Abstracts

Abstracts2019-06-25T13:42:30+02:00

ABSTRACTS PLENARVORTRÄGE

V1 - Ingo Zirks
Formen des Miteinanderseins: Vom Small Talk zum „Magic Touch“

Freitag, 01.05.2020, 14.15-15.00 Uhr, Plenarsaal

Menschliches Miteinandersein kann in vielerlei Weise beschrieben werden. Ein einheitlicher Sprachgebrauch hat sich in der Fachwelt bisher nicht durchgesetzt. Die Existenzanalyse bemüht sich deshalb um eine präzise Terminologie, da die spezifische  Art und Weise des Miteinanders das Berührtwerden, den Magic Touch, die personale Begegnung erleichtert. Begegnung ermöglichen Veränderungsprozesse in existenzieller Hinsicht. In diesem Vortrag werden verschiedene Weisen des Miteinanderseins beschrieben und deren kulturellen Niederschlag durch Beispiele aus der Kunst untermalt.

V2 - Joachim Bauer
Extended Self - Von der Du-Bezogenheit des menschlichen Selbst

Freitag, 01.05.2020, 15.00-15.45 Uhr, Plenarsaal

Die erst vor Kurzem gelungene Entdeckung der neurobiologischen Selbst-Systeme fügte dem Mosaik unseres Wissens über das Wesen des menschlichen Selbst einige weitere wertvolle Mosaiksteine hinzu. Der Mensch kommt als erlebendes Subjekt auf die Welt, dem die menschliche Würde uneingeschränkt zusteht. Ein Selbst hat er bei Geburt jedoch noch nicht (siehe dazu Joachim Bauers Werke „Selbststeuerung“ und „Wie wir werden wer wir sind“). Der Mensch erwirbt sein Selbst durch die an ihn vonseiten seiner Bezugspersonen adressierten Resonanzen. Zwischenmenschliche Rückspiegelungen bleiben zeitlebens ein das Selbst ständig weiter mit-gestaltender Einfluss.

V3 - Helmut Dorra
Existenz im Gegenüber
Selbstbesinnung im begegnenden Dialog

Freitag, 01.05.2020, 16.30-17.15 Uhr, Plenarsaal

Kein Mensch lebt für sich allein. Wir befinden uns in Beziehungen zu anderen Menschen in der Familie, im Beruf, unter Freunden, in der Nachbarschaft und wo immer wir in einer gemeinsamen Lebenswelt miteinander zu tun haben und zusammenwirken. Ontologisch sind wir – allen anthropologischen Bestimmungen voran – auf Beziehung hin veranlagt, relational und intentional auf unsere Welt und Mitwelt ausgerichtet, die unser Selbstsein im Miteinander der Menschen fundiert. Bevor wir „Ich“ sagen konnten, wurden wir beim Namen gerufen und mit einem „Du“ angeredet, gleichsam von der Gegenseite her uns selbst gegeben und mit uns vertraut. Diese Ich-Du-Relation ist eine anthropologische Konstante, die unserem Dasein ursprünglich ist. Immer schon sind wir auf ein Gegenüber angewiesen, dass es uns ermöglicht, uns selbst zu erkennen und Eigenes zu bekunden.

Vom anderen her führt der Weg zum einzelnen Selbst. Hier finden wir in einer dialogischen Gemeinschaft unsere Existenz auf ein Mitsein und Miteinandersein zentriert, das sich im Gegenüber existentieller Begegnung ereignet, bewahrheitet und bewährt. Gegenwärtig kommen wir uns zuwendend wie auch widerstehend ent-gegen, aus unterschiedlichen Richtungen und jeder einzelne von seiner Seite mit seinen je eigenen Erlebensweisen, Beweggründen und Wertbezügen, die jedem Menschen in seinem Eigensein und Anderssein Respekt abverlangen. Begegnend bleiben wir dem Neuen und Kontingenten gegenüber aufgeschlossen, dem Einmaligen und Einzigartigen, das sich unseren subjektiven Vorverständnissen, unseren eigensinnigen Ansichten und Absichten versagt.

So mag auch uns widerfahren, dass der andere uns fragend und konfrontierend in die Quere kommt, damit wir nicht mehr ausweichen und im Gewohnten weitermachen wie bisher. Mithin werden freundliche Menschen sich unseren vermeintlichen Fortschritten in den Weg stellen, damit wir anhalten und inne halten, zu bedenken, woraufhin wir unser Dasein ausrichten sollen, wer wir sein und werden wollen.

Auf diese Weise können Begegnungen Weichen stellende und weiterführende Wendungen in unserem Leben bewirken und somit existentielle Bedeutung gewinnen, indem sie zur Selbstwerdung und Selbstbesinnung beitragen.

V4 - Ulrike Willutzki
Ohne Heiler*innen geht es nicht! Zur professionellen Entwicklung von Psychotherapeut*innen und ihrer Bedeutung für das therapeutische Geschehen

Freitag, 01.05.2020, 17.15-18.00 Uhr, Plenarsaal

Die aktuelle Forschung zur Bedeutung von Psychotherapeut*innen zeigt sehr deutlich, dass es prägnante Unterschiede zwischen Therapeut*innen hinsichtlich des Therapiergebnisses und –prozesses ihrer Patient*innen gibt. Weitgehend unklar ist jedoch bis heute, welche Personenmerkmale der Therapeut*innen hier relevant sind. Exemplarisch wird auf Studienergebnisse zum Selbstbild von Therapeut*innen in privaten und professionellen Beziehungen sowie ihren interpersonellen Fähigkeiten eingegangen. In der Internationalen longitudinalen Studie zur professionellen Entwicklung von Psychotherapeut*innen  der Society of Psychotherapy Research wird versucht, relevante Eigenschaften von Therapeut*innen und deren Entwicklung in der Psychotherapieausbildung nachzuzeichnen.

V5 - Alfried Längle
Themenfindung in process

Samstag, 02.05.2020, 9.05-9.50 Uhr, Plenarsaal

V6 - Susanne Pointner
„Funkstille und Funkenflug.
Die Bedeutung der personalen Begegnung für eine lebendige Paarbeziehung

Samstag, 02.05.2020, 9.50-10.35 Uhr, Plenarsaal

Die Paarbeziehung ist geprägt von Bedingungen, die sowohl  der liebenden  Begegnung als auch psychodynamischer Reaktivität Tür und Tor öffnen. Die leibliche Nähe, hohe Erwartungen aneinander, die Abstimmung der Funktionalitäten in einer schnelllebigen, leistungsorientierten Welt lassen wenig Raum für das Verweilen, Verstehen und Trösten, für das Entdecken, das Lachen und die Sinnlichkeit.

Um den Schmerz über den Verlust an Nähe zu unterdrücken, suchen die Partner oft Fluchtwege aus der Beziehung – destruktive Konfliktlösestrategien, Überengagement in diversen Bereichen, Rückzug, Überregulation, Sucht, Affären. Die Ressourcen werden knapper, das Paar gerät in den Teufelskreis.

Die Paare ahnen meist selbst, was sie  – mehr noch der Partner/die Partnerin verändern müsste, haben aber  nicht mehr die Motivation und Energie dazu. Existenzanalytische Therapie und Beratung zielt daher nicht in erster Linie auf Lösungen ab, sondern schafft Raum für Erkenntnis, Begegnung, Haltungsveränderung und gemeinsame Entwicklung. Damit wird die Liebe beflügelt, und scheinbar unlösbare Differenzen können zu sinnstiftenden und belebenden Kraftquellen werden.

V7 - Erika Luginbühl
Bist Du da(s)!
Von der Unsicherheit im Gewahrwerden des Du

Samstag, 02.05.2020, 11.05-11.40 Uhr, Plenarsaal

V8 - Gunther Schmidt

Samstag, 02.05.2020, 11.40-12.25Uhr, Plenarsaal

V9 - Steffen Glathe
En skrift i snøen (Eine Schrift im Schnee)

Sonntag, 03.05.2020, 9.10-9.55 Uhr, Plenarsaal

Kennzeichnend für die existenzanalytische Vorgehensweise ist die Haltung einer phänomenologisch-hermeneutischen Offenheit: Als Unwissende gehen wir in Richtung Begegnung, in der Gewissheit, dass sich Wesentliches zeigen wird.

Dieser Vortrag, der eine Annäherung an das existenzielle Moment der Begegnung versucht, möchte Sie einladen, sich auf Begegnungen einzulassen: Mit einem Menschen, von dem ich erzähle, mit dem Referenten und vielleicht mit sich selbst.

Bergen wir Fundstücke auf dem Grund unseres Erlebens und bedenken sie unterwegs auf das Spezifische des existenzanalytischen Ansatzes hin.

V10 - Ahmad Mansour
Zwischen falscher Toleranz und Panikmache

Sonntag, 03.05.2020, 9.55-10.40Uhr, Plenarsaal

Wie können wir mit Konflikten umgehen, die aus kulturellen Differenzen und unterschiedlichen Auffassungen zu Werten, Lebensmodellen und anderem entspringen? Ergebnisse von Studien raten gemeinsam ein offenes, freies Denken zu fördern, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu hinterfragen sowie eine positive Einstellung zu anderen Ansichtsweisen beizubehalten. Doch wie weit soll man sich auf die fremden kulturellen und sozialen Ebenen einlassen? Darf es rote Linien geben? Wo beginnt falsche Toleranz? Wo Panikmache? Leiden wir im Westen unter kognitiver Verzerrung? Diese Unwissenheit verunsichert und bildet einen Störfaktor, der den Teufelskreis einer fehlgeleiteten Kommunikation füttert.

V11 - Heiner Keupp
Ambiguitätstoleranz statt identitärer Reinheit in einer widersprüchlichen Welt

Sonntag, 03.05.2020, 11.15-12.00 Uhr, Plenarsaal

Wenn wir den Zustand in diesem Land charakterisieren sollten, dann fallen Adjektive wie reich, saturiert, selbstzufrieden, tolerant, aber auch gespalten, wütend, arm, fremdenfeindlich, mutlos, erschöpft. Wir haben längst begriffen, dass man den gesellschaftlichen Zustand Deutschlands nicht ohne Widersprüche und Ambivalenzen beschreiben kann. Widersprüche gab es immer, für die wir Begriffe wie Klassengesellschaft oder den Ost-West-Konflikt hatten. Doch die binären Ordnungen taugen in einer Welt nicht mehr, die von einer Unübersichtlichkeit gekennzeichnet ist.

Die Chance auf eine dauerhaft stabile und widerspruchsfreie Identität können nur fundamentalistische Weltdeutungen versprechen und deshalb haben diese auch eine bedrohliche Attraktivität. In einer von Widersprüchen gekennzeichneten Welt brauchen wir ein Potential an „Ambiguitätstoleranz.

V12 - Christoph Kolbe
Existenzielle Kommunkation

Sonntag, 03.05.2020, 12.00-12.45 Uhr, Plenarsaal