Frankls mehr denn je aktuelle Logotherapie stellt dem den „Willen zum Sinn“ entgegen, das Ringen um jenes „Wofür“, um dessentwillen – nach Nietzsche – jedes „Wie“ ertragen werden kann.

Anstatt als von disruptiven Dynamiken „Getriebene“ dem Zynismus zu verfallen oder ins Burnout zu driften, geht es heute ganz entscheidend darum, im gemeinsamen Reden und Handeln selbst mit zur treibenden Kraft zu werden. In zeitgemäßer Weiterführung Frankls gilt es dabei, die sinnstiftende aktive Verantwortung für die anstehende große Transformation der Menschheit zu übernehmen und für ihre Art und Weise, nachhaltig auf und mit unserem Planeten Erde zu leben.

Positive Zukunftsvisionen erfordern – vor dem Tun – den Freiraum zum dialogischen Denken. Ich bin überzeugt, dass der Salzburger Kongress der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse 2019 im Geiste Viktor E. Frankls wesentliche Impulse dazu beisteuern wird.

Dr. Wilfried Haslauer

Landeshauptmann