Abstracts

Abstracts2019-10-17T17:13:39+02:00

ABSTRACTS PLENARVORTRÄGE

V1 - Ingo Zirks
Formen des Miteinanderseins: Vom Small Talk zum „Magic Touch“

Freitag, 01.05.2020, 14.20–15.05 Uhr, Plenarsaal
Menschliches Miteinandersein kann in vielerlei Weise beschrieben werden. Ein einheitlicher Sprachgebrauch hat sich in der Fachwelt bisher nicht durchgesetzt. Die Existenzanalyse bemüht sich deshalb um eine präzise Terminologie, da die spezifische  Art und Weise des Miteinanders das Berührtwerden, den Magic Touch, die personale Begegnung erleichtert. Begegnung ermöglichen Veränderungsprozesse in existenzieller Hinsicht.
In diesem Vortrag werden verschiedene Weisen des Miteinanderseins beschrieben und deren kulturellen Niederschlag durch Beispiele aus der Kunst untermalt.

V2 - Joachim Bauer
Extended Self - Von der Du-Bezogenheit des menschlichen Selbst

Freitag, 01.05.2020, 15.05–15.50 Uhr, Plenarsaal

Die erst vor Kurzem gelungene Entdeckung der neurobiologischen Selbst-Systeme fügte dem Mosaik unseres Wissens über das Wesen des menschlichen Selbst einige weitere wertvolle Mosaiksteine hinzu. Der Mensch kommt als erlebendes Subjekt auf die Welt, dem die menschliche Würde uneingeschränkt zusteht. Ein Selbst hat er bei Geburt jedoch noch nicht (siehe dazu Joachim Bauers Werke „Selbststeuerung“ und „Wie wir werden wer wir sind“). Der Mensch erwirbt sein Selbst durch die an ihn vonseiten seiner Bezugspersonen adressierten Resonanzen. Zwischenmenschliche Rückspiegelungen bleiben zeitlebens ein das Selbst ständig weiter mit-gestaltender Einfluss.

V3 - Helmut Dorra
Existenz im Gegenüber
Selbstbesinnung im begegnenden Dialog

Freitag, 01.05.2020, 16.30-17.15 Uhr, Plenarsaal

Kein Mensch lebt für sich allein. Wir befinden uns in Beziehungen zu anderen Menschen in der Familie, im Beruf, unter Freunden, in der Nachbarschaft und wo immer wir in einer gemeinsamen Lebenswelt miteinander zu tun haben und zusammenwirken. Ontologisch sind wir – allen anthropologischen Bestimmungen voran – auf Beziehung hin veranlagt, relational und intentional auf unsere Welt und Mitwelt ausgerichtet, die unser Selbstsein im Miteinander der Menschen fundiert. Bevor wir „Ich“ sagen konnten, wurden wir beim Namen gerufen und mit einem „Du“ angeredet, gleichsam von der Gegenseite her uns selbst gegeben und mit uns vertraut. Diese Ich-Du-Relation ist eine anthropologische Konstante, die unserem Dasein ursprünglich ist. Immer schon sind wir auf ein Gegenüber angewiesen, das es uns ermöglicht, uns selbst zu erkennen und Eigenes zu bekunden.

Vom anderen her führt der Weg zum einzelnen Selbst. Hier finden wir in einer dialogischen Gemeinschaft unsere Existenz auf ein Mitsein und Miteinandersein zentriert, das sich im Gegenüber existentieller Begegnung ereignet, bewahrheitet und bewährt. Gegenwärtig kommen wir uns zuwendend wie auch widerstehend ent-gegen, aus unterschiedlichen Richtungen und jeder einzelne von seiner Seite mit seinen je eigenen Erlebensweisen, Beweggründen und Wertbezügen, die jedem Menschen in seinem Eigensein und Anderssein Respekt abverlangen. Begegnend bleiben wir dem Neuen und Kontingenten gegenüber aufgeschlossen, dem Einmaligen und Einzigartigen, das sich unseren subjektiven Vorverständnissen, unseren eigensinnigen Ansichten und Absichten versagt.

So mag auch uns widerfahren, dass der andere uns fragend und konfrontierend in die Quere kommt, damit wir nicht mehr ausweichen und im Gewohnten weitermachen wie bisher. Mithin werden freundliche Menschen sich unseren vermeintlichen Fortschritten in den Weg stellen, damit wir anhalten und inne halten, zu bedenken, woraufhin wir unser Dasein ausrichten sollen, wer wir sein und werden wollen.

Auf diese Weise können Begegnungen Weichen stellende und weiterführende Wendungen in unserem Leben bewirken und somit existentielle Bedeutung gewinnen, indem sie zur Selbstwerdung und Selbstbesinnung beitragen.

V4 - Ulrike Willutzki
Ohne HeilerInnen geht es nicht!
Zur professionellen Entwicklung von PsychotherapeutInnen und ihrer Bedeutung für das therapeutische Geschehen

Freitag, 01.05.2020, 17.15-18.00 Uhr, Plenarsaal
Die aktuelle Forschung zur Bedeutung von PsychotherapeutInnen zeigt sehr deutlich, dass es prägnante Unterschiede zwischen TherapeutInnen hinsichtlich des Therapiergebnisses und –prozesses ihrer PatientInnen gibt. Weitgehend unklar ist jedoch bis heute, welche Personenmerkmale der TherapeutInnen hier relevant sind. Exemplarisch wird auf Studienergebnisse zum Selbstbild von TherapeutInnen in privaten und professionellen Beziehungen sowie ihren interpersonellen Fähigkeiten eingegangen. In der Internationalen longitudinalen Studie zur professionellen Entwicklung von PsychotherapeutInnen  der Society of Psychotherapy Research wird versucht, relevante Eigenschaften von TherapeutInnen und deren Entwicklung in der Psychotherapieausbildung nachzuzeichnen.

V5 - Alfried Längle
Die existenzielle Wirkung in der Therapie
Grundlagen und Elemente

Samstag, 02.05.2020, 9.05-9.50 Uhr, Plenarsaal

Die Wichtigkeit der therapeutischen Beziehung als Grundlage erfolgreicher Therapie ist hinlänglich belegt. Doch warum kann die therapeutische Beziehung überhaupt eine solche Wirkung haben? Wie wirkt Beziehung? Sie dient zweifellos der Optimierung von Lernprozessenoder der Katharsis durch Übertragung und ihrer Bearbeitung usw. In der Existenzanalyse stellt sich die Frage, welche Rolle die Person im Beziehungsgeschehen spielt. Dabei wird deutlich, dass der Beziehungsbegriff zur Belegung der therapeutischen Wirkung nicht hinreicht, sondern der Ergänzung durch den Begegnungsbegriff bedarf.
Was aber ist der spezifische Beitrag der Begegnung? Der Vortrag beleuchtet die heilsamen Kräfte und das positiv Bewegende in der Therapie, sodass es zu einer existenziellen Wirkung im therapeutischen Prozess kommen kann. Was steuern die TherapeutInnen, was die PatientInnen und was das Miteinander zu dem bewegenden Geschehen der Personierung in den PatientInnen bei? Die grundlegenden Reflexionen sollen anhand von praktischen Situationen verdeutlicht werden.

V6 - Susanne Pointner
Funkstille und Funkenflug.
Die Bedeutung der personalen Begegnung für eine lebendige Paarbeziehung

Samstag, 02.05.2020, 9.50-10.35 Uhr, Plenarsaal

Die Paarbeziehung ist geprägt von Bedingungen, die sowohl  der liebenden  Begegnung als auch psychodynamischer Reaktivität Tür und Tor öffnen. Die leibliche Nähe, hohe Erwartungen aneinander, die Abstimmung der Funktionalitäten in einer schnelllebigen, leistungsorientierten Welt lassen wenig Raum für das Verweilen, Verstehen und Trösten, für das Entdecken, das Lachen und die Sinnlichkeit.

Um den Schmerz über den Verlust an Nähe zu unterdrücken, suchen die Partner oft Fluchtwege aus der Beziehung – destruktive Konfliktlösestrategien, Überengagement in diversen Bereichen, Rückzug, Überregulation, Sucht, Affären. Die Ressourcen werden knapper, das Paar gerät in den Teufelskreis.

Die Paare ahnen meist selbst, was sie  – mehr noch der Partner/die Partnerin verändern müsste, haben aber  nicht mehr die Motivation und Energie dazu. Existenzanalytische Therapie und Beratung zielt daher nicht in erster Linie auf Lösungen ab, sondern schafft Raum für Erkenntnis, Begegnung, Haltungsveränderung und gemeinsame Entwicklung. Damit wird die Liebe beflügelt, und scheinbar unlösbare Differenzen können zu sinnstiftenden und belebenden Kraftquellen werden.

V7 - Erika Luginbühl
Bist Du da(s)?
Von der Unsicherheit im Gewahrwerden des Du

Samstag, 02.05.2020, 11.05-11.40 Uhr, Plenarsaal

Wir Menschen sind auf Beziehung angewiesen, wir brauchen einander. Ohne Austausch, ohne gegenseitige Unterstützung könnten wir nicht überleben, das Leben bliebe kalt, einsam, leer und sinnlos. Als geistige Wesen, als Person, suchen wir insbesondere den offenen, dialogischen Austausch mit dem Du, in welchem der Funke überspringt und Begegnung geschehen kann. Begegnung ist der Resonanzraum, in welchem wir des Eigenen gewahr werden können sowie der Nährboden für innerliches Wachstum. In beraterischen und therapeutischen Gesprächen intendieren wir die Begegnung mit dem Du des Gegenübers, denn das Du, die Person, ist Quelle der Authentizität und Ressource im Umgang mit Belastungen. Was aber erleben wir im Austausch mit unseren Patientinnen und Patienten? Woran merken wir, dass wir mit dem Du in Begegnung sind oder woran merken wir, dass uns das Du verschlossen bleibt? Anhand von Beispielen aus der Praxis möchte ich diesen Fragen nachgehen.

V8 - Gunther Schmidt
KlientInnen als Kontext-kluge „Vorgesetzte“ im Therapie-Prozess

Samstag, 02.05.2020, 11.40-12.25Uhr, Plenarsaal

Aus systemischer Sicht kann individuelles Erleben und Verhalten nur verstanden werden, wenn es in seinen relevanten Kontext eingebettet wird. Dann können auch massive Symptome und Probleme meist als sinnvolle Lösungsversuche in ihrem Kontext gewürdigt und genutzt werden. Mit hypnosystemischen Konzepten kann darüber hinaus gezeigt werden, dass auch bei langen und sehr leidvollen Problemen die Betroffenen in ihrem unbewussten Erfahrungsrepertoire durchaus schon über hilfreiche Kompetenzen für konstruktive Lösungen verfügen. Vermittelt wird, wie diese „schlummernden“ Kompetenzen gefunden und reaktiviert werden können und wie auch Beiträge von KlientInnen, die oft von TherapeutInnen als „schwierig“ oder pathologisch definiert werden, so genutzt werden können, dass die KlientInnen dabei als die autonomen Autoritäten mit intuitiver Klugheit die Führenden im Therapieprozess sind, um mit Würde die für sie passenden Entwicklungen zu gestalten.

V9 - Steffen Glathe
En skrift i snøen - Eine Schrift im Schnee

Sonntag, 03.05.2020, 9.05–9.50 Uhr, Plenarsaal

Kennzeichnend für die existenzanalytische Vorgehensweise ist die Haltung einer phänomenologisch-hermeneutischen Offenheit: Als Unwissende gehen wir in Richtung Begegnung, in der Gewissheit, dass sich Wesentliches zeigen wird.

Dieser Vortrag, der eine Annäherung an das existenzielle Moment der Begegnung versucht, möchte Sie einladen, sich auf Begegnungen einzulassen: Mit einem Menschen, von dem ich erzähle, mit dem Referenten und vielleicht mit sich selbst.

Bergen wir Fundstücke auf dem Grund unseres Erlebens und bedenken sie unterwegs auf das Spezifische des existenzanalytischen Ansatzes hin.

V10 - Ahmad Mansour
Zwischen falscher Toleranz und Panikmache

Sonntag, 03.05.2020, 9.50–10.35 Uhr, Plenarsaal

Wie können wir mit Konflikten umgehen, die aus kulturellen Differenzen und unterschiedlichen Auffassungen zu Werten, Lebensmodellen und anderem entspringen? Ergebnisse von Studien raten gemeinsam ein offenes, freies Denken zu fördern, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu hinterfragen sowie eine positive Einstellung zu anderen Ansichtsweisen beizubehalten. Doch wie weit soll man sich auf die fremden kulturellen und sozialen Ebenen einlassen? Darf es rote Linien geben? Wo beginnt falsche Toleranz? Wo Panikmache? Leiden wir im Westen unter kognitiver Verzerrung? Diese Unwissenheit verunsichert und bildet einen Störfaktor, der den Teufelskreis einer fehlgeleiteten Kommunikation füttert.

V11 - Heiner Keupp
Ambiguitätstoleranz statt identitärer Reinheit in einer widersprüchlichen Welt

Sonntag, 03.05.2020, 11.15-12.00 Uhr, Plenarsaal

Wenn wir den Zustand in diesem Land charakterisieren sollten, dann fallen Adjektive wie reich, saturiert, selbstzufrieden, tolerant, aber auch gespalten, wütend, arm, fremdenfeindlich, mutlos, erschöpft. Wir haben längst begriffen, dass man den gesellschaftlichen Zustand Deutschlands nicht ohne Widersprüche und Ambivalenzen beschreiben kann. Widersprüche gab es immer, für die wir Begriffe wie Klassengesellschaft oder den Ost-West-Konflikt hatten. Doch die binären Ordnungen taugen in einer Welt nicht mehr, die von einer Unübersichtlichkeit gekennzeichnet ist.

Die Chance auf eine dauerhaft stabile und widerspruchsfreie Identität können nur fundamentalistische Weltdeutungen versprechen und deshalb haben diese auch eine bedrohliche Attraktivität. In einer von Widersprüchen gekennzeichneten Welt brauchen wir ein Potential an „Ambiguitätstoleranz“.

V12 - Christoph Kolbe
Existenzielle Kommunkation
Merkmale phänomenologischer Gesprächsführung

Sonntag, 03.05.2020, 12.00-12.45 Uhr, Plenarsaal

Erst wenn es uns „um etwas geht“, wird es in unserem Leben bedeutsam. Es wird spannend, wir werden initiativ, setzen uns für etwas ein, auch für uns selbst, und engagieren uns für oder gegen eine Veränderung. Befindlichkeiten, beispielsweise unglücklich zu sein oder zu leiden, sind deshalb noch keine hinreichenden Motive. Sie sind es erst, wenn sie ihren phänomenalen Gehalt in ihrer Bedeutsamkeit offenbaren.
Also ist es entscheidend, wie der Prozess professioneller Gesprächsführung im Horizont existenzieller Relevanz geführt wird. Erst dies macht das Gespräch selbst bedeutsam, aber natürlich auch das Anliegen, um das es den Beteiligten geht.
Im Vortrag werden wesentliche Bedingungen für existenzielle Kommunikation dargelegt: das Erleben, das Bewegende und der Bedeutungsgehalt. Es werden Schritte beschrieben, wie Wesentliches in einem phänomenologischen Prozess durch den Gesprächsführenden erfasst werden kann. Und es wird gezeigt, wie dieses durch Anfragen erschlossen werden kann bei gleichzeitiger Wahrung einer Haltung der Offenheit, ohne Deutung oder Suggestion – eine Gesprächsführung, die Begegnung stiftet.

ABSTRACTS SYMPOSIA

A1 - Viktoriya Zabor
Existenzanalyse im stationären Bereich – ein Erfahrungsbericht

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.30 Uhr, Plenarsaal

Gewöhnlich basieren Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen auf einem biopsychosozialen Mehrachsenmodell, das drei Ebenen (Dimensionen) – eine somatische, eine psychologische sowie eine soziale – berücksichtigt. In der Realität der gegenwärtigen Ukraine, insbesondere im Zusammenhang mit der sozialen Krise, wäre es jedoch äußerst aktuell, auch eine vierte, die geistige, existenzielle Dimensionzu berücksichtigen. Im Vortrag werden die Studienergebnisse der Werte der existenziellen Erfüllung und der Grundmotivationen mit Hilfe der psychometrischen Methoden der Existenzanalyse und Logotherapie (Existenzskala von A. Längle, K. Orgler und Test zur existenziellen Motivation von A. Längle, P. Eckhardt) vor und nach der Durchführung einer kurzfristigen stationären Psychotherapie (15 Sitzungen) bei den PatientInnen der klinischen Abteilung des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychotherapie der Nationalen Medizinischen Danylo-Halyzkyj-Universität Lwiw vorgestellt. Die Erfahrung mit der Integration und der Effektivität der existenzanalytischen Psychotherapie bei stationären Bedingungen wird aufgezeigt.

A2 - Barbara Gawel
Zeit hat man (nicht)
Subjektive Zeitwahrnehmung und ihr Einfluss auf Beziehung

Samstag, 02.05.2020, 13.30–14.00 Uhr, Plenarsaal

Jeder von uns verfügt über gleich viel Zeit pro Tag. Warum leiden wir dann immer wieder unter Zeitmangel oder Zeitverlust? Was bedeutet dieser Mangel an Zeit für den Einzelnen und seine Umwelt? Im Sinne der existenziellen Vorfindlichkeit steht der Mensch in Beziehung mit sich und der Welt. Wenn Zeit der Türöffner für Nähe und Beziehung ist, aber auch der Raum, in dem die eigene Vitalität spürbar und die Werthaftigkeit erlebbar werden, wie macht sich diese subjektiv empfundene Verknappung von Zeit existenziell bemerkbar? Welche Auswirkungen hat dieses Zeitempfinden auf die Person, auf den dialogischen Austausch und auf die Möglichkeit, zu einer Stellungnahme zu kommen? Diesen Fragen soll anhand von Überlegungen, Studien und Beispielen nachgegangen werden.

A3 - Rodolphe Leuenberger
Überlegungen zu den Unterschieden von
Arzt-PatientInnen-Beziehung im Setting Hausarzt
versus Psychotherapeut

Samstag, 02.05.2020, 14.00–14.30 Uhr, Plenarsaal

Als ehemaliger Hausarzt, seit 14 Jahren ausschließlich als Psychiater und Psychotherapeut (EA) tätig, reflektiere ich die Unterschiede in den jetzigen Beziehungen zu den PatientInnen im Vergleich zu denjenigen im früheren Arbeitsfeld als Hausarzt, in dem viele verschiedene Fachgebiete abgedeckt waren und das alle Lebensalter der PatientInnen von Geburt an einschloss. Eingegangen wird vor allem auf die sehr viel größere Vielfalt an Kontakten, Begegnungen und Beziehungen mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten, die sich im Unterschied zum psychotherapeutischen Setting daraus ergeben haben.

A4 - Brigitte Ambühl Braun
Wenn der Funke überspringt
Beziehungsgestaltung bei betagten Menschen

Samstag, 02.05.2020, 15.00–15.30 Uhr, Plenarsaal

Therapie mit hochbetagten Menschen basiert auf einer Beziehungsform mit dem Schwerpunkt Sinnfindung und Lebensfreude. Statt Defizite und Leiden zu thematisieren ist es möglich, den Dialog so zu gestalten, dass aktiv sein und sich eine Perspektive zu schaffen möglich werden. Es gilt auch, ein ehrenvolles Alt-werden und Alt-sein zu finden, dies mit der gebührenden Wertschätzung und Achtsamkeit im alltäglich Kleinen. Kultur, Philosophie und Existenzanalyse geben Inputs wie gutes Altern und der Zugang zur Person/Persönlichkeit des Gegenübers möglich sind.

A5 - Dorothea Hefti
Personale Begegnung in der frauenärztlichen Sprechstunde

Samstag, 02.05.2020, 15.30–16.00 Uhr, Plenarsaal

Im Rahmen der frauenärztlichen Betreuung gibt es viele Themen, die ein existenzielles Berührt-Sein beinhalten können, wie Sexualität, Gebären, Mutter-Werden und Mutter-Sein, Wechseljahre oder den Erhalt einer Carcinom-Diagnose. Aber selbst im Setting der Screening-Untersuchung entsteht oft Raum
für eine personale Offenheit und Authentizität, die berührt. Anhand eigener Erfahrungen aus meiner Sprechstunde sollen die Voraussetzungen für eine Arzt-Patientinnen-Beziehung reflektiert werden, in der es zu einer existenziellen Begegnung kommen kann.

A6 - Sabine Dungl-Nemetz
… bin ich eine Mutter?

Samstag, 02.05.2020, 16.00–16.30 Uhr, Plenarsaal

Diese Frage begegnet mir in meiner Praxis, wenn Mütter ihre Kinder durch einen ungewollten Schwangerschaftsabbruch (Fehl-/Totgeburt) oder frühen Todesfall verlieren. Wie mit einer Beziehung umgehen, die es „real“ nicht gibt, weil die Kinder noch nicht oder zu kurz in der Welt waren? Mit dem ersten Herzschlag entsteht Beziehung, eine, die für die Umwelt unsichtbar ist, doch für die werdende Mutter von Tag zu Tag spürbarer wird, ein Funke, der überspringt: „Leben, mein Kind, wächst in mir“. Die Schwangerschaft, der Beziehungsaufbau mit dem Ungeborenen, eine Zeit, die auf den vier Grundmotivationen eine Veränderung bringt. Doch dann passiert das Unfassbare, eine Erschütterung der Existenz, der Verlust des Kindes. In diesem Vortrag werden ausgehend von den vier Grundmotivationen und anhand eines Fallbeispiels die Möglichkeiten der psychotherapeutischen Bearbeitung aufgezeigt.

A7 - René Hefti
Spiritualität und Religiosität im therapeutischen Prozess
Vom existenziellen zum spirituellen Moment in der Beziehung

Samstag, 02.05.2020, 17.55–18.30 Uhr, KR7+8

Spiritualität kann als „Tiefendimension“ in der Psychotherapie verstanden werden, welche den Menschen in seiner Ganzheit und seinen existenziellen Bezügen erfasst. In diesem Sinne erschließt die Existenzanalyse spirituelle Ressourcen der Person und der Existenz. Religiosität greift über die existenzielle Dimension hinaus und nimmt Bezug auf die Transzendenz. Anhand konkreter Beispiele aus dem klinischen Alltag werden die Bedeutung von Religiosität und Spiritualität im therapeutischen Prozess diskutiert und dabei der Einfluss auf die therapeutische Beziehung reflektiert. Findet hier ein „Shift“ von einem existenziellen zu einem spirituellen oder religiösen Berührtsein statt?

A10 - Ruth Meidinger, Anita Artens
„Wie werde ich ihn los in der ersten Sitzung?“
Zehn Kardinalfehler im Erstgespräch

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Das Erstgespräch ist essenziell für den therapeutischen Beziehungsaufbau. Danach entscheidet der/die Patient/-in, ob er/sie die Therapie weiterführt. Bereits ein Anrufbeantworter ohne persönliche Ansage, oder mehrere Tage Wartezeit bis der Rückruf des/der Therapeut/-in erfolgt, können Irritation auslösen und die Therapiemotivation mindern. Grenzüberschreitendes Verhalten des/der Therapeut/-in oder der Mangel an Wertschätzung führen häufig zum schnellen Therapieabbruch. Wie gelingt der Anstoß zu einer stabilen, auf Vertrauen basierenden Beziehung zwischen TherapeutInnen und PatientInnen, sodass diese sich auf die Beratung oder die Therapie einlassen? In diesem Workshop sollen potenzielle Fehlerquellen im Erstgespräch auf humorvolle Weise in Form einer paradoxen Herangehensweise erarbeitet werden.

A11 - Irina Ryazanova
Bodywork in couples therapy –
a way to improve dialogue capability

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

A disturbed dialogue is the common reason for conflicts between partners in a couple. The rehabilitation of a good way of communication between their bodies can lead to a good dynamic in couples therapy. In this workshop, various methods of integrative work with the body will be demonstrated. The participants will experience how these methods raise awareness in the dialogue.

A12 - Mariola Niedzielska-Wagener, Stefan Wagener
Auf Flügeln des Gesanges
Die Bedeutung der Stimme und der Musik
für die existenzanalytische Arbeit

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Der menschliche Gesang ermöglicht durch Selbstdistanzierung und Selbsttranszendenz einen direkten Zugang zum Personsein. Singen erfasst den ganzen Menschen in seiner leiblichen, seelischen und geistigen Trinität und ist ein existenzielles Phänomen. Singen fordert Begegnung und Beziehung und findet konkret im Hier und Jetzt statt. Im Workshop werden aus unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen Einzel- und Gruppenübungen angeboten, die das Verhältnis zwischen Beziehung und Stimmklang ausloten.

A13 - Barbara Weber
Die geistige Dimension des Atems

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, KR3 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 25 Personen

In diesem Workshop soll die geistige Dimension des Menschen im Horizont der Leiblichkeit – im Atemgeschehen – bewusst werden.Nach einer kurzen Einführung in die Tradition und das „Konzept“ der Zen-Meditation (Teil 1) und einer praktischen Einführung in den Vollzug der Zen-Übung (Teil 2) könnten in einem anschließenden Gespräch auf der Basis der erlebten Erfahrung die Resonanzen von Existenzanalyse und (Zen-)Meditation in den Blick kommen.

B1 - Stefan Körber
Wenn’s nicht funkt
Erfahrungen aus der Kurzzeitberatung in einer kardiologischen Rehabilitationsklinik

Samstag, 02.05.2020, 15.00–15.30 Uhr, KR9

Der Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes erzeugt typische Hindernisse, aber auch Chancen, z.B. in den psychologischen Einzelgesprächen. Der Vortrag beschäftigt sich mit Schwierigkeiten, die auf Seiten der Reha-Bedingungen, des/der Patient/-in oder des/der Therapeut/-in liegen können – bspw. der enge zeitliche Rahmen von drei Wochen, die Abwehr der Hilfebedürftigkeit oder ungünstige Haltungen des/der Therapeut/-in. Ein Ansatz für gelingende Gespräche und Begegnungen mit HerzpatientInnen wird auf der Grundlage eines Modells mit Persönlichkeitsfaktoren, Grundmotivationen und Coping-Reaktionsstilen dargelegt.

B2 - Claudius Doehring
Das (haus-)ärztliche Seelsorgen
Die Beziehung zwischen Hausarzt und PatientIn aus existenzanalytischer Sicht

Samstag, 02.05.2020, 15.30–16.00 Uhr, KR9

Die oft langjährige Begleitung von Menschen konfrontiert den Hausarzt häufig auch mit den generellen Lebensumständen und -fragen seiner PatientInnen „in guten, wie in schlechten Zeiten“. Er wird seinen PatientInnen selten durch das pauschale Abarbeiten von Leitlinien gerecht, fast immer ist ein ganz individuelles Abstimmen der jeweils gewünschten Vorgehensweise erforderlich. Die existenzanalytische Haltung kann jede noch so kurze Begegnung von Hausarzt zu PatientIn enorm bereichern und für beide Seiten zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen. Diese Beziehung mit ihren Möglichkeiten und Limitationen soll im Vortrag näher betrachtet werden.

B3 - Eva Richter
Lilly allein zu Hause
Existenzielle Begegnung durch Elternberatung

Samstag, 02.05.2020, 16.00–16.30 Uhr, KR9

Im Erstgespräch berichten Lillys Eltern von Angstzuständen und depressiver Symptomatik bei ihrer zwölfjährigen Tochter. Außerdem fühle sie sich beobachtet und glaube manchmal, es wären weitere Personen mit im Raum anwesend. Das Mädchen beginnt eine Psychotherapie, die Eltern eine begleitende Beratung. Existenzielle Begegnung findet in beiden Settings statt, Veränderung wird in der Familie möglich. Mithilfe des Fallbeispiels sollen die Bedeutung der, eine Kinder- und Jugendtherapie begleitenden Elternberatung reflektiert und die Faktoren, die hilfreich für gute Begegnungen in Therapie und Beratung sein können, herausgearbeitet werden.

B4 - Elisabeth Petrow
(Selbst-sein-)Dürfen bei schwerer Erkrankung

Samstag, 02.05.2020, 17.00–17.30 Uhr, KR9

„Ich habe weder geweint, als ich die Krebsdiagnose bekam, noch, als sie Metastasen fanden. Erst als mein Zahnarzt sagte, ich würde auch noch einen Zahn verlieren, habe ich geweint. Über die Tränen war ich völlig schockiert. Wenn man weint, zeigt man Schwäche, das darf man nicht.“ – Ausgehend von diesen Sätzen eines Klienten soll es um die Frage gehen, in welchem Verhältnis „müssen“ und „dürfen“ in der Begegnung mit schwerer Krankheit stehen. Welche Annahmen strahlen – vor dem Hintergrund der normierenden Medizin und unserer vom Druck zur Selbstoptimierung geprägten Gesellschaft – in dieses Spannungsfeld hinein? Und wie könnte man bei und trotz Krankheit zum „(Selbst-sein-)Dürfen“ ermutigen?

B5 - Martin Berwig
Kleine Momente gelingender Begegnung bei Frontotemporaler Demenz mithilfe von MarteMeo

Samstag, 02.05.2020, 17.30–18.00 Uhr, KR9

Für Angehörige ist der Alltag mit Betroffenen der verhaltensbetonten Variante der Frontotemporalen Demenz (behaviour variant Frontotemporal Dementia, bvFTD) meist eine große Belastung. Anders als bei der Alzheimer-Demenz kommt es bei bvFTD als erstem und zentralem Symptom zum zunehmenden Verlust sozial-kognitiver Fähigkeiten. Daher ist es für Angehörige von Menschen mit bvFTD, ähnlich wie für Eltern von Kindern mit Autismus (nur unter anderen Vorzei￾chen), zunehmend schwer mit ihren Lieben in Kontakt und in Beziehung zu bleiben. In einer Machbarkeitsstudie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Witten wurde erstmals die videobasierte Beratung nach MarteMeo® bei Angehörigen von Menschen mit bvFTD angewendet und systematisch untersucht. Ziel einer MarteMeo®-Beratung ist es die kleinen „existenziellen“ Momente gelingender Beziehung (MarteMeo®-Elemente) im gemeinsamen Alltag zu finden und zu stärken. Die Evaluation zeigte klare Hinweise dafür, dass die Beratungsmethode als sehr hilfreich und unterstützend von den Angehörigen wahrgenommen wird. Bezüge zum Verständnis des Existenziellen aus Sicht der Existenzanalyse werden reflektiert.

B6 - Birgitta Mullan
Ein langer Weg zum Du
Wie Begegnung in der Arbeit mit Behinderten möglich werden kann

Samstag, 02.05.2020, 18.00–18.30 Uhr, KR9

Seit über 25 Jahren führe ich Gespräche mit behinderten Menschen. Ich wohne in einer Dorfgemeinschaft mit 80 behinderten Jugendlichen und Erwachsenen. Einmal in der Woche gibt es „open door“ für Gespräche. Einige Hilfesuchende brauchen ein Gespräch, um wieder weitermachen zu können, andere kommen seit über zehn Jahren zu mir, weil sie auffällige Verhaltensweisen zeigen oder es zu emotional unverständlichen Ausbrüchen kommt. Anhand eines Beispiels aus meiner Praxis möchte ich von meinen Gesprächen mit einem behinderten, histrionisch veranlagten jungen Mädchen berichten und erzählen, wie ein „Funke“ von mir zu ihr zu einer tiefen Begegnung geführt und uns zu einer guten Beziehung gebracht hat.

B10 - Thomas Reichel
Auswirkungen von Schicksalsmomenten auf nahe Beziehungen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, KR3 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

Als Folge von Schicksalsschlägen kann u. a. der Rückzug des Lebenspartners oder/und des sozialen Umfeldes beobachtet werden. Ohnmacht, Wut, Verzweiflung zeigen sich in Empörung, ständigem Absichern, Einfordern von Hilfe. Betroffene kennen sich nicht aus, das Umfeld weiß nicht, wie es damit umgehen soll. Wann soll man helfen und wie? Die Verunsicherung ist spürbar, der Rückzug droht. Der Workshop richtet sich an Angehörige und Betroffene gleichermaßen wie an LebensberaterInnen und soll aufzeigen, wie personaler Dialog stattfinden und ein selbstbestimmter und würdevoller Umgang gefunden werden kann.

C1 -Marc Sattler
Von Paarmythen und Paartänzen
Eine Möglichkeit, Paardynamik sichtbar und therapeutisch wirksam werden zu lassen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.45 Uhr, L2

Unter dem Paarmythos wird das Geheimnisvolle, das Paare spürbar miteinander verbindet, verstanden. Er entsteht in der Phase der Paarwerdung und enthält sowohl psychodynamische Anteile, als auch personale, visionäre Erkenntnisanteile, die auf Potenziale und Möglichkeiten ausgerichtet sind. Oft umfasst er auch generationenübergreifende Elemente. Die gemeinsamen Beziehungsthemen lassen einen polarisierten Spannungsbogen im Paarraum entstehen. Der Paarmythos bindet das Paar und kann Wachstum und Entwicklung fördern oder verhindern. Der Paartanz ist die gelebte Gestaltung der alltäglichen Herausforderungen auf Grundlage des Paarmythos. Er findet Anbindung an gemeinsame Werte, Visionen und das jeweils Wesenhafte und Freie. Damit stellt er die Transformation des (unbewussten) Paarmythos in die Alltagsdynamik dar. Je schwieriger sich diese „Übersetzung“ gestaltet, umso „kämpferischer“ wird der Tanz. Die Paare empfinden ihr Paarleben dann eher als Gegeneinander statt Miteinander. Wie Paare im Hinblick auf diese Dynamik existenzanalytisch begleitet werden können, soll anhand mythologischer und praxisbezogener Beispiele dargestellt werden.

C2 - Silvia Schmidt
Existenzanalytischer Paardialog als Entwicklungsraum

Samstag, 02.05.2020, 13.45–14.30 Uhr, L2

Um Paare in Krisensituationen zu unterstützen, ist es wesentlich, den negativen Beziehungstanz als Versuch zu verstehen, die Bindung zu erhalten. Gerade in der Krise zeigt sich oft auch die Sehnsucht, bisher ungelebte Werte zu entwickeln und einander neu zu begegnen. Im Vortrag wird anhand eines Paartherapieverlaufs der strukturierte Paardialog vorgestellt. Dieser ermöglicht es, phänomenologisch und mithilfe des existenzanalytischen Prozessmodells zu arbeiten. Paare können erleben, welchen Entwicklungsraum es eröffnet, wenn sie vom Gegenüber gehört, gesehen und verstanden werden und wenn sie lernen, den/die andere/n besser zu verstehen und zu unterstützen.

C3 - Sabine Bösel, Roland Bösel
Generationendialog Mutter/Vater begegnet einer erwachsenen Tochter oder einem erwachsenen Sohn auf Augenhöhe, um das eigene So-geworden-Sein zu verstehen und sich zu versöhnen

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, L2

Vor 20 Jahren wurde das schulenübergreifende psychotherapeutische Konzept des Generationendialogs beziehungsweise der Generationen-Workshop von uns entwickelt. Im Vortrag werden die Methode und das Konzept vorgestellt. Ein begleiteter Live-Dialog eines Generationspaares bietet erste Eindrücke, wie der gemeinsame Blick auf Vergangenes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges gelingen kann. Der Generationendialog bietet die Möglichkeit, Verstrickungen aus der Vergangenheit aufzulösen, Verständnis füreinander zu ermöglichen und sich zu versöhnen. Er findet im geschützten Raum im Rahmen eines Workshops statt und wird von uns und von ausgebildeten AssistentInnen begleitet. Es besteht die Möglichkeit, Verletzungen und sogar Traumata offen anzusprechen und unmittelbar mit dem Vater, der Mutter oder dem erwachsenen Kind zu klären. Im Idealfall gelingt es, eine gemeinsame Lösung zu finden. Gleichzeitig fokussieren wir auf die besonderen Stärken, die aus diesen Verletzungen von beiden Seiten entwickelt wurden, und auf die Dankbarkeit für das, was sie Positives und Stärkendes mitbekommen haben. Damit werden neue Familientraditionen geschaffen und es wird der Raum für die persönliche Entwicklung und neue Beziehungsmuster, auch in anderem Kontext, geöffnet.

C10 - Bettina Kerschbaumer-Schramek, Peter Schramek
Der unberührte (Natur)-Raum als berührender Begegnungsraum
Die Kraft der „wilden“ Natur in der Begegnung der Menschen mit sich und anderen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, KR5+6 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 15 Personen

Über die heilende Wirkung der Natur in therapeutischen Prozessen wird aktuell viel diskutiert. Mit Waldbaden, Naturcoaching & Co. erleben wir Naturräume neuerdings als einen ernst zu nehmenden Faktor, wenn es darum geht, wichtige Fragen in der Beziehung mit sich selbst und anderen zu klären. Die Systemische Naturtherapie (begründet durch Astrid Habiba Kreszmeier und Hans-Peter Hufenus) geht hier noch weiter. Sie (wieder-)verbindet uns mit dem Raum, in dem wir leben – der lebendigen Natur. Das öffnet uns für Vertrauen und Versöhnung, ermutigt und stabilisiert uns und lehrt uns eine neue Form der Zugehörigkeit und Zuversicht. Sie findet im Einzel-, Paar- oder Gruppensetting statt. Dieser Workshop untersucht die Berührungspunkte zwischen Existenzanalyse und Systemischer Naturtherapie und stellt sich der Frage, wo die beiden Lehren einander bereichern können. Wir wollen dabei die Essenz der Systemischen Naturtherapie vermitteln, aber auch einige praktische Anwendungsbeispiele vorstellen.

D10 - Ingo Zirks
Scham – Hüterin meiner Grenzen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, L1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Das Schamerleben ist zu tiefst leiblich erfahrbar: Hitze steigt auf und das Bedürfnis, sich zu verbergen, wächst enorm. Schon als Säugling gibt es Vorstufen der Scham. Mit dem Hineinwachsen in die Gemeinschaft und der Fähigkeit der Selbstwahrnehmung sehen wir uns (auch) mit den Augen der anderen und erleben uns Bewertungen ausgeliefert. Wenn in der Biografie Grenzen grob und/oder dauerhaft überschritten werden, kommt es zu seelischen Verletzungen, die leiblich wie seelisch immer wieder aktualisiert werden. Der Vortrag soll sowohl theoretisch wie auch praktisch erkunden, wie professionelle Situationen und Beziehungen gestaltet werden können, so dass es zu einer Begegnung kommen und das zu Beschützende in der Scham sichtbar werden kann. Es soll deutlich werden, dass Scham die Person vor unbefugter Entblößung schützt, so dass Verletzliches, Intimes und noch nicht Bereites geborgen bleiben können. Der Impulsvortrag wird ergänzt durch einen anschließenden Workshop.
Ein späteres Dazukommen zur Gruppe ist nicht möglich. Die Bereitschaft, sich auf persönliche Inhalte einzulassen, ist für die Veranstaltung erwünscht.

D11 - Markus Angermayr, Doris Fischer-Danzinger
Präreflexive Aspekte von Beziehung und Begegnung

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, L1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 30 Personen

Im therapeutischen Prozess sind wir in der Existenzanalyse sehr darauf bedacht, phänomenologisch das Gesagte des/r Patient/-in zu heben, um es mit ihm/ihr gemeinsam letztendlich in seinem/ihrem Lebenskontext zu verstehen. Beide, ich als TherapeutIn und die/der Patient/-in verständigen uns aber nicht nur über die Sprache, sondern auch über unseren Körper. Das schlichte körperliche Dasein ist immer mit dabei und rechnet sich meist völlig unbewusst hinein. Diese „Kommunikationssphäre“ – das Nachspüren körperleiblicher Resonanzen – wird in der Therapie aber eher vernachlässigt.
In unserem Workshop wollen wir uns dem körperleiblichen Erleben, so wie es uns im therapeutischen Prozess (und nicht nur dort) begegnet, widmen: Was nehmen wir auf dieser Begegnungsebene wahr? Wie können wir das Wahrgenommene in den therapeutischen Prozess integrieren?

D12 - Markus Felder
Achtsamkeit und Beziehung

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, L1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 14 Personen

Unter Achtsamkeit verstehe ich die Möglichkeit, ohne Bewertung im gegenwärtigen Moment verweilen zu können. Sie befähigt uns, uns unserer automatischen unreflektierten Muster bewusst zu werden. Wie schon Viktor Frankl sagte: „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ Im Rahmen dieses Workshops wollen wir uns den Implikationen von Achtsamkeit auf den Bereich der Beziehung widmen. Studien zufolge korreliert eine Zunahme von Achtsamkeit im Beziehungskontext unter anderen mit höheren Werten in den Bereichen Beziehungs-Zufriedenheit, Verbundenheit, emotionale Nähe, Akzeptanz des Gegenübers, Umgangsfähigkeit bei Beziehungskonflikten. Neben dem Erarbeiten der Grundlagen und Wirkweisen von Achtsamkeit werden wir uns mit konkreten Übungen und den Gemeinsamkeiten zur Existenzanalyse beschäftigen.

E1 - Roman Biberich
I waas gnua, daß i waas wos i brauch (Kurt Ostbahn)
Grundlagen der therapeutischen Beziehung inder Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.30 Uhr, KR2

Kinder und Jugendliche brauchen ganz besonders förderliche Beziehungen mit anderen Menschen, um sich idealmöglich entwickeln, zu sich finden und das eigene Leben den Strebungen, Bedürfnissen und
Möglichkeiten entsprechend gestalten zu können. Es sind Beziehungen, in denen Begegnung stattfindet. In der Praxis verlangt das von der/dem Therapeut/-in neben der vertrauensvollen, lebendigen, humorvollen Beziehungsgestaltung mit den Kindern oder Jugendlichen auch das aktive von Professionalität getragene Einbeziehen der Eltern bzw. maßgeblicher Bezugspersonen.
Es geht somit sowohl um die existenzielle Beziehung zur/zum jungen Klient/-in, als auch um jene zu deren/dessen Eltern, damit Psychotherapie mit Kindern gelingen kann. Anhand konkreter Falldarstellungen werden die therapeutische Haltung und die Grundzüge der Gestaltung für gelingende Begegnung erarbeitet.

E2 - Andrea Engleder
Alles im Zeichen der Ringe
Beziehungen als Leistungsfaktor bei NachwuchsleistungssportlerInnen

Samstag, 02.05.2020, 13.30–14.00 Uhr, KR2

„05.30 Uhr Früh rausgehen, minus 15 Grad Außentemperatur, fest eingepackt auf dem Weg in die Schwimmhalle, 6.00 bis 7.30 Uhr Training, Unterrichtsbeginn 08.00 Uhr.“ Die Lebenswelt von jugendlichen LeistungssportlerInnen ist nicht mit Teenagern der gleichen Altersgruppe zu vergleichen. Der Alltag ist geprägt von Disziplin, Trainingsplanung und Vorbereitung auf Wettkämpfe, Reisen, Erfolgserlebnissen, Enttäuschungen und auch Einsamkeit – insbesondere dann, wenn Jugendliche viele hunderte Kilometer von Zuhause entfernt in Sportleistungszentren leben und trainieren. Welche Beziehungen geben in solch einer Lebensrealität Halt? Beziehungsstiftend sind die Leidenschaft zur Sportart, die TrainerInnen und BetreuerInnen, Eltern, LehrerInnen, FreundInnen, TrainingskollegInnen und der Traum, Teil der „olympischen Familie“ zu werden. Im Vortrag wird besonderes Augenmerk auf das Beziehungsgefüge im Nachwuchsleistungssport gelegt, mit all seinen Ressourcen und Herausforderungen. Wie kann eine psychologische Unterstützung unter existenzanalytischer Perspektive gelingen, wenn mentale Stärke nicht gleichbedeutend mit mentaler Gesundheit ist? Wie können Jugendliche auf ihrem Weg unterstützt werden und im Moment des höchsten sportlichen Erfolgs oder Misserfolgs in Beziehung zu sich und ihrem Umfeld bleiben?

E3 - Florian Lechner
Beziehung 2.0
#abfahren #am Start sein #bloß nicht anfronten #checkst es?

Samstag, 02.05.2020, 14.00–14.30 Uhr, KR2

Das Aufkommen von sozialen Plattformen im Internet ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Aufgrund flächendeckender Angebote hinsichtlich mobiler Netze und Smartphones haben sich die Möglichkeiten, diese zu nutzen, stark erhöht. Es fällt auf, dass die NutzerInnen der sozialen Netzwerke immer jünger werden. PsychotherapeutInnen sehen sich in der Arbeit mit dieser Zielgruppe mit einer Vielzahl an neuen Phänomenen konfrontiert: die vermeintliche Anonymität online, die erlebte grenzenlose Freiheit der digitalen Highways, der einfache Austausch mit Gleichgesinnten in Online-Communities und dem Gefühl, jemandem trotz räumlicher Distanz nahe sein zu können. All das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie sich junge Menschen begegnen.
Im Rahmen des Vortrags werden diese Auswirkungen unter Miteinbeziehung existenzanalytischer Grundlagen diskutiert. Zudem werden aktuelle Trends thematisiert und dahingehend hinterfragt, welchen Stellenwert die Kommunikation mittels Smartphones für die Gruppe der Digital-Natives hat, sowie welche Auswirkungen sich auf das Zusammenleben im Familien- und Freundesverband ableiten lassen.

F1 - Daniel Scheyer, Christian Kathan
„Ich bin durch dich so ich“
Über die Bedeutung der pädagogischen Beziehungsgestaltung für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung

Samstag, 02.05.2020, 15.00–15.30 Uhr, KR2

Eine gute LehrerInnen-SchülerInnen-Beziehung ist nicht nur eine grundlegende Voraussetzung für schulischen Lernerfolg, sie wirkt auch persönlichkeitsfördernd und hilft Kindern, mit belastenden Situationen besser umgehen zu können. Aus Sicht der existenziellen Pädagogik brauchen Kinder und Jugendliche für ihre Entwicklung vor allem ein authentisches Gegenüber, das in der Lage ist, Beziehungen personal zu gestalten. So widmet sich der vorliegende Beitrag insbesondere folgenden Fragestellungen: Welche Bedeutung hat die personale Beziehungsgestaltung im pädagogischen Prozess, und durch welche Grundmomente wird diese Beziehung charakterisiert? Wie gelingt Persönlichkeitsförderung durch personale Beziehungsgestaltung im Kontext Schule? Welche Voraussetzungen braucht es dafür?

F2 - Matthias Mittelberger
„Einem kleinen Funken folgt eine große Flamme“
Über die Bedingungen und Möglichkeiten der Förderung von Beziehungsfähigkeit in der Schule

Samstag, 02.05.2020, 15.30–16.00 Uhr, KR2

In der Auseinandersetzung mit dem sozialen Umfeld und gesellschaftlichen Gruppierungen bauen Kinder und Jugendliche zunehmend ein eigenes Wertesystem auf. Die Fähigkeit, mit der Welt und sich selbst in Beziehung zu treten, ist für diesen Prozess eine wesentliche Voraussetzung. Das Lebenskompetenzprogramm „Gemeinsam stark werden“ bietet Lehrpersonen die Möglichkeit, das Einfühlungsvermögen und die Beziehungsfähigkeit von Kindern im Volksschulalter gezielt zu fördern. Im Zuge der Programmvorstellung wird die Didaktik komplexer Persönlichkeitsbildung beispielhaft am Thema „Emotionale Bildung und Soziales Lernen“ erläutert: Wie lassen sich Einfühlungsvermögen und Beziehungsfähigkeit im Schulalltag gezielt fördern? Welche Bedingungen bei Lehrperson und Schulordnung sind dabei wesentlich? Inwiefern ist das existenzielle Moment in der Beziehung pädagogisch verfügbar?

F3 - Esther Kohl
„Ein Auge winkt, die Seele klingt; du hast’s gefunden, nur für Sekunden…“ (Tucholski 1931)
Aus dem Alltag einer Berufsschule

Samstag, 02.05.2020, 16.00–16.30 Uhr, KR2

Vitalität entsteht durch Wertberührung. Wir wünschen Lebendigkeit in der Schule. Beziehung – Begegnung – Berührung: Was könnte und sollte Schule bieten, um das Funken anzubahnen? Institutionell werden professionelle Rahmen geschaffen: Orte, Zeiten, Inhalte, Mitwirkende. Welche Bedingungen braucht es, um darin Da-Sein und Mit-Sein von Personen geschehen zu lassen? Die phänomenologische Haltung der Offenheit und die existenzielle Dialogfähigkeit der Lehrperson sind Gelingensbedingungen, um die Potenzialität der Schüler zu entdecken, zu fördern und zu fordern.

F4 - Joachim Bauer
Auf dem Weg zu – oder Abschied von – beziehungsorientierter Pädagogik?

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, KR2

In den letzten Jahren durchgeführte Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Joachim Bauer zeigen, dass ein Nicht-Gelingen der Beziehungsgestaltung zwischen KindheitspädagogInnen und Lehrkräften auf der einen Seite und Kindern und Jugendlichen auf der anderen Seite der am stärksten auf die Gesundheit von PädagogInnen durchschlagende Einzelfaktor sind. Parallel dazu zeigen die Ergebnisse der Hattie-Studie, dass die Lehrerpersönlichkeit einen entscheidenden Einflussfaktor für die Qualität einer Schule darstellt. Wer die Beziehungskompetenz von ErzieherInnen und Lehrkräften stärkt, schlägt daher „zwei Fliegen mit einer Klappe“: Bewahrung der Gesundheit unserer PädagogInnen und Qualitätsverbesserung unserer Bildungseinrichtungen (siehe dazu Joachim Bauers Werke „Lob der Schule“, „Schmerzgrenze“ und „Selbststeuerung“). Doch auch gute PädagogInnen können nicht zaubern, vor allem was die Auswirkungen der digitalen Medien auf unsere Kinder betrifft.

F10 - Doris Hausheer, Andreas Hausheer
Wenn der Funke springt und Kinder Feuer fangen
Existenzielle Begegnung schafft Beteiligung

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, KR1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 18 Personen

Nach jeder existenziellen Begegnung gehen sowohl Erwachsene als auch Kinder zuversichtlicher, stärker, mutiger – gar beflügelt – weiter. Ein wesentlicher Aspekt der existenziellen Begegnung in der Erziehung ist das beharrliche Interesse an der Person des Kindes, an seiner Potenzialität und an seiner Entwicklung: Wer bist du? Was ist dir wichtig? Wann zeigst du dich lebendig? Wann vibrierst du? Wann und wo erlebst du Sinn? Wofür willst du dich anstrengen? Wann gelingt es dir, über dich hinauszuwachsen? Erfährt das Kind sich derart beachtet und in seinem Sosein geschätzt, wächst sein Mut, sich auf andere und anderes einzulassen, der Welt zu begegnen, in Beziehung zu treten, sich zu beteiligen, zu lernen, zu leben. Wie sehen existenzielle Begegnungen im Erziehungsalltag aus? Wie können sie ermöglicht werden? Wie wirken sie sich auf das Miteinander aus? Geschichten aus dem Unterrichts- und Erziehungsalltag erzählen von gelungenen Begegnungen auf Augenhöhe, vom Blick hinter das Zur-Schau-Gestellte, von Lebensfreude und sinnvollem Tun. Wir laden zum Zuhören und Mit-Erzählen ein.

F11 - Markus Hofbauer
Beziehung, Zeit und Nähe: Ich in Beziehung mit mir!?
Wie Meditation und Achtsamkeit ein Weg dahin sein können

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, KR1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Wie bin ich in Beziehung mit mir? Welche Bedeutung hat das im Alltag und im Beruf als PädagogIn? Wie kann dieser Selbstbezug im (beruflichen) Alltag gelingen und wie kann sich das z.B. auf die Klassen- und Lernsituation auswirken? Diesen Fragen wird selbsterfahrerisch und praktisch in Form verschiedener Meditationen und Achtsamkeitsübungen nachgegangen.
Bequeme Kleidung und warme Socken sind empfehlenswert, aber nicht notwendig.

G1 - Georg Martensen
Führung verstehen
Existenzielle Zugänge zu einem sozialen Phänomen

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.45 Uhr, KR7+8

Etablierte Führungskonzepte und ihre Praxis verlieren angesichts sich auflösender Organisationsstrukturen an Legitimation. Dies beraubt Führende und Folgende der Orientierung, scheinbarer Gewissheiten und wirft sie je auf sich, auf ihr Verhältnis zueinander, auf fundamentale Daseinsfragen zurück. Diese sind hier die Ausgangspunkte, Führung invariant zu struktureller Ordnung zu denken: Der Beitrag erschließt existenzielle, dialogische und begegnende Perspektiven von Führung und beleuchtet von dort aus Erscheinungsformen und Auswirkungen fragiler werdender Innerwelten von Organisationen. Ein solches Verstehen von Führung enthüllt Antworten auf aktuelle Fragen.

G2 - Franziska Hildebrand Alberti
Investition in die Wertearbeit lohnt sich
Eine konkrete Erfahrung mit einem existenziellen Ansatz in der Teamentwicklung

Samstag, 02.05.2020, 13.45–14.30 Uhr, KR7+8

Wie wird aus einer Gruppe von Menschen ein Team? Diese Frage, eine Veränderung auf Führungsebene, Unbeständigkeit sowie zunehmender Zeitdruck und Komplexität im Alltag waren Ausgangslage einer Klausur. Hier wurde an der Beziehungsqualität im Team gearbeitet, um sich als Team neu auszurichten. Anlässlich einer Jahresretraite mit einem Team wurden auf der Basis persönlicher Wertevorstellung der einzelnen Teammitglieder gemeinsame Werte identifiziert, die Zusammenarbeit im Team sowie die Führungsarbeit der einzelnen Personen und der Beziehung mit relevanten Klienten vertieft. Der zweitägige Workshop war auf die Beziehungsqualität im Team gerichtet. Mit einem existenziellen Ansatz wurden die Teammitglieder eingeladen, in Beziehung mit sich selber zu kommen, um danach auf der Teamebene zu arbeiten. So wurden die Beziehungsqualität innerhalb des Teams und mit dem Unternehmen und den KlientInnen vertieft und Maßnahmen erarbeitet hinsichtlich einer neuen Teamqualität. Abschließend wurden mit der Methode des Journalings die Resultate auf der persönlichen Ebene gefestigt.

G3 - Christian Kuhlmann, Alexander Milz
Funke und Feuer in Change- und Transformationsprozessen

Samstag, 02.05.2020, 15.00–15.45 Uhr, KR7+8

Transformationen in Organisationen verlaufen nicht linear, denn sie lassen sich nicht als schrittweisen Verlauf begreifen. Auf A folgt eben nicht B und auf B nicht C. Transformationen verlaufen eher im Sinne
Kierkegaards als Sprung oder als Folge eines existenziellen Moments. Aber: Sprünge und Momente sind Ereignisse, die wieder verschwinden. In Transformations- und Changeprozessen stellt sich darum auch die Frage, wie Nachhaltigkeit und Festigkeit im Nachhinein entstehen können? Der Vortrag geht der These nach, dass Transformationsprozesse beides brauchen: Funken und Feuer sowie Beziehung und Werterleben. Wie aber kann dies praktisch gelingen? Kann dies überhaupt in Architektur und Design planbar gemacht werden? Was braucht es in der Beratung, um hier unterstützen zu können?

G4 - Rainer Kinast
Eine „Wohlfühlkultur“ für Mitarbeitende –
eine realistische Basis für Leistung

Samstag, 02.05.2020, 15.45–16.30 Uhr, KR7+8

Die Bezeichnung „Wohlfühlkultur für Mitarbeitende“ hat etwas Provokantes an sich. Und doch werden viele grundsätzlich zustimmen: Das Unternehmen ist zwar kein Wellnessbetrieb, aber der Mensch muss sich in seiner Arbeitsrolle als lebendige Person erleben können. Nach einer Skizze, was unter „Wohlfühlfaktor“ verstanden wird, und einer kurzen Analyse, wie soziale Kälte in Unternehmen rasch „passieren“ kann, wird ein konkretes Projekt einer sozialen Einrichtung beschrieben. Bei diesem wurde Zeit investiert, um die Mitarbeitenden in ihrem subjektiven Erleben ernst zu nehmen und um deren wert-volle Anliegen und wert-volle Überzeugungen zu konkretisieren. Ein scheinbar klassisches OE-Gesundheitsprojekt, die phänomenologische Haltung der Führungskräfte war ein wesentlicher Erfolgsfaktor dafür, dass die Identifikation mit dem Unternehmen bei den MitarbeiterInnen vertieft werden konnte.

G5 - Jürgen Baumann
(Spirituelle) Grundhaltungen einer Führungsperson zur Entwicklung einer „Wohlfühlkultur“

Samstag, 02.05.2020, 17.00–17.45 Uhr, KR7+8

Dieser Beitrag setzt sich insbesondere mit der Frage auseinander, welche Voraussetzungen (im Sinne ethisch-spiritueller Grundhaltungen) eine Führungsperson braucht, um eine „Wohlfühlkultur“ authentisch in einer Organisation aufzubauen und zu leben. Im Hintergrund wirken folgende Fragen nach: Darf der Mensch auch bei der Arbeit Mensch sein? Was ergibt sich daraus? Was entsteht, wenn ein Mensch existenziell lebt? Das Rationale ist im System evident, aber was ist immanent und geht darüber hinaus? Neben einem bestimmten Menschenbild braucht es konsequenterweise eine von spezifischen Grundhaltungen getragene Spiritualität, um eine derartige Beziehungskultur auch als Führungskultur leben zu können. Diese wird im Hauptteil skizziert. Außerdem stellt sich die Frage, welche ethisch-spirituellen Ansätze ganz konkret in der Führungs-Praxis hilfreich sein können, um als Führungsperson eine Wohlfühlkultur zu etablieren.

H0 - Michael Scherf, Klaudia Gennermann
Geht’s noch!?
Polarisierung und/oder Begegnung

Installation - kongressbegleitend im Foyer

Kommen Sie – schauen Sie – staunen Sie … über sich und andere.
Ergreifen Sie die Chance, Reaktionen auf aktuelle Gesellschaftsphänomene zu erkunden. Lassen Sie uns Abgründe, Paradoxien und Umgangsweisen mit diesen Phänomenen entdecken und ausloten.

H1 - Irina Davydenko, Dimitri Laius
Dialog während des Krieges
Erleben und Reaktionsdynamik auf beiden Seiten der Grenze

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.40 Uhr, KR9

Als ExistenzanalytikerInnen gehen wir davon aus, dass personaler Dialog möglich ist. Doch das Erleben der heutigen Realität in Osteuropa wird durch den Hybridkrieg in der Ostukraine beeinflusst, der hauptsächlich ein Informationskrieg zwischen der Ukraine und Russland ist. Wir als BerufskollegInnen auf beiden Seiten der ukrainisch-russischen Grenze wollten schon länger miteinander reden, aber es gab so viele Ängste, Abwehrreaktionen, Ohnmacht und Schmerz. Wie können wir unsere Sprachlosigkeit überwinden? Wir haben eine Studie über den Einfluss der aktuellen Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland auf das Erleben und die Reaktionsdynamik unter KollegInnen in unseren Ländern mit Hilfe einer Phänomenologischen Analyse durchgeführt. Die Ergebnisse werden dargestellt. Wir wollen in unserem Vortrag berichten, wie wir die Voraussetzungen für eine Offenheit in den vier Grundmotivationen schaffen und den Weg zu einem gemeinsamen Ort, zur existenziellen Begegnung, ebnen konnten.

H2 - Gabriele Bonnacker-Prinz
Performance statt leben?

Samstag, 02.05.2020, 13.40–14.10 Uhr, KR9

Im Film Toni Erdmann von Maren Ade wird der höchst unexistenzielle Lebensvollzug einer jungen Frau vor dem Hintergrund des „Big Business“ in grellen Farben und bisweilen grotesker Komik gezeigt. Allem voran die Dialoge vermitteln ein Milieu, in dem Wertberührungen imitiert und auf diese Weise pervertiert werden. Diese Perversion durchdringt schließlich alles: das Businessmeeting, das Coachinggespräch, das Partygeplauder, den Liebesakt. Welche Folgen die „Wertsurrogate“ des Big Business haben, zeigt der Film an seiner Protagonistin, die vor allem ihren Selbstbezug verliert.
Und in der Folge dieses Verlustes ebenfalls die Beziehung zu ihrem Vater, der durch das unbeirrbare Festhalten an seiner Tochter nicht nur das „Big Business“ demaskiert, sondern diese zu sich selbst zurückzuführen vermag. Der Film kann als eine Parabel gelesen werden, die zeigt, welche Strukturen Selbstverlust begünstigen, worin sich Selbstverlust zeigt und was Zuwendung und Hartnäckigkeit in einer Beziehung vermögen. Dies soll in dem Vortrag anhand ausgewählter Filmdialoge verdeutlicht werden.

H3 - Michael Scherf, Klaudia Gennermann
Was geht noch?!
Diskussionsforum zum kongressbegleitenden Erfahrungsraum „Geht’s noch!? – Polarisierung und/oder Begegnung“

Samstag, 02.05.2020, 14.10–14.30 Uhr, KR9

Wir möchten gerne mit Ihnen die Eindrücke, Erfahrungen, das Erleben und die Erkenntnisse aus dem Erfahrungsraum aufnehmen und reflektieren. Wir hoffen, mit Ihnen zu den Inhalten in Kontakt zu kommen und gemeinsam Gedankengänge für den existenziellen Umgang mit polarisierenden Positionen im Alltag einzusammeln.

H10 - Patricia Rappold
Entwurzelt und getrennt von allem
Verlusterleben bei Menschen mit Fluchterfahrung

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, KR1 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Kriege und Katastrophen zwingen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und sich zu „entwurzeln“. Gefährliche Fluchtrouten und Monate in einer Warteposition erschweren ein Ankommen, ein Da-sein-Können und ein erneutes Verwurzeln erheblich. Durch ein neues Gesellschaftssystem und andere Werte gehen existenzielle Beziehungsmomente rasch verloren. Basale Veränderungen und Belastungen auf körperlicher Ebene (fremde Gerüche, neue Geräusche, das Wetter,…) können eine Art „Schockstarre“ auslösen, welche zudem die noetische und psychische Ebene destabilisieren und einen Einfluss auf Beziehungsmomente mit sich bringen. Im Workshop wird der theoretische Hintergrund für Menschen mit Fluchterfahrung ausgeführt und im Plenum gemeinsam ein Bewusstsein dafür geschaffen.

H11 - Arno Aschauer, Daniela Halpern, Birgit Troger
R. E. R. – Regie Erleben im Raum
Gestaltung existenzieller Begegnung in Film und Therapie

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, L2 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 40 Personen

Angelehnt an die Existenzanalyse und Logotherapie haben wir interdisziplinär ein phänomenologisch dialogisches Struktur- und Phasenmodell – Regie Erleben im Raum (R. E. R.) – für Mikro- und Makro-Prozesse in Film und Therapie entwickelt. Spielfilme können Metaphern für gelungenen Vollzug der personalen Existenz sein. Mit unserem R. E. R.-Set (Aufstellungsformat am Tisch) schaffen wir simultan Räume für äußere Begegnung, inneres Erleben sowie Dialoge, in denen sich existenzielle Kommunikationsprozesse (im Sinne der PEA) entfalten können. Das ermöglicht der Person, in Freiheit und Verantwortung, Regie im eigenen Leben zu führen. Wir geben Einblick in das Modell u.a. anhand konkreter Filmbeispiele.

I1 - Geertje Bolle
Heilige Funken

Samstag, 02.05.2020, 17.00–17.30 Uhr, Plenarsaal

Sich gerufen zu wissen steht im Zentrum biblischer Spiritualität – Angesprochen werden in der Begegnung steht im Zentrum existenzieller Seelsorge. Wie beschreibt die Bibel dieses Zwischen der Begegnung, diese heiligen Momente, in denen die Dimension des Logos betreten wird? Das biblische Verständnis des Heiligen hat viel zu tun mit existenzieller Begegnung, mit Menschlichkeit und Gesellschaft. Wie können die besonderen Momente, die Funken in der Praxis existenzieller Seelsorge beschrieben werden, ohne das Unverfügbare zu nehmen oder zu funktionalisieren? Wie lässt sich Begegnungsgeschehen beschreiben, verstehen und für die Praxis existenzieller Seelsorge fruchtbar machen, ohne die Funken zu ersticken? Der Vortrag geht diesen Fragen nach und beschreibt Kernfelder existenzieller Seelsorge.

I2 - Rupert Dinhobl
Funkenflug bei Lukas
... und was wir (existenzanalytisch) daraus lernen können

Samstag, 02.05.2020, 17.30–18.00 Uhr, Plenarsaal

Das Evangelium nach Lukas – und sein zweites Werk, die Apostelgeschichte – sind voll von Begegnungen, die Funken sprühen. Das beginnt mit der Vorgeschichte, der Begegnung Marias mit dem Engel bis hin zur Begegnung der Jünger mit Jesus in Emmaus. Und die Pfingstsequenz ist ein einziger Funkenflug von Begegnungen. In diesem Beitrag greife ich die sogenannte Verkündigungsszene heraus – die Auseinandersetzung Marias mit dem Engel – und im Anschluss ihre Begegnung mit Elisabeth, ihrer Verwandten. Wenn man diese Texte durchleuchtet, kommt man auf viele entscheidende existenzanalytische Basics, wie Selbstdistanzierung, innerer Dialog etc., die die Texte besser verstehen lassen. Andererseits werfen sie ein illustratives Licht auf so manchen existenzanalytischen Grundsatz: dieser wird durch den Text sozusagen Fleisch.

I3 - Steffen Glathe
Es ist auch ein Leben gewesen

Samstag, 02.05.2020, 18.00–18.30 Uhr, Plenarsaal

In dem Vortrag wird der Versuch unternommen, eine klinische Falldarstellung mit der Nachzeichnung des psychotherapeutischen Gesprächs- und Beziehungsprozesses in sprachlich besonderer Weise zu  vermitteln. Wie Impulse eines Echolotes sollen die Worte noch einmal hinabsinken und den unbestimmten, präreflexiven Resonanzraum auszuloten versuchen, in dem sich Patientin und Therapeut jenseits des Sagbaren über Wesentliches zu verständigen begannen. Auf diese Weise wird die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte einer spirituellen Intervention nachgezeichnet und bedacht.

I10 - Bernward Teuwsen
Samuel – Begegnung mit dem ganz Anderen
als Herausforderung an mein Selbst

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, KR3 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 15 Personen

Bereits angekommen zu sein, seinen Platz gefunden zu haben – so erscheint die Ausgangssituation des Samuel in der Hebräischen Bibel. Mit einem Berater an seiner Seite weiß er sich zu verhalten. Eine unausweichliche Lebensfrage aber beunruhigt ihn: Bei ihm funkt es. Es gilt, aus gutem Verhalten in Beziehung zu treten. Wodurch und womit LehrerInnen in Beziehung zu ihren SchülerInnen ihren Selbststand fordern und fördern (können), daran habe ich in LehrerInnen-Coachings gearbeitet. Im Austausch eigener Erfahrungen und der Vermittlung von Coaching-Prozessen können Aspekte von Beziehung (Werte), Dasein (Existenz) und Verantwortung (Gewissen) zur Sprache kommen.

J1 - Silvia Längle, Astrid Görtz, Clemens Fartacek,
Andreas Harbich
Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis-Forschung

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.00 Uhr, KR5+6

Die Beforschung der psychotherapeutischen Praxis wurde in der Existenzanalyse in den letzten Jahren intensiviert. In mehreren Kurzvorträgen werden aktuelle Ergebnisse aus den laufenden Projekten („Carina Studie“, „Praktiker-Studie“, Qualitative Einzelfallforschung) präsentiert. Dabei werden sowohl quantitative als auch qualitative Forschungszugänge berücksichtigt. Wir glauben, dass dadurch – so wie es für uns war – das Interesse für die Forschung vertieft wird und quasi „ein Funke überspringt“.

J2 - Sofia S. Kuznetsova, Evgeny N. Osin
Building a relationship with one’s life
The role of meaning-guided effort

Samstag, 02.05.2020, 18.00–18.15 Uhr, KR5+6

In order to live a meaningful life, it is not enough to perceive meaning, but to pursue it in action. To do this, a person needs to take a position and relate to their own life. We hypothesized that pursuit of meaning requires a special effortful inner activity directed at the discovery of values and their realization in everyday actions. Based on findings from a mixed-methods study with 103 participants, we described the phenomenological characteristics of this activity. We found that a positive attitude regarding the effort towards meaning and meaning-based strategy of living (as opposed to strategies based on needs, social norms, etc.) were associated with a range of indicators of well-being and existential fulfillment.

J3 - Liudmila V. Volodkevich, Vladimir B. Shumskiy
Two wings of a romantic relationship leading to authenticity:
closeness and personal encounter

Samstag, 02.05.2020, 18.15–18.30 Uhr, KR5+6

The report presents the results of a phenomenological analysis of the texts of interviews of respondents who have experienced the blossoming of their own authenticity due to specific romantic relationships. It is revealed that the basis of such romantic relationships is the experience of closeness and/or personal encounter. Phenomenological analysis allowed to distinguish the genesis, content, characteristics and differences of these two phenomena. The model of closeness and personal encounter on the basis of the fundamental existential motivations is presented.

K1 - Thomas Herzog
Was ist Existenzanalyse und Logotherapie?

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, KR5+6

In einem kompakten Einführungsvortrag wird ein Überblick zur modernen Existenzanalyse und der Logotherapie Viktor Frankls gegeben. Ausgehend von den anthropologischen Grundlagen dieses Ansatzes sollen das existenzanalytische Sinn- und Personenverständnis, das Struktur- und Prozessmodell sowie spezifische Störungsbilder unter dem Blickwinkel existenzieller Daseinsthemen vorgestellt und besprochen werden.