Abstracts

Abstracts2018-09-18T12:33:43+00:00

ABSTRACTS PLENARVORTRÄGE

V1 - Anton Nindl
Freud, Frankl und die Folgen
Psychodynamik aus existenzanalytischer Perspektive

Freitag, 03.05.2019, 14.15-15.00 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Ausgehend von einer historischen Annäherung an die Begriffe des Seelischen und der Psyche wird die Auseinandersetzung Frankls mit der Freudianischen Psychoanalyse skizziert und der Weg hin zu einer integrativen Sicht der Psychodynamik in der aktuellen Existenzanalyse beleuchtet. Die Dimension der Psyche bildet aus dieser Perspektive die erlebnismäßige Repräsentanz für die vitalen Voraussetzungen und den Schutz der Existenz. In diesem Kontext kommt der Emotionalität mit Affekten, Impulsen und Stimmungen – ob im lustvollen körpernahen, gefühlsintensiven Erleben, oder in leidvollen, enttäuschenden, schmerzhaften Erfahrungen – eine besondere Relevanz zu. Für die Dynamik der Selbsterhaltung postuliert die moderne Existenzanalyse autonome Schutz- und Bewältigungsreaktionen. Verwoben mit verinnerlichten Beziehungserfahrungen bilden diese sogenannten Copingreaktionen eine wesentliche dynamische Komponente im psychischen Geschehen, wodurch meist ein mehr oder weniger bewusstes Funktionieren ermöglicht wird. Kommt es allerdings zum unfreien Getriebensein, hat sich ein maladaptives Bewältigungsmuster etabliert, das in einem Mangel- und/oder einem Bedrohungsthema gründet. Wir sehen in einer stärkeren diagnostischen Berücksichtigung der Psychodynamik und ihrer Verschränkung mit grundmotivationalen Aspekten erste Schritte aus der Unfreiheit des Getriebenseins hin zu entschiedenem Sein.

V2 - Alfried Längle
Die Psyche macht’s (un)möglich
Von der Weisheit und Eigenmächtigkeit der vitalen Kraft

Freitag, 03.05.2019, 15.00-15.45 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Die Psyche ist eine konstitutive Kraft des Menschen: ohne diese gefühlte Lebenskraft sind wir nicht. Zu ihrer Eigenart gehört, dass sie zumeist im Hintergrund des Bewusstseins steht, solange sie dem bewussten Handeln keine Probleme macht. Dadurch wird die Aufgabe der Psyche zu wenig gekannt und ihre Macht oft unterschätzt, wenn nicht sogar abgewertet.

Dieser Vortrag geht auf die spezifischen Fähigkeiten der Psyche ein und wie sie sich im praktischen Leben auswirken. Es soll deutlich werden, was wir ihr verdanken und was sie kann; aber auch, warum sie uns blockieren und zum Problem werden kann. Über welche Wege kommt es dazu, dass eine konstitutive Kraft unseres Daseins zum Opponenten unserer selbst werden kann? Ist die Psyche überhaupt überformbar, und wie kann sie verändert werden? Aus dieser Kenntnis ergeben sich Zugänge für Behandlung, Prävention und konstruktiven Umgang mit der lebenstragenden Vitalkraft.

V3 - Konrad Paul Liessmann
Die Macht und der Wille zu ihr

Freitag, 03.05.2019, 16.15-17.00 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Friedrich Nietzsche ging von der These aus, dass der Wille zur Macht der stärkste Antrieb für menschliches Handeln ist, der allerdings gleichzeitig oft bekämpft und verleugnet wird – vor allem dann, wenn dieser Wille sich als Schwäche, Mitleid, Empathie, Demut oder Liebe tarnt. Den psychodynamischen Spuren der Macht ist also auch dort zu folgen, wo man sie auf den ersten Blick kaum vermuten würde. Die Beziehung von Mächtigen und Ohnmächtigen, Tätern und Opfern wandelt sich unter diesem Blick zu einem dynamischen und oszillierenden Gefüge von Machtansprüchen und Machtkämpfen, wobei Macht nicht mit Herrschaft gleichzusetzen ist, sondern eher jene lebenssteigernde Selbstermächtigung meint, ohne die Freiheit nicht denkbar wäre. Aber diese Ermächtigung findet immer in einem Raum von Beziehungen statt, weshalb Macht immer auch als Konstellation von Abhängigkeiten gefasst werden muss. Die Plausibilität dieser radikalen und noch immer provozierenden These soll in dem Vortrag ebenso diskutiert werden wie die Frage nach der Konsequenz dieses Ansatzes für den Anspruch auf Freiheit und die Gestaltung sozialer Beziehungen.

V4 - Silke Birgitta Gahleitner
Gewalt und Trauma in Begegnung und Beziehung bewältigen (Europasaal)

Freitag, 03.05.2019, 17.00-17.45 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Gewalterfahrungen führen zu tiefen traumatischen Erschütterungen des Bezuges zu sich selbst, anderen Menschen und der Welt. Dennoch reagieren Betroffene auf ähnliche Ereignisse sehr unterschiedlich. Die Bewältigung traumatischer Erfahrungen hängt also entscheidend von verschiedenen anderen Aspekten ab. An erster Stelle dabei stehen vergangene und aktuelle Beziehungserfahrungen im Leben Betroffener. Auch in den drei Phasen der Traumatherapie und -beratung, die inzwischen international als ein Standard in der Behandlung angesehen werden, wird dem Beziehungsaspekt und der Beziehungsdynamik mehr und mehr Bedeutung beigemessen. TherapeutInnen wie BeraterInnen sind daher aktiv gefordert, als Antwort auf den traumatischen Vertrauensmissbrauch eine emotional tragende, begegnungsorientierte und ‚nachnährende‘ Beziehung möglich zu machen. Wie jedoch sieht eine situationsadäquate und prozessangemessene Beziehungsgestaltung in der Praxis aus und welche Stolpersteine sind dabei zu erwarten? Der Vortrag führt dazu Erfahrungen aus Forschung, Theorie und Praxis zusammen und stellt sie zur Diskussion.

V5 - Susanne Pointner
„Wie soll ich meine Seele halten…“
Vom Schrei nach Liebe zum Zuruf des Liebenden

Samstag, 04.05.2019, 9.00-9.35 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Frauen und Männer erleiden in den eigenen vier Wänden verbale Attacken, Demütigung, Ausgrenzung, Kälte. Betroffene fühlen sich fremdbestimmt – von den PartnerInnen, von der eigenen Angst und Wut, von der Belastung des Alltags und der Ausweglosigkeit der Situation.

Dennoch wünscht sich die überwiegende Mehrzahl der Jugendlichen und Erwachsenen nach wie vor eine monogame, langjährige Beziehung. Die (erotische) Liebe kommt nicht aus der Mode, auch wenn „Fluchtwege“ in unverbindlichere Beziehungsmodelle oder in künstliche Ersatzwelten in den modernen Paarraum hineindrängen.

Um die Kluft zu überbrücken, wird immer häufiger professionelle Hilfe im Einzel- oder Paarsetting in Anspruch genommen, in der in einem sicheren Begegnungsraum der beharrliche Ruf nach Nähe und gemeinsamer Entwicklung unüberhörbar wird.

Aus der Sicht der Existenzanalyse widmet sich der Vortrag diesen Phänomenen und dem möglichen Prozess des Paares aus psychodynamischen Automatismen hin zur Nutzung personaler Potentiale für eine freiere, liebevollere und würdevollere Beziehung.

V6 - Karin Steinert
Voll verwickelt
Therapeutische Schritte durch den Dschungel der Psychodynamik

Samstag, 04.05.2019, 9.35-10.10 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Anthropologien in den verschiedenen Therapierichtungen stellt sich die Frage nach der Beziehungsgestaltung zwischen PsychotherapeutIn und PatientIn als zentraler Wirkfaktor für den Therapieerfolg. Die Bedeutung von Methode und Technik wird dadurch relativiert.

In der Existenzanalyse ist es die Phänomenologie, die einen freien Blick auf das Wesen der Person eröffnet und dadurch Begegnung ermöglicht. Vorstellungen, Theorien, aber auch die eigene Psychodynamik sollen von TherapeutInnen mittels Epoché eingeklammert werden.

In diesem komplexen therapeutischen Prozess laufen nicht nur PatientInnen Gefahr von ihrer Psychodynamik erfasst zu werden, auch bei TherapeutInnen können Copingreaktionen ausgelöst werden, die eine offene Begegnung in der Therapie verhindern.

Wie es TherapeutInnen gelingen kann, sich aus störender Psychodynamik zu befreien und diese stattdessen unterstützend im therapeutischen Prozess anzusehen und einzusetzen, soll Thema des Vortrages sein und anhand von Falldarstellungen aus der Praxis illustriert werden.

V7 - Renate Bukovski
Nur getrieben?
Zur Bearbeitung fixierter Verhaltensweisen

Samstag, 04.05.2019, 10.10-10.45 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Festgefahrene, reaktive Verhaltensmuster belasten Betroffene und oft auch ihr Umfeld. Eine existenzanalytische Behandlung sucht das annehmende, fühlende Wahrnehmen und Erkennen dieser Abläufe. Durch das Innehalten und Betrachten derselben entsteht ein erster Stopp der reinen Dynamik und dadurch jener spezifische Spalt zwischen Reiz und Reaktion. In der Folge können die Ursachen für diese automatisierten, unkontrollierten Abläufe untersucht werden. Die Differenzierung zwischen Affekt, Impuls und Reaktion, das Verstehen der Entstehung und Aufrechterhaltung der eingefleischten Verhaltensmuster sowie das Erarbeiten von möglichen Gründen für einen entschiedeneren Umgang im Leben des Betroffenen führen zu einer Erweiterung des Handlungsspielraums. Der Vortrag versucht methodische Schritte auf diesem Weg anhand von Fallbeispielen aufzuzeigen.

V8 - Markus Angermayr
Bevor du sprichst, spricht dein Körper zu dir
Freiraum durch Körperwahrnehmung

Samstag, 04.05.2019, 11.15-11.50 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

In-Der-Welt-Sein bedeutet, in viele innere und äußere Dynamiken verwoben zu sein, die uns die Welt erschließen, aber die Weltoffenheit auch einengen oder verunmöglichen können. Person-Sein ist mehr als Dynamik. Ein Weg zur Wahrnehmung der Vibrationen des Personalen und zum Erleben des „Ich bin“ ist die Eröffnung eines inneren Freiraums. Eine differenzierte, nicht bewertende Körperwahrnehmung unterstützt dieses „sich in Empfang nehmen mit allem was sich zeigt“. Die explizite Bezugnahme auf das körperleibliche Dasein in einer phänomenologischen Betrachtung autonomer Köperreaktionen im Zusammenspiel mit der Psychodynamik kann Tiefenschichten der Person freilegen und diesen Freiraum eröffnen. Diese Phänomene dürfen sein, wollen uns etwas sagen. Die dialogische Anverwandlung in ein ganz eigenes entschiedenes Leben wird angebahnt.

V9 - Karl Heinz Brisch
Bindung – Trennung – Verlust – Neubeginn
Bindungsdynamiken in Beratung und Psychotherapie

Sonntag, 05.05.2019, 9.15-10.00 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Der Vortrag berührt wesentliche Themen der existenzanalytischen Arbeit. Die sichere Bindungsentwicklung ist ein grundlegender Schutzfaktor für eine gesunde körperliche, psychische, seelische und soziale Entwicklung eines Menschen und seiner Persönlichkeit. Die Themen des Vortrags sind über die gesamte Lebensspanne – vor der Zeugung bis nach dem Tod – von Bedeutung und tauchen etwa in Eltern-Kind-Beziehungen, Partnerschaften, Gruppen sowie in der Entstehung, Behandlung und Prävention von psychischen Problemen auf.

Trennungserfahrungen sind unvermeidbar und für die Erkundung der Welt eine Voraussetzung. Je nach dem verinnerlichten Arbeitsmodell von Bindung – sicher, unsicher, desorganisiert oder bindungsgestört – gehen Menschen mit Trennungen sehr unterschiedlich um. Sie können hierdurch reifen oder erkranken.

Verluste von wichtigen Bindungspersonen können langfristig vorbereitet sein mit einem sehr bezogenen Erleben von Abschied, oder sie können plötzlich und unvorbereitet einen Menschen mit einem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit zurücklassen. Auf jeden Fall berühren oder erschüttern sie das Bindungssystem eines Menschen, so dass unterschiedliche Formen der Bewältigung aktiviert und genutzt werden können. Es werden theoretische Grundlagen von spezifischen Bindungsdynamiken sowie Möglichkeiten einer bindungsorientierten Begleitung, Beratung und Therapie an Hand von Behandlungsbeispielen verdeutlicht.

V10 - Reinhard Haller
Über die Wurzeln des Destruktiven

Sonntag, 05.05.2019, 9.15-10.00 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Nahezu jedem menschlichen Problem liegt eine Kränkung zugrunde. Denn Kränkungen greifen unsere Selbstachtung, unser Ehrgefühl und unsere Werte an. Sie treffen uns im Innersten, können uns aus der Bahn werfen, uns krank machen und sogar zu den grausamsten Verbrechen und Kriegen führen.

Anhand ausgewählter Beispiele wird im Vortrag veranschaulicht, welche Macht Kränkungen über uns ausüben können, und wie es uns gelingen kann, an seelischen Verletzungen nicht nur zu wachsen, sondern auch die eigene Persönlichkeit zu stärken.

V11 - Gerd Rudolf
Seelische Funktionen und ethisches Verhalten
Das Beispiel der Strukturbezogenen Psychotherapie

Sonntag, 05.05.2019, 11.15-12.00 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Wenn wir als Eltern Kinder großziehen, wünschen wir Ihnen und uns, dass sie zu kreativen, zufriedenen Individuen heranwachsen und als Mitglieder ihrer Gemeinschaft einen Beitrag zu Bestand und Entwicklung der Soziokultur beitragen können. Wenn wir als PsychotherapeutInnen PatientInnen behandeln, registrieren wir häufig, dass ihnen nicht nur die Voraussetzungen für ein mitmenschlich bezogenes Leben, sondern vor allem auch für ein wertegeleitetes Handeln fehlen. Sie fallen aus der sozialen Gemeinschaft heraus, und eben daraus resultiert ein Großteil ihres Leidensgefühls.

Was kann Psychotherapie in solchen Fällen leisten? An dem psychodynamischen Strukturkonzept möchte ich verdeutlichen, welche psychischen Fähigkeiten die Voraussetzung für wertegeleitetes Handeln darstellen und am Beispiel der spezifisch Strukturbezogenen Psychotherapie will ich sichtbar machen, welche therapeutischen Interventionen und vor allem welche therapeutischen Haltungen dazu beitragen können, die Fähigkeit zu ethisch geleitetem Handeln bei PatientInnen zu fördern.

V12 - Christoph Kolbe
Ich – Selbst – Person
Klärungen sowie existenzanalytische Anmerkungen zur Ich-Struktur

Sonntag, 05.05.2019, 12.00-12.45 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

In Fortsetzung der Verhältnisbestimmung von Person und Struktur wird es in diesem Vortrag um eine differenzierende Klärung eines existenzanalytischen Verständnisses von Ich, Selbst und Person gehen. Wozu ist dies wichtig? Im Fokus der Existenzanalyse als psychotherapeutischer und beraterischer Methode steht das Anliegen, den Menschen zu einem freien und verantwortlichen Umgang in dessen Welt zu befähigen. Dies verlangt die Fähigkeit, in das eigene Leben gestaltend einzugreifen, um es selbstbestimmt zu vollziehen. Wir verorten diese Fähigkeit in der Geistigkeit des Menschen, in deren Zentrum die Person steht. Welche Aufgaben und Funktionen kommen in diesem Prozess dem Ich und dem Selbst zu? Welche ichstrukturellen Voraussetzungen müssen gegeben sein, um personale Aktivitäten vollziehen und Konflikte unterschiedlicher Strebungen oder Konflikte zwischen Strebungen und Bedürfnissen bewältigen zu können? Wie entsteht diese Ich-Struktur? Die Klärung dieser Fragen soll helfen zu erkennen, in welchen Kontext das Personsein eingebettet ist. Dies ist u. a. von Bedeutung für die Diagnostik und die Bearbeitung fixierter Affektdynamik.

ABSTRACTS SYMPOSIA

A) PSYCHOTHERAPIE & BERATUNG

Organisation: Rupert Dinhobl

Vorträge

A1 - Claudia Reitinger, Bernhard Schwaiger
Existenzanalyse und Psychoanalyse
Ein Dialog zur Psychodynamik

Samstag, 04.05.2019, 13.00-13.30 Uhr, Paracelsus-Saal

Existenzanalyse und Psychoanalyse haben unterschiedliche Konzeptionen von Psychodynamik. Diese werden einleitend skizziert. Wir legen einen Fokus auf die Frage, ob und inwiefern eine psychoanalytische Theorie der Psychodynamik mit der Anthropologie der heutigen Existenzanalyse kompatibel ist und was beide Richtungen aus einem integrativen Blickwinkel voneinander lernen können. Im Speziellen beziehen wir diese Fragestellung auf die Psychodynamik der Depression und Suizidalität.

A2 - Clemens Fartacek
Die apersonale Macht akut suizidaler Zustände

Samstag, 04.05.2019, 13.30-14.00 Uhr, Paracelsus-Saal

Jährlich sterben in Österreich zwei- bis dreimal mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Der Suizid stellt einen tragischen Endpunkt einer Entwicklung dar, die als suizidaler Prozess bezeichnet wird. Im Vortrag wird praxisrelevant auf die aktuelle suizidologische Forschung zur Beschaffenheit dieses Prozesses eingegangen. Besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei akut suizidale Zustände, die mit der Emergenz eines spezifischen state of mind assoziiert werden und aus existenzanalytischer Perspektive als apersonaler Modus der Psychodynamik verstanden werden können. Implikationen für die existenzanalytische Praxis werden diskutiert.

A3 Martin Plöderl
Begegnungen am Abgrund
Psychodynamische Prozesse bei Suizidalität

Samstag, 04.05.2019, 14.00-14.30 Uhr, Paracelsus-Saal

Die Behandlung von suizidalen Menschen ist eine therapeutische Herausforderung, vor allem wegen der damit verbundenen „außerordentlichen“ psychodynamischen Prozesse auf PatientInnen- und TherapeutInnenseite. Auf diese gehe ich in meinem Beitrag mit Fallbeispielen und Bezug auf die suizidologische Literatur ein. Weiters diskutiere ich personale Aktivitäten, welche eine therapeutische Grundhaltung trotz der dynamisierten Situation ermöglichen, sowie juristische, ethische und psychohygienische Aspekte.

A4 - Astrid Görtz
Forschung aus der Praxis für die Praxis

Samstag, 04.05.2019, 15.00-15.10 Uhr, Paracelsus-Saal

Ein kurzer Input über laufende Projekte mit einem Einblick in praxisrelevante Ergebnisse, der Lust auf mehr Forschung macht.

A5 - Joel Vos
Effektive therapeutische Hilfe bei belastenden Lebensveränderungen – der empirische Stand

Samstag, 04.05.2019, 15.10-16.00 Uhr, Paracelsus-Saal

Dieser Vortrag gibt zunächst einen systematischen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zur Frage: „Wie kann trotz belastender Lebensveränderungen ein sinnvolles Leben geführt werden?“ Es gibt viele therapeutische Möglichkeiten, KlientInnen mit diesen Fragen zu helfen, aber nicht alle sind effektiv. Eine systematische Literaturstudie hat fünf effektive therapeutische Kompetenzbereiche identifiziert: Sinngerichtete Fallformulierung, sinnspezifische Kompetenzen, positive therapeutische Beziehung, Phänomenologie und existenzielle Kompetenzen. Eine Analyse von 60 empirischen Untersuchungen zeigt, dass so aufgebaute sinnzentrierte Therapien sehr effektiv Verbesserungen von Psychopathologie und Lebensqualität bewirken können. Die thematische Analyse ergibt, dass die effektivsten Therapien mehrere Bereiche systematisch beschreiben, die den existenzanalytischen Grundmotivationen entsprechen. Eine andere thematische Analyse von 107 Studien zum Thema, wo Menschen Sinn finden, ergab fünf Felder, die folgende Bezeichnungen erhalten haben: materialistische, hedonistische, selbstorientierte, soziale, höhere und existenziell-philosophische. Die empirischen Daten werden mit einigen therapeutischen Beispielen illustriert.

A6 - Steffen Glathe
Unter dem Eis

Samstag, 04.05.2019, 16.00-16.30 Uhr, Paracelsus-Saal

Als wir kürzlich noch einmal daran dachten, wie sie damals in unsere Klinik gekommen ist, sprach Katharina von einer „Todesfahrt“. Niemand im Wagen habe ein Wort gesagt. Sie sei vollkommen erstarrt gewesen vor Angst und Entsetzen; ein neuerlicher Klinikaufenthalt, ein „letzter Versuch“, sich anderenorts aus den Klauen einer therapierefraktären Depression zu befreien. So bin ich ihr begegnet, einer drahtigen Frau fortgeschrittenen Alters, zu jung, wie sie da vor mir bewegungsunfähig auf dem Flur stand, um den Gedanken an einen Umzug in eine betreute Wohneinrichtung nicht widerständig als Kapitulationserklärung verwerfen zu wollen.

Ich werde ihre Geschichte erzählen und die des einen phänomenalen Augenblickes, in dem sich der Zugang zur Person erschloss, und die Abwärtsbewegung der vergangenen Jahre die Richtung zu ändern begann. Insbesondere werde ich dabei in den Blick nehmen, wie sich psychodynamische Faktoren durch den existenzanalytischen Behandlungsansatz von einem destruktiven Energiefeld in Schubkräfte auf dem Weg zur Heilung verwandelten.

A7 - Andrea Engleder
Schneller, höher, weiter
Zur Psychodynamik im Spitzensport

Samstag, 04.05.2019, 17.00-17.30 Uhr, Paracelsus-Saal

Sie gehen über ihre körperlichen Schmerzgrenzen. Sie ordnen dem Erfolg jahre- bis jahrzehntelang ihr ganzes Leben unter und dies für möglicherweise nur einen Augenblick des „Außergewöhnlich-Seins“. Manche meinen, nur eine „Killer“-Persönlichkeit könne es im Hochleistungssport zu etwas bringen. Können daher nur pathologische Persönlichkeiten Sieger werden? Muss man für Höchstleistungen eine erhöhte Leidensfähigkeit als Person mitbringen?

Der Vortrag möchte auf die Aufgaben in der existenzanalytischen Begleitung von SpitzensportlerInnen eingehen und mögliche Grenzen andiskutieren. Welche Ansprüche werden an PsychotherapeutInnen gestellt, die mit SpitzensportlerInnen arbeiten und welche Psychodynamik des/der SportlerIn ist zu unterstützen.

A8 - Esther Purgina
Vom Ich übers Wir zum Ich
Wege zu entschieden gelebten Beziehungen

Samstag, 04.05.2019, 17.30-18.00 Uhr, Paracelsus-Saal

Der Mensch als soziales Wesen steht sein ganzes Leben in Beziehung mit anderen Menschen. Beleuchtet man die eigenen Beziehungssysteme genauer, entdeckt man eine Variation an gelebten Beziehungsmustern. Erweitert man die Definition von In-Beziehung-Stehen auch auf Gegenständliches, dann bietet das Auffinden des „Ich“ in diesem „Wir“ eine breite Basis für neue Erkenntnisse und persönliche Entwicklung.

Der Einsatz des Existenzanalytischen Aufstellungsbrettes (EAAB) im therapeutischen Prozess ermöglicht, persönliche Beziehungsmuster handgreiflich darzustellen, in sichere Distanz – auf das Brett – zu bringen, sich selbst darin zu verstehen und dadurch zu einer Entschiedenheit in jeder gelebten Beziehung zu kommen.

In diesem Vortrag wird die Theorie anhand von Fallbeispielen unter Einsatz des EAAB ins Praktische gehoben und verdeutlicht.

A9 - Christine Koch
Vom Nutzen und Schaden der treibenden Kraft

Samstag, 04.05.2019, 18.00-18.30 Uhr, Paracelsus-Saal

Psychodynamik äußert sich als Re-Aktion auf innere oder äußere Reize, Bedürfnisse und Anforderungen, als (unbewusstes) Coping oder Impuls zum Handeln. Sie ist unverzichtbar als energetischer Antrieb, den wir brauchen, um „in Bewegung“ zu kommen. Als Copingreaktion schützt sie einerseits unser Leben (z.B. als Angst), unsere Integrität und Individualität (z.B. als Schutz vor seelischen Verletzungen, in Rückzug, Scham …), unreflektiert und ohne personale Stellungnahme hemmt sie allerdings unsere Freiheit im Ausdruck und Handeln. Psychodynamische, stereotype Erlebens- und Verhaltensweisen können uns darauf hinweisen, wie wir in der Welt sind und worum es uns geht, wenn wir sie wahrnehmen und verstehen.

Workshops

A10 - Manuela Steger
Lola (b)rennt! Gier – Obsession – Isolation
Die Paraexistentielle Persönlichkeitsstörung

Samstag, 04.05.2019, 13.00-14.30 Uhr, Mozart-Saal 5

Welche Ursachen, Auswirkungen und Nebenwirkungen hat der atemlose Zeitgeist, in dem Personen getrieben, hartnäckig und skrupellos ihre Ziele verfolgen?

Die Paraexistentielle Persönlichkeitsstörung beschreibt, wie sich das Leben in der Hergabe an Ziele anstelle der Hingabe an Werte ausdünnt. Durch das Anpassen an Nutzwerte und Funktionalität – das Ziel muss erreicht werden, koste es, was es wolle – geht der dialogische Austausch zwischen Innen- und Außenwelt verloren. Die eigenen Grenzen werden nicht mehr gespürt, Unachtsamkeit und Lieblosigkeit prägen den Umgang mit sich selbst und anderen. Der Preis dieses ehrgeizigen Strebens ist trotz erfolgreicher Zielerreichung Isolation und Vereinsamung.

Im ersten Teil des Workshops wird die Störung des Selbstbezugs der Person mit einem defizitären Sinnbezug zur Welt (Entstehung, Reaktion, Dynamik) beleuchtet. Konkrete Beispiele aus dem Leistungssport zeigen die Dynamik von krankhaftem Ehrgeiz im Zusammenhang mit hohem Sozialprestige auf. Im zweiten Teil geht es um die Reflexion der eigenen paraexistentiellen Anteile, sowie um Voraussetzungen für eine existentielle Wende und um Ansätze für therapeutische Interventionen.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 16 Personen

A11 - Gabriele Brandmaier
Verwebte Leidenschaft
Der Traum als Wegweisung

Samstag, 04.05.2019, 13.00-14.30 Uhr, Trapp-Zimmer

Die primäre Emotion und der phänomenale Gehalt, die im Traum selbst oder kurz nach dem Aufwachen zu spüren sind, zeigen mir meine innere Wahrheit, zeigen mir, wie es wirklich ist in mir.

Durch die dialogische Auseinandersetzung mit den Symbolbildern im Traum, die Befragung der Bilder durch die Verknüpfung mit meiner konkreten Lebenswirklichkeit und durch die Stellungnahme, verwebt sich die Leidenschaft dieser stark erlebten Gefühle (Angst, Trauer, Wut, Enttäuschung, Glück usw.) mit der Weg-Weisung. Sie ist im Traum, als Hinzufügung zu meinem Wissen, verborgen enthalten und will von mir verstanden werden. Wenn ich die Botschaft des Traumes an mich geborgen habe und sie in meiner konkreten Alltagswirklichkeit umsetze, erfährt mein Beziehungsverhalten eine nie müde werdende, hellsichtige und hilfreiche Korrektur. Das lässt mich aus der Tiefe heraus „anders werden“, es verwandelt mich und bewirkt inneres Wachstum.

In diesem Workshop wird der theoretische Hintergrund der Traumarbeit erklärt, um dann an den Träumen phänomenologisch miteinander zu arbeiten.

Bitte aufgeschriebene Träume und den dazugehörigen Tagesrest in den Workshop mitbringen!

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

A12 - Clemens Fartacek
Umgang mit suizidalen Dynamiken in der existenzanalytischen Praxis

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.30 Uhr, Doppler-Saal

Der Kontakt mit suizidgefährdeten KlientInnen in der psychotherapeutischen Praxis ist oftmals von Unsicherheit und Angst geprägt. Umso wichtiger ist es, dass PsychotherapeutInnen bestmöglich auf solche Situationen vorbereitet sind. In diesem Sinne gewährt der Workshop einen aktuellen praxisorientierten Einblick in die Suizidrisikoeinschätzung und Erarbeitung von Notfallplänen, zwei wichtige Ansätze in der Suizidprävention und best practice der Therapie mit suizidalen KlientInnen. Die theoretischen Grundlagen werden durch Übungssequenzen vertieft.

 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

A13 - Rupert Dinhobl
border-Macht-dynamik
Zur Dynamik und Macht der Borderlinestörung

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.30 Uhr, Doppler-Saal

Der Titel dieses Workshops ist mehrschichtig. Dass PatientInnen mit Borderlinestörung Dynamik „machen“ – im Sinne von auslösen, ist hinreichend bekannt: Intra-psychische und inter-psychische Dynamik. BehandlerInnen kennen das zur Genüge. Aber: üben Borderline PatientInnen selbst auch Macht aus? Wenn ja, worin besteht ihre Macht? Was löst das bisweilen macht-volle Auftreten der BorderlinerInnen in den BehandlerInnen aus? Und wie können wir dieser „Macht“ begegnen? Anhand von Zeichnungen und Bildern einer Klientin soll diesen „Macht“-Phänomenen nachgegangen werden.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

B) BEZIEHUNGSDYNAMIK

Organisation: Susanne Pointner

Vorträge

B1 - Marc Sattler
Love me, Tinder – Love me true
Kapitalistische Lebensformen und Paarbeziehungen

Samstag, 04.05.2019, 13.00-13.45 Uhr, Trakl-Saal

Paardynamik im weiteren Sinn beschreibt die Reaktionsform eines Paares auf blockierte Entfaltung der Grundmotivationen. Gesellschaftliche Strukturen sind ebenso Quellen der paardynamischen Reaktionen wie die individuellen Lebensgeschichten.

Die westlich orientierte, kapitalistische Welt benötigt Menschen, die in großer Zahl reibungslos funktionieren, konsumieren und sich dabei gleichzeitig frei und unabhängig fühlen. Leicht lenkbar, gefügig und willig sollen sie sein, nicht einmal mehr ein Ziel vor Augen ist notwendig. Das Haben hat schon längst dem Sein den Platz abgerungen!

In diesem Vortrag werden die Auswirkungen dieser Haben-orientierten Lebensweise auf Paarbeziehungen beleuchtet und hinterfragt.

Der Frage, wie ein Gegenentwurf zum kapitalistischen Imperativ unserer Zeit für Paarbeziehungen aussehen könnte, wird existenzanalytisch nachgegangen.

B2 - Kyra Vovsik, Wolfgang Vovsik
Existenzanalytische Paarberatung/Paartherapie und Mediation mit Scheidungspaaren
Unterschiede, Überschneidungen und Gemeinsamkeiten

Samstag, 04.05.2019, 13.45-14.30 Uhr, Trakl-Saal

Während die „Einen“ sich auf den Weg begeben, um sich gemeinsam als Liebespaar wieder zu entdecken, begeben sich die „Anderen“ auf den Weg der Trennung, um gemeinsam die Hürden für eine Vermögensregelung und/oder Elternregelung zu bereinigen. Der existenzanalytische Paarprozess fokussiert ressourcenorientiert, tiefenpsychologisch und dialogisch auf die Liebesbeziehung und damit auf die möglichen Störungen in der Tiefe der Seele. Das Paar wird über den professionellen Dialog in die Begegnung gebracht, um die Beziehung mit neuer Qualität und neuen Erkenntnissen zu vertiefen und fortzusetzen oder um sich konstruktiv voneinander zu verabschieden. Der Mediationsprozess fokussiert systemisch strukturiert auf Bedürfnisse der MediandInnen zur Bewältigung der materiellen Deckung der Lebensumstände und/oder auf eine sinnvolle Handhabung der Elternschaft. Paare werden katalysatorisch in die Begegnung eingeladen, um sinnvoll verhandeln zu können, damit sie die Beziehung vor dem Gesetz beenden können. Beide Prozesse können einander befruchten und ergänzen.

 

 

B3 - Sonja Langer
Was wirklich zählt im Leben – Beziehungen als Schlüssel zum Lebensglück?

Samstag, 04.05.2019, 15.00-15.45 Uhr, Trakl-Saal

Was ist wirklich, wichtig im Leben? Was macht erfülltes, glückliches Leben in der Tiefe unseres Daseins aus? Wie wirken sich unser persönliches So-Sein und unsere Lebensgeschichte auf die Gestaltung des Lebens und unsere Beziehungen aus?

In 32 persönlichen Interviews zeigte sich einmal mehr, dass es am Ende die Beziehungen sind, die unser Leben mit Glück erfüllen. Dieser Vortrag gibt einen Einblick in Lebensgeschichten und Beziehungserleben und arbeitet heraus, wie Beziehungsdynamiken darauf Einfluss nehmen, wie schwierige Beziehungen Lebens- und Liebesglück zerstören können und was in Beziehungen und im Leben glücklich macht.

B4 - Stanislava Schraufek Merdinger
Bikulturelle Paarwelten
Zwischen Balance und Ungleichgewicht in binationalen Beziehungen

Samstag, 04.05.2019, 15.45-16.30 Uhr, Trakl-Saal

Ca. 30% der Ehen in Österreich sind binational. PartnerInnen aus verschiedenen Kulturen greifen unbewusst auf unterschiedliche implizite Beziehungskonzepte und Familienmodelle zu. Ihre kulturellen und sozialen Prägungen beeinflussen auch in der Paarbeziehung ihre Art zu denken, zu kommunizieren und zu handeln. Daneben haben binationale Paare oft auch fremdenrechtliche Hürden zu bewältigen. Daraus resultierende ungleiche Machtverhältnisse können in der Paardynamik den Beziehungsalltag langfristig belasten. Im Vortrag werden die Besonderheiten und Konfliktpotentiale von bikulturellen Paaren sowie einige Wege, um wieder zur Balance zu finden, vorgestellt.

Workshops

B10 - Annette Fährmann, Jürgen Blenke
Von der PaarDynamik in den PaarDialog
Die Paarbeziehung als Chance für persönliches Wachsen

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.30 Uhr, Trakl-Saal

Im Alltag stellt sich uns oft die Frage, warum ein Dialog in der Paarbeziehung so viel schwieriger scheint als zum Beispiel im beruflichen Kontext. Insbesondere bei bestimmten Themen „rutscht“ man mit dem Menschen, der uns am nächsten steht, schnell in alte, sich wiederholende Muster. Für beide PartnerInnen wird es verletzend und sie bleiben zurück, ohne genau zu wissen, was da eigentlich passiert ist.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

C) LEIBHAFTIG

Organisation: Renate Bukovski, Ingo Zirks

Vorträge

C1 - Renate Bukovski, Ingo Zirks
„Ist es irgendwo ein wenig leichter?“
Einen Wohlfühlort im Körper finden

Samstag, 04.05.2019, 15.00-15.20 Uhr, Karajan-Saal

Schmerz lässt uns leiden, ankämpfen und vom Körper abwenden. Der Körper wird quasi zum Feind. In dieser Demo versuchen wir zu zeigen, wie über die Hinwendung zu einem kleinen Körperbereich der Schmerz für einige Zeit „vergessen“, ein positiver Bezug zum Körper und ein Wohlbefinden hergestellt werden kann. Dies kann Entlastung bringen, einen inneren Raum schaffen und Ausgangspunkt für die offene Zuwendung zum Schmerz sein.

C2 - Ingo Zirks
„Eine Eiskönigin in Aktion“ oder „Wenn der Schmerz zum Vorwurf wird“
Existenzanalytische Perspektiven auf den psychosomatischen Schmerz unter Einbeziehung lebensgeschichtlicher Einflussfaktoren

Samstag, 04.05.2019, 15.20-15.50 Uhr, Karajan-Saal

Chronischer Schmerz verändert den Menschen. Er macht mürbe, beeinflusst Mimik und Gestik. Er behindert den Bewegungs- bzw. Lebensfluss. Der schmerzgeplagte Mensch erkennt sich selbst nicht wieder. Das Leben reduziert sich auf die Schmerzerfahrung. Gutes Leben findet irgendwo anders statt.

In diesem Vortrag soll es darum gehen, die psychopathogenetischen Komponenten des Schmerzgeschehens mit Hilfe der Personalen Existenzanalyse zu verstehen. In der Psychotherapie kann der leidende Mensch eine Haltung erarbeiten, die ihn wieder in Bezug zu seinem Schmerz bringt, ihn diesen aushalten, annehmen und fühlen lässt.

Es kann gelingen, Mitgefühl für sich zu entwickeln und den Schmerz in eine heilsame Distanz zu bringen.

C3 - Renate Bukovski, Ingo Zirks
Möglichkeiten des Umgangs mit dem Schmerz

Samstag, 04.05.2019, 15.50-16.30 Uhr, Karajan-Saal

Körperliche und insbesondere chronische Schmerzen verhindern oft den Existenzvollzug eines Menschen. Sie beeinträchtigen ihn in seinem In-der-Welt-Sein, in seiner Lebendigkeit, seinem Selbstverständnis und Sinnerleben. Ein phänomenologischer Zugang ermöglicht es uns, in einen Dialog mit dem Schmerzempfinden zu kommen, welches oft rein auf der körperlichen Ebene verortet wird. Damit versuchen wir, es auf seine psychische Beteiligung und seine existentielle Bedeutung hin zu erfassen. In dieser Demo zeigen wir, wie man sich methodisch dem Phänomen Schmerz nähern kann, um der Person zu mehr Freiheit im Umgang mit dem Schmerz und dem körperlichen Geschehen zu verhelfen.

C4 - Barbara Jöbstl, Christina Strempfl
Von Panik überflutet – das Phänomen Panik und seine Behandlung

Samstag, 04.05.2019, 17.00-17.25 Uhr, Karajan-Saal

Panik als überflutendes Gefühl von Todesangst erfasst Betroffene in allen anthropologischen Dimensionen und spielt sich ganz wesentlich auch körperlich ab. Die Interpretation der körperlichen Symptome als Zeichen des drohenden Todes wiederum schaukelt das Panikerleben auf, die Person gerät außer sich.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema wird anhand einer Live-Demonstration ein Ausschnitt des therapeutischen Zugangs in der Behandlung von Panikattacken dargestellt und danach die methodische Vorgangsweise erläutert.

C5 - Susanne Adamek
Sind wir endlich sexuell befreit?

Samstag, 04.05.2019, 17.25-17.50 Uhr, Karajan-Saal

Die Sexualität eines Menschen ist nicht nur so individuell und einzigartig wie ein Fingerabdruck, sondern auch untrennbar mit kulturellen und gesellschaftlichen Werten verbunden. Sind wir heute in der westlichen Welt nicht freier als jemals zuvor in der Geschichte? Dürfen wir nicht endlich unser sexuelles Handeln gestalten wie es uns beliebt? Jetzt ist doch endlich (fast) alles erlaubt, was früher verboten war! Sexualität ist omnipräsent und manchmal scheint es, als wären wir nicht „für“ die Sexualität, sondern „von“ der Sexualität befreit.

C6 - Johann Zeiringer
Hilfe – ich kann nicht schlafen!

Samstag, 04.05.2019, 17.50-18.30 Uhr, Karajan-Saal

Eines der häufigsten Leiden, weswegen ich als Psychiater und Psychotherapeut kontaktiert werde, sind Schlafstörungen. Viele Menschen können oft nicht schlafen, weil sie nicht aufhören können zu denken. Nicht ich denke, sondern es denkt. Meist kreisen die Gedanken um Probleme des Alltags und belasten die Betroffenen sehr. Diesem Denken ausgeliefert zu sein und dadurch weder schlafen noch ruhen zu können, führt ohne Hilfestellung häufig in die Erschöpfung. In Verbindung mit Angst und Depression wird die Schlaflosigkeit zu einem schweren psychischen Leiden, das bis in die Suizidalität münden kann.

Auf Basis der vier Grundmotivationen und der Anwendung spezifischer Methoden der Existenzanalyse (Selbstdistanzierung, Sinnerfassungsmethode, Dereflexion, Personale Existenzanalyse), wird ein Zugang zur Behandlung von Schlafstörungen vorgestellt, der sich bei vielen PatientInnen als wirksam erwiesen hat.

Neben der theoretischen Vermittlung soll dieser Zugang auch durch selbsterfahrerische Sequenzen erfahrbar gemacht werden.

Workshops

C10 - Markus Angermayr
Da-Sein und Freiraum
Wie befreie ich mich inmitten der Gegebenheiten meines Lebens?

Samstag, 04.05.2019, 13.00-14.30 Uhr, Karajan-Saal

Kurze Einführung meines Zugangs, Verständnisses und Schwerpunkt von Körperarbeit und anschließende Einübungen.

Der KörperLeib ist immer dabei. Wir sind so selbstverständlich körperleiblich, dass wir es gerne übersehen. Er selbst bleibt dabei normalerweise im Hintergrund. Dabei gilt er als Nullpunkt unserer Verortung in der Welt. Das Erleben von „ich bin“ (Präsenz) und „sich in Empfang nehmen“ wird zum Ausgangspunkt meines nächsten Schrittes. Der KörperLeib ist mit der Situation des Daseins von Anfang an vertraut und ist in jedem Augenblick Nahtstelle zwischen Innenwelt und Außenwelt, steht in unmittelbarem Austausch (Dialog). Die Bezugnahme auf das körperleibliche Dasein eröffnet paradoxerweise inneren Freiraum, den Zugang zur Quelle von Person und ermöglicht das Sehen von Dynamiken. Das will allerdings geübt sein.

 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

D) TRAUMA

Organisation: Renate Bukovski, Lilo Tutsch

D1 - Renate Bukovski, Lilo Tutsch
Dissoziation: Dont‘s and Do‘s

Samstag, 04.05.2019, 13.00-14.30 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Dissoziation ist ein Überlebensmodus der Person während traumatischer Erfahrungen, der sich häufig posttraumatisch bei entsprechenden Triggern wiederholt. PatientInnen sollen möglichst früh lernen diese Zustände zu kontrollieren und sich von ihnen zu distanzieren, um sich wieder im Gegenwärtigen zu verankern, da das Verharren in den traumatischen Erinnerungswelten die Symptomatik verstärkt oder sogar retraumatisierend wirkt.

Wie und woran TherapeutInnen merken können, ob PatientInnen dissoziieren und welche Umgangsmöglichkeiten hilfreich bzw. ungeeignet sind, ist Gegenstand unseres Beitrages.

D2 - Doris Fischer-Danzinger, Barbara Gawel
„So will ich aber nicht sein!“

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.30 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Ist es für viele PatientInnen schon schwierig genug, sich ihren inneren Verletzungen wohlwollend und nicht ablehnend zuzuwenden, fällt dies bei (sich und andere) verletzenden Facetten noch viel schwerer. Viele Menschen wollen diese „nur einfach loswerden“ – sie erleben, dass sie SO nicht sein wollen: so aggressiv, so wütend, so abweisend etc. Existenzanalytisch leiten wir die PatientInnen an, mit diesen nicht erwünschten Persönlichkeitszügen in einen inneren Dialog zu kommen. Aus dem Bekämpfen soll ein Annehmen und – im besten Fall – ein Integrieren möglich werden. Dieses konkrete Vorgehen wird im Beitrag dargestellt und geübt.

D3 - Jana Bozuk, Lilo Tutsch
Psychotraumakonfrontation – Begegnung mit dem Schrecken

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.30 Uhr, Plenarsaal (Europasaal)

Ein unverarbeitetes Trauma kann bei entsprechenden Triggern und Belastungen vielfältige und zum Teil heftige Copingreaktionen auslösen. Für die psychotherapeutische Praxis ergibt sich daraus die Notwendigkeit, in Abhängigkeit von der Stabilität der PatientInnen, die traumatische Erfahrung durch Konfrontation zu bearbeiten. Da dies auch die Gefahr einer Retraumatisierung und Verschlechterung des Zustandes birgt, schauen wir in diesem Beitrag auf die Vorbedingungen, Vorbereitungen sowie methodischen Schritte einer Traumkonfrontation.

E) KINDER, JUGENDLICHE UND IHRE LEBENSWELTEN

Organisation: Kerstin Breckner, Birgit Adenbeck

Vorträge

E1 - Beate Priewasser
Durch dich komme ich zu mir
Über die Möglichkeiten des Kindes zum personalen Dialog

Samstag, 04.05.2019, 13.35-14.10 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Unter der Annahme, dass psychodynamische Reaktionen auf bedrohte oder fehlende existenzielle Grundbedingungen verweisen, wird der automatisch ablaufende psychische Bewältigungsversuch zu einem wertvollen Hinweis darauf, worum es dem Kind wesentlich geht. Vermutet wird, dass schon Klein- und Vorschulkinder sensitiv dafür sind, dass sie „eigentlich“ nicht so reagieren möchten. Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass sie, wenn sie mit innerer Zustimmung handeln, das Gefühl von Stimmigkeit erleben. Neben der auf Lebenserhalt ausgerichteten Psychodynamik zeigt sich also auch schon die auf Lebensgestaltung ausgerichtete Noodynamik. Voraussetzung dafür ist eine Beziehung, in der das Kind Vertrauen, Mögen und So-Sein-Dürfen erlebt. Über die personale Begegnung kann es zum Erleben der Diskrepanz „eigentlich möchte ich es gerne anders machen“ und dem Erfühlen einer eigenen, stimmigeren Antwort hingeführt werden. Wodurch wir Kinder konkret unterstützen können, um von der Copingreaktion zur personalen Aktivität zu kommen, hängt auch vom psychophysischen Entwicklungsstand ab. In diesem Vortrag sollen empirische Befunde aus der Entwicklungspsychologie mit den Fähigkeiten, die für dialogischen Austausch und personales Handeln benötigt werden, in Zusammenhang gebracht werden.

E2 - Eva Maria Waibel
Wenn die Psychodynamik Alarm schlägt…
Wie wir dem Kind und dessen Lebensthemen näher kommen

Samstag, 04.05.2019, 13.35-14.10 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Wenn sich Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen befinden, so dient die Psychodynamik nicht nur dem (Über)Leben, sondern öffnet den unmittelbaren Zugang zum Problem. Die dabei von den Betroffenen angewandten Copingstrategien verweisen direkt auf deren vitale Bedürfnisse, aber auch auf deren existenzielle Themen. Da die Psychodynamik auf diese Weise ihre Anliegen einbringt, bedeutet dies, dass wir mit dem phänomenologischen Verstehen des Erlebens der Kinder und Jugendlichen nicht nur der Person nahe kommen, sondern auch deren anstehenden Lebensthemen und deren aktuellen Belastungen. Ziel einer Existenziellen Pädagogik ist es, die Psychodynamik personal zu integrieren. Wie dies gelingen kann, soll anhand von Praxisbeispielen aufgezeigt werden.

E3 - Elisabeth Ziegler-O´Donell
Psychodynamische Phänomene bei Kindern und Jugendlichen

Samstag, 04.05.2019, 15.00-15.25 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Im psychotherapeutischen Prozess mit Kindern und Jugendlichen zeigt sich anhand der kreativen Vielfalt in der therapeutischen Arbeit ein hohes Maß an Psychodynamik. In diesem Vortrag wird die existenzanalytische Psychotherapie mit dem Modell der Strukturdynamischen Kohärenz nach Werner Janzarik (Heidelberger Schule) in Beziehung gesetzt, wobei auf die emotional antriebhaften Aspekte der kindlichen Psyche, wie Lebenskraft, Neigung, Wollen, Mut, Befindlichkeiten und Gefühle eingegangen wird. Der Schwerpunkt der Ausführungen liegt auf dem Wahrnehmen und Berücksichtigen der psychodynamisch begründeten Verhaltensweisen.

E4 - Walter Schmidt
„Der Mensch schuldet dem Kind das Beste, was er zu geben hat.“ (aus der UNO-Deklaration zum Schutz des Kindes)
Herausforderung Familie im beraterischen und psychotherapeutischen Kontext

Samstag, 04.05.2019, 15.25-15.50 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Destruktive Familienstrukturen und daran geknüpfte Dynamiken können psychotherapeutische und beraterische Prozesse in der Einzelsitzung deutlich erschweren bzw. verhindern. Obwohl dieses Phänomen nicht neu ist, bleibt der konstruktive Umgang mit störungserhaltenden Interaktionsmustern eine Herausforderung, die auch professionell Helfende an ihre Grenzen bringen kann.

Anhand eines konkreten Falls soll deutlich werden, wie der Einbezug aller Familienmitglieder einen Beratungs- bzw. Therapieprozess maßgeblich unterstützen kann.

E5 - Birgit Adenbeck
(gemeinsam mit Beatrix Selih, Elisabeth Ziegler-O´Donell, Sebastian Ziegler)
Ausschnitt aus einem Elterngespräch mit einer 15jährigen Jugendlichen

Samstag, 04.05.2019, 15.50-16.15 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Elterngespräche sind ein wesentliches Element in der existenzanalytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und zählen mitunter zu den herausforderndsten Aufgaben für die PsychotherapeutInnen. Nicht selten nutzen sowohl die Eltern als auch die jungen KlientInnen den sicheren Raum, um Klartext zu reden und können den/die PsychotherapeutIn in Bedrängnis bringen: Wie komme ich da wieder heraus, um sowohl die Eltern im Boot zu halten und gleichzeitig meinem/r KlientIn an der Seite zu stehen?

In der Demonstration wird gezeigt, wie ein Elterngespräch mit einer jugendlichen Klientin durch divergierende Ansichten und Überzeugungen sich immer mehr in Richtung Eskalation bewegt und wie es gelingen kann, wieder zu einem moderaten dialogischen Miteinander zu kommen.

E6 -Kerstin Breckner
Autorität Macht Schule

Samstag, 04.05.2019, 17.00-17.35 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Das Bildungssystem, aber auch das Gesundheitswesen sind wie die meisten Institutionen in ihrem Aufbau hierarchisch organisiert und in Theorie und Praxis von vielfältigen Machtprozessen und -wirkungen durchdrungen. Schule ist ohne Macht nicht zu denken. Diese systemimmanenten Gegebenheiten sind historisch gewachsen und offenbar zielführend notwendig. Wie kann unter diesen Umständen eine Erziehung zur Verantwortung stattfinden? Gibt es einen Raum für Freiheit im existenziellen Sinn? Wie wird es möglich, innerhalb von Autoritätsverhältnissen (z. B. zwischen LehrerInnen und SchülerInnen) Beziehungen zu gestalten?

Für einen professionellen Umgang mit Macht ist eine kritische Reflexion des Phänomens unumgänglich. Der Vortrag wird sich einerseits der institutionellen Machtdynamik widmen. Andererseits wird der Frage nachgegangen, wie eine Partizipation aller Beteiligten im Sinne einer personalen Begegnung und eines offenen Dialogs stattfinden kann.

E7 -Beatrix Selih, Birgit Adenbeck
Wenn’s um uns geht: Jugendliche erzählen aus ihrer Welt

Samstag, 04.05.2019, 17.35-18.10 Uhr, Wolf-Dietrich-Saal

Voraussetzungen in der psychotherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen sind Interesse und eine Portion Neugierde für Trends und Themen, welche die jugendlichen KlientInnen beschäftigen und bewegen. Durch eine größtmögliche Offenheit in der Begegnung und im Dialog eröffnen sich Einblicke, wie junge Menschen denken und fühlen und wie sie durch Einflüsse von Peers, Instagram und Youtubern und mitunter weniger durch Eltern und LehrerInnen „groß werden“. Was läuft wie, wenn junge Menschen unter sich oder alleine sind?

Jugendliche kommen dabei in Kurzfilmszenen selbst zu Wort und geben einen Einblick in ihre Lebenswelt außerhalb der Einflussbereiche von erwachsenen Bezugspersonen.

WORKSHOP und VERNETZUNGSTREFFEN

E10 - Esther Kohl
Der Mut, sich auf sich einzulassen
Die eigene Präsenz erspüren und durch körpersprachliche Möglichkeiten verfeinern

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.30 Uhr, Doppler-Saal

Gefühle verweisen auf etwas tiefer Liegendes. Es gilt hinzuspüren, sie achtsam wahrzunehmen, ohne zu werten. Mit Elementen aus dem Fach „Darstellendes Spiel“ wird Gruppendynamik körperlich erlebbar. Alle Übungen wurden mit Jugendlichen praktiziert, sind aber auch für die Arbeit mit Erwachsenen geeignet. Es geht um das Empfinden z. B. von Zusammengehörigkeit und Ausgrenzung, von Führen und Geführtwerden, von Macht und Unterlegenheit. Nach jeder Sequenz wird reflektiert. An welcher Stelle macht Psyche Dynamik? Worauf verweist sie? Was zeigt mir das über mich? Bequeme Kleidung und Stoppersocken sind empfehlenswert.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 24 Personen

E11 - Kerstin Breckner
Vernetzungstreffen für PädagogInnen

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.00 Uhr, Trapp-Zimmer

Das Symposium für Existenzielle Pädagogik ist mittlerweile fester Bestandteil im Rahmen der GLE Kongresse. Vorträge und Workshops bieten einen kleinen Einblick in die vielfältigen Projekte und weisen auf interessante Artikel und spannende Überlegungen hin. Wir möchten aber in einen gegenseitigen Austausch kommen, Anliegen der TeilnehmerInnen in Bezug auf existenzielle Pädagogik aufgreifen, wesentliche pädagogische (im engeren und weiteren Sinn) Fragestellungen diskutieren und uns miteinander vernetzen. Dafür eröffnen wir auch dieses Jahr wieder einen räumlichen und zeitlichen Rahmen. Wir freuen uns auf rege Teilnahme!

F) ORGANISATIONSENTWICKLUNG

Organisation: Rainer Kinast

Vorträge

F1 - Irina Belezkaya, Ekatarina Evstigneeva
In Search of Vocation: How to Find Your Own Place in Profession within Internal and External Conditions?

Samstag, 04.05.2019, 17.45-18.30 Uhr, Mozart-Saal 4

When people search for vocation what do they search for? What does “vocation” mean? Does everybody have a vocation? In our presentation we will talk about how a career consultant using Existential Analysis theory and methods (PEA, PP, SEM) can activate a Person in his/her professional life situation taking in account internal and external limitations and possibilities.

Seminare

F2 - Frank Gottschling, Johannes Jurka
Die Dynamik des Getrieben-Seins in Organisationen
Phänomenologische Annäherung und personaler Umgang

Samstag, 04.05.2019, 13.00-14.30 Uhr, Mozart-Saal 4

Zahlreiche Aspekte der digitalen Zukunft sind für viele von uns erstre­bens­werte Aussichten: bequem online einkaufen, intelligente Fahrassistenz­systeme, mehr KundInnenorientierung, schnellere Produktentwicklung, vermehrte Zusammenarbeit in Netzwerken oder flexiblere Arbeitszeiten. Was verunsichert, ist der Weg dorthin – die sogenannte Digitale Transformation. Dieser Weg zeichnet sich durch den Umgang mit Unbeständigkeiten, Unsicherheiten, Komplexitäten und Mehrdeutigkeiten („VUCA-Welt“) aus.

Zusammen mit den TeilnehmerInnen wollen wir phänomenologisch ergründen, was Organisationen und deren Mitglieder an der „VUCA-Welt“ in das Gefühl des Getrieben-Seins bringt und zu welchen Bewältigungs- bzw. Schutzfunktionen das in vielen Fällen führt. Sind bislang bewährte Strategien, „etwas in den Griff zu bekommen“ überholt?

Mit Hilfe des Prozessmodells der Personalen Existenzanalyse sollen Haltungen und Wege gefunden werden, um aus dem Getrieben-Sein in einen Zu­stand des freien, verantworteten (personalen) Umgangs zu kommen und mit den Herausforderungen der Digitalen Transformation umgehen zu können.

F3 - Frank Gottschling
Förderliche und hemmende „organisationale“ Bedingungen
für die Mobilisierung personaler Kräfte im Rahmen der Personalen Existenzanalyse (PEA)

Samstag, 04.05.2019, 17.00-17.45 Uhr, Mozart-Saal 4

Personale Reifungsprozesse von MitarbeiterInnen und Führungskräften spielen sich im Kontext von organisationalen Bedingungen ab. In diesem Workshop soll das Prozessmodell der Existenzanalyse – die Personale Existenz­analyse (PEA) in den Fokus gestellt werden. Zusammen mit den TeilnehmerInnen soll diskutiert, reflektiert und erarbeitet werden, was förderliche oder hemmende „organisationale“ Bedingungen sind, damit MitarbeiterInnen und Füh­rungs­kräf­te ihre personalen Kräfte mit Hilfe der PEA mobilisieren können.

Thematisiert werden beispielweise: Aufbaustrukturen, Aufgaben und Rollen, Arbeits­prozesse, Personalentwicklung, Kommunikation, sowie die Zusammenarbeits- und Führungskultur.

Workshops

F10 - Kordula Wagner, Rainer Kinast, Jürgen Baumann (u.U.)
Führungskräfte zu einer personalen Entscheidungsfreudigkeit führen – bewährte Methoden

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.30 Uhr, Mozart-Saal 4

In Zeiten der Unsicherheit und unter enormem Erwartungsdruck sollten Führungskräfte nachhaltige Entscheidungen treffen können. Dazu brauchen sie einen freien Blick auf ihre Überzeugungen, Wertvorstellungen und einen Zugang zu ihrer „inneren Wahrheitsstimme“, zum innersten Gespür, das die Zustimmung für einen Weg in die Zukunft gibt. Der erste Schritt zur inneren Freiheit ist die Selbstdistanzierung. In Führungskräfte-Lehrgängen, Trainings, Workshops und Coachings haben sich für die Vortragenden bestimmte Methoden bewährt, um Führungskräfte zu einer personalen Entscheidungsfähigkeit heranzuführen.

In diesem Workshop werden einige Methoden vorgestellt und mit der anwesenden Gruppe durchgeführt. Ziel dieser Methoden ist es, das Getrieben-Sein durch äußere und innere Mechanismen zu erkennen, sowie Selbstdistanzierung und eine personale Entscheidungsfindung einzuüben.

Maximale TeilnehmerInnenzahl: 25 Personen

G) MITEINANDER IM GESPRÄCH: SCHULEN DIALOG

Organisation: Anton Nindl

Vorträge

G1 - G6 - Bodo Kirchner, Elisabeth Oedl-Kletter, Helga Vogl, Gerhard Walter, Anton Nindl
Verständnis und Umgang mit Psychodynamik
Die Existenzanalyse im Gespräch mit anderen Therapieschulen

Samstag, 04.05.2019, 13.00-16.30 Uhr, Mozart-Saal 1-3

Namhafte VertreterInnen der Psychoanalyse, der Konzentrativen Bewegungstherapie, der Personorientierten Psychotherapie, der Systemischen Familientherapie und der Existenzanalyse illustrieren anhand einer Fallvignette zum Motto „Freiheit finden im Getriebensein“ die Sichtweise der jeweiligen Therapieschule zur Psychodynamik und zeigen ihr fachspezifisches Vorgehen auf. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden im Anschluss in einem Panel diskutiert.

H) FORSCHUNGSERGEBNISSE AUS RUSSLAND

Organisation: Alfried Längle

Vorträge

H1 - Sergei Ishanov, Evgeny Osin
Solitude: Safe haven and retreat during the „storms” of psychodynamics

Samstag, 04.05.2019, 15.00-15.30 Uhr, Mozart-Saal 5

The research of solitude is currently gaining momentum. Solitude does not equate with loneliness; it is an independent concept with its own phenomenology and theory. We define solitude as a situation of being alone which can be a positive or a negative experience for the individual. In existential analysis, positive and productive solitude refers to one’s ability to be alone (‘das alleinsein-können’). According to Längle (1999), the preconditions for this ability include mastery over one’s inner life-space (1 FM), a valued personal life path (2 FM) and a sense of being justified in one’s own eyes (3FM). We are going to focus on the benefits of solitude for dealing with psychodynamics. In this regard, the problem of specific conditions of positive and productive solitude that is beneficial for noodynamics becomes important. We present a series of empirical studies using both quantitative and qualitative methods to discover and describe the personal and situational preconditions for positive and productive solitude which help person to find a safe haven and retreat in life.

H2 - Irina Tikhomirova, Elena Ukolova
Self-compassion as a personal attitude towards oneself

Samstag, 04.05.2019, 15.30-16.00 Uhr, Mozart-Saal 5

The report presents a qualitative study of the phenomenon of self-compassion. We conducted deep semi-structured interviews with 15 people (24 to 56 years old). In ten cases self-compassion was discovered. The interviews were analyzed using a phenomenological method (Giorgi, 2009). As a result, we have a description of self-compassion as an attitude of a person to themselves where they accept their feelings, weaknesses and the situation, sympathize with their feelings and treat themselves with care, respect. We identified main stages of dealing with difficult situation if a person treats themselves with compassion and considered the prerequisites of self-compassion. We found out that self-compassion helps overcome psychodynamics in difficult situation and make personal choices.

H3 - Sofya Shokotko
Traps of motherhood

Samstag, 04.05.2019, 16.00-16.30 Uhr, Mozart-Saal 5

Mothers face great pressure from society, idealistic demands of their families and their own expectations. In addition to having to deal with their children’s occasional misbehavior women often experience own lack of sleep. These factors, combined with the responsibility for the well-being and education of their children can easily drive a woman into despair and result in the collapse of her own life. Motherhood, while filling the lives of many women with meaning and joy, can cause deep suffering for a mother as well. Psychodynamic reactions can occur devastating like an avalanche, like the destructive inner critic, psychological settings learned from their parents, childhood traumas, transgenerational traumas etc.

After describing the specific problematic situation of mothers the presentation will turn around the question: What inhibits them to feel the significance of motherhood?

I) FORSCHUNG

Organisation: Astrid Görtz

I1 - Astrid Görtz, Clemens Fartacek, Andreas Harbich
Praxis-Forschung in der Existenzanalyse

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.00 Uhr, Mozart-Saal 5

Die aktuelle Psychotherapieforschung („Phase IV-Forschung“) fordert einen stärkeren Praxisbezug von Studienergebnissen. In diesem Trend liegen die laufenden Projekte, die „Carina-Studie“ und die „Praktiker-Studie“ der GLE-International. Der Kongress-Beitrag liefert erste Zwischenergebnisse aus den beiden Projekten, und zwar sowohl hinsichtlich qualitativer als auch quantitativer Auswertungen. Darüber hinaus werden Anregungen für kleinere Forschungsprojekte gegeben, welche die einzelne PsychotherapeutIn als „forschende PraktikerIn“ ohne allzu großen Aufwand selbst durchführen kann.

I2 - Elizaveta Larina, Vladimir Shumskiy
Interrelation of existential fulfillment in child-parent relationships and in romantic relationship in adolescence and adulthood

Samstag, 04.05.2019, 18.00-18.30 Uhr, Mozart-Saal 5

The research is dedicated to the controversial problem of interrelation of existential fulfillment in child-parent relationships and in romantic relationship. If there is a strong correlation, it would be contrary to the basic idea of existential psychology, which claims that all people have a free will.

This study consists of two independent researches held on online samples. The first research was conducted using questionnaire “A test to measure existential motivations in interpersonal relationships” – TEMIR (Ukolova, Shumskiy & Osin, 2014) – applied by respondents to relationships with parents and romantic partner. Also it was used the new original Russian version of “A test of existential motivations” – TEM (Shumskiy, Ukolova, Osin & Lupandina, 2016). The second research was carried out using Osgood’s semantic differential to describe mother’s and father’s figures, TEMIR and TEM to evaluate an existential fulfillment in romantic relationships and in life in general. The finding shows that child-parent relationships deposit relatively small contribution in romantic relationships and existential fulfillment of a person.

J) EINFÜHRUNG IN DIE EXISTENZANALYSE UND LOGOTHERAPIE

Vorträge

J1 - Karin Steinert
Was ist Existenzanalyse und Logotherapie?

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.30 Uhr, Trapp-Zimmer

In diesem Vortrag soll ein einführender Einblick in die Anthropologie, Motivationstheorie, das Strukturmodell und das Prozessmodell der Existenzanalyse gegeben werden. Darauf aufbauend wird in einem Überblick die existenzanalytische Sicht von spezifischen Störungsbildern dargestellt.

K) MODERIERTE DIALOGE ZU 3 AUSGEWÄHLTEN PLENAR-VORTRÄGEN

Dialoge

K1 - K3 - Jürgen A. Baumann
Dialoge

Samstag, 04.05.2019, 15.00-16.30 Uhr, Foyer

Die Idee ist, den Teilnehmenden die Gelegenheit zu geben, die gehörten Vorträge auf eine lebendige Art und Weise zu vertiefen und sich in einem guten, strukturierten und anregenden Rahmen dialogisch auszutauschen. Am Beginn steht eine Einführung zum Verständnis von Dialog und zum geplanten methodischen Ablauf in der Großgruppe (Plenum) durch den Leiter des Symposiums. Danach geht es je nach Interesse zunächst in die jeweiligen Gruppen. Nach dem Einstieg durch den Moderator entwickelt sich aufgrund der Eindrücke, Fragen und Kommentare ein gemeinsamer Dialog, dessen Verlauf festgehalten wird (Flipchart). Später kommt die/der jeweilige ReferentIn hinzu, um in den Dialog einzusteigen, entstandene Fragen

aufzugreifen und Rückmeldungen zu beantworten sowie Ausblicke zu geben. Den Abschluss bildet eine kurze Zusammenschau der jeweiligen Quint-Essenzen in der Großgruppe (Plenum), die von den Moderatoren vorgestellt werden. Alle drei moderierten Dialoge finden im offenen Raum (in Anlehnung an „open space“) gleichzeitig bzw. parallel statt, so dass Teilnehmende auch zwischen den Dialogen aktiv wechseln können.

Die drei Dialoge sind:

K1 zum Vortrag von Silke Birgitta Gahleitner
Gewalt und Trauma in Begegnung und Beziehung bewältigen

(Freitag, 17.00-17.45 Uhr)

K2 zum Vortrag von Karin Steinert
Voll verwickelt Therapeutische Schritte durch den Dschungel der Psychodynamik

(Samstag, 9.35-10.10 Uhr)

K3 zum Vortrag von Markus Angermayr
Bevor du sprichst, spricht dein Körper zu dir Freiraum durch Körperwahrnehmung

(Samstag, 11.15-11.50 Uhr)

Emmanuel Bauer
Einführung und Information zum Universitätslehrgang

Samstag, 04.05.2019, 17.00-18.30 Uhr, Foyer

Für die Praxis der Existenzanalyse ist es sicher von großem Vorteil, einen tieferen Einblick in die Existenzphilosophie, welche deren geistigen Hintergrund bildet, sowie in die Philosophie der Person und die des erfüllten Lebens zu gewinnen – damit man weiß, was man eigentlich tut. Der Universitätslehrgang „Existenzanalyse und Logotherapie“ bietet die Möglichkeit für eine derartige Vertiefung (Nachzertifizierung) oder die Chance, die Ausbildung zur/zum Psychotherapeutin/Psychotherapeuten von Anfang an auch unter Einbeziehung dieser profunden wissenschaftlich-philosophischen Basis zu machen. In dieser Veranstaltung gibt es einen inhaltlichen Vorgeschmack und nähere Informationen.