Abstracts

Abstracts2019-09-12T18:27:30+02:00

ABSTRACTS PLENARVORTRÄGE

V1 - Ingo Zirks
Formen des Miteinanderseins: Vom Small Talk zum „Magic Touch“

Freitag, 01.05.2020, 14.15-15.00 Uhr, Plenarsaal

Menschliches Miteinandersein kann in vielerlei Weise beschrieben werden. Ein einheitlicher Sprachgebrauch hat sich in der Fachwelt bisher nicht durchgesetzt. Die Existenzanalyse bemüht sich deshalb um eine präzise Terminologie, da die spezifische  Art und Weise des Miteinanders das Berührtwerden, den Magic Touch, die personale Begegnung erleichtert. Begegnung ermöglichen Veränderungsprozesse in existenzieller Hinsicht. In diesem Vortrag werden verschiedene Weisen des Miteinanderseins beschrieben und deren kulturellen Niederschlag durch Beispiele aus der Kunst untermalt.

V2 - Joachim Bauer
Extended Self - Von der Du-Bezogenheit des menschlichen Selbst

Freitag, 01.05.2020, 15.00-15.45 Uhr, Plenarsaal

Die erst vor Kurzem gelungene Entdeckung der neurobiologischen Selbst-Systeme fügte dem Mosaik unseres Wissens über das Wesen des menschlichen Selbst einige weitere wertvolle Mosaiksteine hinzu. Der Mensch kommt als erlebendes Subjekt auf die Welt, dem die menschliche Würde uneingeschränkt zusteht. Ein Selbst hat er bei Geburt jedoch noch nicht (siehe dazu Joachim Bauers Werke „Selbststeuerung“ und „Wie wir werden wer wir sind“). Der Mensch erwirbt sein Selbst durch die an ihn vonseiten seiner Bezugspersonen adressierten Resonanzen. Zwischenmenschliche Rückspiegelungen bleiben zeitlebens ein das Selbst ständig weiter mit-gestaltender Einfluss.

V3 - Helmut Dorra
Existenz im Gegenüber
Selbstbesinnung im begegnenden Dialog

Freitag, 01.05.2020, 16.30-17.15 Uhr, Plenarsaal

Kein Mensch lebt für sich allein. Wir befinden uns in Beziehungen zu anderen Menschen in der Familie, im Beruf, unter Freunden, in der Nachbarschaft und wo immer wir in einer gemeinsamen Lebenswelt miteinander zu tun haben und zusammenwirken. Ontologisch sind wir – allen anthropologischen Bestimmungen voran – auf Beziehung hin veranlagt, relational und intentional auf unsere Welt und Mitwelt ausgerichtet, die unser Selbstsein im Miteinander der Menschen fundiert. Bevor wir „Ich“ sagen konnten, wurden wir beim Namen gerufen und mit einem „Du“ angeredet, gleichsam von der Gegenseite her uns selbst gegeben und mit uns vertraut. Diese Ich-Du-Relation ist eine anthropologische Konstante, die unserem Dasein ursprünglich ist. Immer schon sind wir auf ein Gegenüber angewiesen, dass es uns ermöglicht, uns selbst zu erkennen und Eigenes zu bekunden.

Vom anderen her führt der Weg zum einzelnen Selbst. Hier finden wir in einer dialogischen Gemeinschaft unsere Existenz auf ein Mitsein und Miteinandersein zentriert, das sich im Gegenüber existentieller Begegnung ereignet, bewahrheitet und bewährt. Gegenwärtig kommen wir uns zuwendend wie auch widerstehend ent-gegen, aus unterschiedlichen Richtungen und jeder einzelne von seiner Seite mit seinen je eigenen Erlebensweisen, Beweggründen und Wertbezügen, die jedem Menschen in seinem Eigensein und Anderssein Respekt abverlangen. Begegnend bleiben wir dem Neuen und Kontingenten gegenüber aufgeschlossen, dem Einmaligen und Einzigartigen, das sich unseren subjektiven Vorverständnissen, unseren eigensinnigen Ansichten und Absichten versagt.

So mag auch uns widerfahren, dass der andere uns fragend und konfrontierend in die Quere kommt, damit wir nicht mehr ausweichen und im Gewohnten weitermachen wie bisher. Mithin werden freundliche Menschen sich unseren vermeintlichen Fortschritten in den Weg stellen, damit wir anhalten und inne halten, zu bedenken, woraufhin wir unser Dasein ausrichten sollen, wer wir sein und werden wollen.

Auf diese Weise können Begegnungen Weichen stellende und weiterführende Wendungen in unserem Leben bewirken und somit existentielle Bedeutung gewinnen, indem sie zur Selbstwerdung und Selbstbesinnung beitragen.

V4 - Ulrike Willutzki
Ohne Heiler*innen geht es nicht! Zur professionellen Entwicklung von Psychotherapeut*innen und ihrer Bedeutung für das therapeutische Geschehen

Freitag, 01.05.2020, 17.15-18.00 Uhr, Plenarsaal

Die aktuelle Forschung zur Bedeutung von Psychotherapeut*innen zeigt sehr deutlich, dass es prägnante Unterschiede zwischen Therapeut*innen hinsichtlich des Therapiergebnisses und –prozesses ihrer Patient*innen gibt. Weitgehend unklar ist jedoch bis heute, welche Personenmerkmale der Therapeut*innen hier relevant sind. Exemplarisch wird auf Studienergebnisse zum Selbstbild von Therapeut*innen in privaten und professionellen Beziehungen sowie ihren interpersonellen Fähigkeiten eingegangen. In der Internationalen longitudinalen Studie zur professionellen Entwicklung von Psychotherapeut*innen  der Society of Psychotherapy Research wird versucht, relevante Eigenschaften von Therapeut*innen und deren Entwicklung in der Psychotherapieausbildung nachzuzeichnen.

V5 - Alfried Längle
Themenfindung in process

Samstag, 02.05.2020, 9.05-9.50 Uhr, Plenarsaal

Die Wichtigkeit der therapeutischen Beziehung als Grundlage erfolg￾reicher Therapie ist hinlänglich belegt. Doch warum kann die thera￾peutische Beziehung überhaupt eine solche Wirkung haben? Wie wirkt
Beziehung? Sie dient zweifellos der Optimierung von Lernprozessen
oder der Katharsis durch Übertragung und ihrer Bearbeitung usw. In
der Existenzanalyse stellt sich die Frage, welche Rolle die Person im
Beziehungsgeschehen spielt. Dabei wird deutlich, dass der Bezie￾hungsbegriff zur Belegung der therapeutischen Wirkung nicht hin￾reicht, sondern der Ergänzung durch den Begegnungsbegriff bedarf.
Was aber ist der spezifische Beitrag der Begegnung?
Der Vortrag beleuchtet die heilsamen Kräfte und das positiv Bewe￾gende in der Therapie, sodass es zu einer existenziellen Wirkung im
therapeutischen Prozess kommen kann. Was steuern die Therapeu￾tInnen, was die PatientInnen und was das Miteinander zu dem be￾wegenden Geschehen der Personierung in den PatientInnen bei? Die
grundlegenden Reflexionen sollen anhand von praktischen Situationen
verdeutlicht werden.

V6 - Susanne Pointner
„Funkstille und Funkenflug.
Die Bedeutung der personalen Begegnung für eine lebendige Paarbeziehung

Samstag, 02.05.2020, 9.50-10.35 Uhr, Plenarsaal

Die Paarbeziehung ist geprägt von Bedingungen, die sowohl  der liebenden  Begegnung als auch psychodynamischer Reaktivität Tür und Tor öffnen. Die leibliche Nähe, hohe Erwartungen aneinander, die Abstimmung der Funktionalitäten in einer schnelllebigen, leistungsorientierten Welt lassen wenig Raum für das Verweilen, Verstehen und Trösten, für das Entdecken, das Lachen und die Sinnlichkeit.

Um den Schmerz über den Verlust an Nähe zu unterdrücken, suchen die Partner oft Fluchtwege aus der Beziehung – destruktive Konfliktlösestrategien, Überengagement in diversen Bereichen, Rückzug, Überregulation, Sucht, Affären. Die Ressourcen werden knapper, das Paar gerät in den Teufelskreis.

Die Paare ahnen meist selbst, was sie  – mehr noch der Partner/die Partnerin verändern müsste, haben aber  nicht mehr die Motivation und Energie dazu. Existenzanalytische Therapie und Beratung zielt daher nicht in erster Linie auf Lösungen ab, sondern schafft Raum für Erkenntnis, Begegnung, Haltungsveränderung und gemeinsame Entwicklung. Damit wird die Liebe beflügelt, und scheinbar unlösbare Differenzen können zu sinnstiftenden und belebenden Kraftquellen werden.

V7 - Erika Luginbühl
Bist Du da(s)!
Von der Unsicherheit im Gewahrwerden des Du

Samstag, 02.05.2020, 11.05-11.40 Uhr, Plenarsaal

Wir Menschen sind auf Beziehung angewiesen, wir brauchen einander.
Ohne Austausch, ohne gegenseitige Unterstützung könnten wir nicht
überleben, das Leben bliebe kalt, einsam, leer und sinnlos. Als geistige
Wesen, als Person, suchen wir insbesondere den offenen, dialogischen
Austausch mit dem Du, in welchem der Funke überspringt und Be￾gegnung geschehen kann.
Begegnung ist der Resonanzraum, in welchem wir des Eigenen ge￾wahr werden können sowie der Nährboden für innerliches Wachs￾tum. In beraterischen und therapeutischen Gesprächen intendieren
wir die Begegnung mit dem Du des Gegenübers, denn das Du, die
Person, ist Quelle der Authentizität und Ressource im Umgang mit
Belastungen. Was aber erleben wir im Austausch mit unseren Pa￾tientinnen und Patienten? Woran merken wir, dass wir mit dem Du in
Begegnung sind oder woran merken wir, dass uns das Du verschlos￾sen bleibt? Anhand von Beispielen aus der Praxis möchte ich diesen
Fragen nachgehen.

V8 - Gunther Schmidt

Samstag, 02.05.2020, 11.40-12.25Uhr, Plenarsaal

Aus systemischer Sicht kann individuelles Erleben und Verhalten nur ver￾standen werden, wenn es in seinen relevanten Kontext eingebettet wird.
Dann können auch massive Symptome und Probleme meist als sinnvolle
Lösungsversuche in ihrem Kontext gewürdigt und genutzt werden. Mit
hypnosystemischen Konzepten kann darüber hinaus gezeigt werden,
dass auch bei langen und sehr leidvollen Problemen die Betroffenen in
ihrem unbewussten Erfahrungsrepertoire durchaus schon über hilfrei￾che Kompetenzen für konstruktive Lösungen verfügen. Vermittelt wird,
wie diese „schlummernden“ Kompetenzen gefunden und reaktiviert
werden können und wie auch Beiträge von KlientInnen, die oft von
TherapeutInnen als „schwierig“ oder pathologisch definiert werden, so
genutzt werden können, dass die KlientInnen dabei als die autonomen
Autoritäten mit intuitiver Klugheit die Führenden im Therapieprozess
sind, um mit Würde die für sie passenden Entwicklungen zu gestalten.

V9 - Steffen Glathe
En skrift i snøen (Eine Schrift im Schnee)

Sonntag, 03.05.2020, 9.10-9.55 Uhr, Plenarsaal

Kennzeichnend für die existenzanalytische Vorgehensweise ist die Haltung einer phänomenologisch-hermeneutischen Offenheit: Als Unwissende gehen wir in Richtung Begegnung, in der Gewissheit, dass sich Wesentliches zeigen wird.

Dieser Vortrag, der eine Annäherung an das existenzielle Moment der Begegnung versucht, möchte Sie einladen, sich auf Begegnungen einzulassen: Mit einem Menschen, von dem ich erzähle, mit dem Referenten und vielleicht mit sich selbst.

Bergen wir Fundstücke auf dem Grund unseres Erlebens und bedenken sie unterwegs auf das Spezifische des existenzanalytischen Ansatzes hin.

V10 - Ahmad Mansour
Zwischen falscher Toleranz und Panikmache

Sonntag, 03.05.2020, 9.55-10.40Uhr, Plenarsaal

Wie können wir mit Konflikten umgehen, die aus kulturellen Differenzen und unterschiedlichen Auffassungen zu Werten, Lebensmodellen und anderem entspringen? Ergebnisse von Studien raten gemeinsam ein offenes, freies Denken zu fördern, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu hinterfragen sowie eine positive Einstellung zu anderen Ansichtsweisen beizubehalten. Doch wie weit soll man sich auf die fremden kulturellen und sozialen Ebenen einlassen? Darf es rote Linien geben? Wo beginnt falsche Toleranz? Wo Panikmache? Leiden wir im Westen unter kognitiver Verzerrung? Diese Unwissenheit verunsichert und bildet einen Störfaktor, der den Teufelskreis einer fehlgeleiteten Kommunikation füttert.

V11 - Heiner Keupp
Ambiguitätstoleranz statt identitärer Reinheit in einer widersprüchlichen Welt

Sonntag, 03.05.2020, 11.15-12.00 Uhr, Plenarsaal

Wenn wir den Zustand in diesem Land charakterisieren sollten, dann fallen Adjektive wie reich, saturiert, selbstzufrieden, tolerant, aber auch gespalten, wütend, arm, fremdenfeindlich, mutlos, erschöpft. Wir haben längst begriffen, dass man den gesellschaftlichen Zustand Deutschlands nicht ohne Widersprüche und Ambivalenzen beschreiben kann. Widersprüche gab es immer, für die wir Begriffe wie Klassengesellschaft oder den Ost-West-Konflikt hatten. Doch die binären Ordnungen taugen in einer Welt nicht mehr, die von einer Unübersichtlichkeit gekennzeichnet ist.

Die Chance auf eine dauerhaft stabile und widerspruchsfreie Identität können nur fundamentalistische Weltdeutungen versprechen und deshalb haben diese auch eine bedrohliche Attraktivität. In einer von Widersprüchen gekennzeichneten Welt brauchen wir ein Potential an „Ambiguitätstoleranz.

V12 - Christoph Kolbe
Existenzielle Kommunkation

Sonntag, 03.05.2020, 12.00-12.45 Uhr, Plenarsaal

Erst wenn es uns „um etwas geht“, wird es in unserem Leben be￾deutsam. Es wird spannend, wir werden initiativ, setzen uns für etwas
ein, auch für uns selbst, und engagieren uns für oder gegen eine Ver-
änderung. Befindlichkeiten, beispielsweise unglücklich zu sein oder
zu leiden, sind deshalb noch keine hinreichenden Motive. Sie sind
es erst, wenn sie ihren phänomenalen Gehalt in ihrer Bedeutsamkeit
offenbaren.
Also ist es entscheidend, wie der Prozess professioneller Gesprächs￾führung im Horizont existenzieller Relevanz geführt wird. Erst dies
macht das Gespräch selbst bedeutsam, aber natürlich auch das An￾liegen, um das es den Beteiligten geht.
Im Vortrag werden wesentliche Bedingungen für existenzielle Kommu￾nikation dargelegt: das Erleben, das Bewegende und der Bedeutungs￾gehalt. Es werden Schritte beschrieben, wie Wesentliches in einem
phänomenologischen Prozess durch den Gesprächsführenden erfasst
werden kann. Und es wird gezeigt, wie dieses durch Anfragen er￾schlossen werden kann bei gleichzeitiger Wahrung einer Haltung der
Offenheit, ohne Deutung oder Suggestion – eine Gesprächsführung,
die Begegnung stiftet.

ABSTRACTS SYMPOSIA

A1 - Viktoriya Zabor
Existenzanalyse im stationären Bereich – ein Erfahrungsbericht

Samstag, 02.05.2020, 13.00–13.30 Uhr, Plenarsaal

Gewöhnlich basieren Diagnostik und Behandlung psychischer Störun￾gen auf einem biopsychosozialen Mehrachsenmodell, das drei Ebenen
(Dimensionen) – eine somatische, eine psychologische sowie eine so￾ziale – berücksichtigt. In der Realität der gegenwärtigen Ukraine, ins￾besondere im Zusammenhang mit der sozialen Krise, wäre es jedoch
äußerst aktuell, auch eine vierte, die geistige, existenzielle Dimension
zu berücksichtigen.
Im Vortrag werden die Studienergebnisse der Werte der existenziellen
Erfüllung und der Grundmotivationen mit Hilfe der psychometrischen
Methoden der Existenzanalyse und Logotherapie (Existenzskala von
A. Längle, K. Orgler und Test zur existenziellen Motivation von A.
Längle, P. Eckhardt) vor und nach der Durchführung einer kurzfristigen
stationären Psychotherapie (15 Sitzungen) bei den PatientInnen der
klinischen Abteilung des Lehrstuhls für Psychiatrie und Psychothera￾pie der Nationalen Medizinischen Danylo-Halyzkyj-Universität Lwiw
vorgestellt. Die Erfahrung mit der Integration und der Effektivität der
existenzanalytischen Psychotherapie bei stationären Bedingungen
wird aufgezeigt.

A2 - Barbara Gawel
Zeit hat man (nicht) Subjektive Zeitwahrnehmung und ihr Einfluss auf Beziehung

Samstag, 02.05.2020, 13.30–14.00 Uhr, Plenarsaal

Jeder von uns verfügt über gleich viel Zeit pro Tag. Warum leiden wir
dann immer wieder unter Zeitmangel oder Zeitverlust? Was bedeutet
dieser Mangel an Zeit für den Einzelnen und seine Umwelt? Im Sinne
der existenziellen Vorfindlichkeit steht der Mensch in Beziehung mit
sich und der Welt. Wenn Zeit der Türöffner für Nähe und Beziehung
ist, aber auch der Raum, in dem die eigene Vitalität spürbar und die
Werthaftigkeit erlebbar werden, wie macht sich diese subjektiv emp￾fundene Verknappung von Zeit existenziell bemerkbar? Welche Aus￾wirkungen hat dieses Zeitempfinden auf die Person, auf den dialogi￾schen Austausch und auf die Möglichkeit, zu einer Stellungnahme zu
kommen? Diesen Fragen soll anhand von Überlegungen, Studien und
Beispielen nachgegangen werden.

A3 - Rodolphe Leuenberger
Überlegungen zu den Unterschieden von
Arzt-PatientInnen-Beziehung im Setting Hausarzt
versus Psychotherapeut

Samstag, 02.05.2020, 14.00–14.30 Uhr, Plenarsaal

Als ehemaliger Hausarzt, seit 14 Jahren ausschließlich als Psychiater
und Psychotherapeut (EA) tätig, reflektiere ich die Unterschiede in den
jetzigen Beziehungen zu den PatientInnen im Vergleich zu denjenigen
im früheren Arbeitsfeld als Hausarzt, in dem viele verschiedene Fachgebiete abgedeckt waren und das alle Lebensalter der PatientInnen von Geburt an einschloss. Eingegangen wird vor allem auf die sehr
viel größere Vielfalt an Kontakten, Begegnungen und Beziehungen
mit den entsprechenden Verantwortlichkeiten, die sich im Unterschied
zum psychotherapeutischen Setting daraus ergeben haben.

A4 - Brigitte Ambühl Braun
Wenn der Funke überspringt
Beziehungsgestaltung bei betagten Menschen

Samstag, 02.05.2020, 15.00–15.30 Uhr, Plenarsaal

Therapie mit hochbetagten Menschen basiert auf einer Beziehungsform mit dem Schwerpunkt Sinnfindung und Lebensfreude. Statt Defizite und Leiden zu thematisieren ist es möglich, den Dialog so zu gestalten, dass aktiv sein und sich eine Perspektive zu schaffen möglich werden. Es gilt auch, ein ehrenvolles Alt-werden und Alt-sein zu finden, dies mit der gebührenden Wertschätzung und Achtsamkeit im alltäglich Kleinen. Kultur, Philosophie und Existenzanalyse geben Inputs wie gutes Altern und der Zugang zur Person/Persönlichkeit des Gegenübers möglich sind.

A5 - Dorothea Hefti
Personale Begegnung in der frauenärztlichen Sprechstunde

Samstag, 02.05.2020, 15.30–16.00 Uhr, Plenarsaal

Im Rahmen der frauenärztlichen Betreuung gibt es viele Themen, die
ein existenzielles Berührt-Sein beinhalten können, wie Sexualität, Gebären, Mutter-Werden und Mutter-Sein, Wechseljahre oder den Erhalt einer Carcinom-Diagnose.
Aber selbst im Setting der Screening-Untersuchung entsteht oft Raum
für eine personale Offenheit und Authentizität, die berührt. Anhand
eigener Erfahrungen aus meiner Sprechstunde sollen die Voraussetzungen für eine Arzt-Patientinnen-Beziehung reflektiert werden, in der es zu einer existenziellen Begegnung kommen kann.

A6 - Sabine Dungl-Nemetz
… bin ich eine Mutter?

Samstag, 02.05.2020, 16.00–16.30 Uhr, Plenarsaal

Diese Frage begegnet mir in meiner Praxis, wenn Mütter ihre Kinder
durch einen ungewollten Schwangerschaftsabbruch (Fehl-/Totgeburt)
oder frühen Todesfall verlieren. Wie mit einer Beziehung umgehen, die es „real“ nicht gibt, weil die Kinder noch nicht oder zu kurz in der Welt waren? Mit dem ersten Herzschlag entsteht Beziehung, eine, die für die Umwelt unsichtbar ist, doch für die werdende Mutter von Tag zu Tag spürbarer wird, ein Funke, der überspringt: „Leben, mein Kind, wächst in mir“. Die Schwangerschaft, der Beziehungsaufbau mit dem Ungeborenen, eine Zeit, die auf den vier Grundmotivationen eine Ver-
änderung bringt. Doch dann passiert das Unfassbare, eine Erschütterung der Existenz, der Verlust des Kindes. In diesem Vortrag werden ausgehend von den vier Grundmotivationen
und anhand eines Fallbeispiels die Möglichkeiten der psychotherapeutischen Bearbeitung aufgezeigt.

A7 - René Hefti
Spiritualität und Religiosität im therapeutischen Prozess
Vom existenziellen zum spirituellen Moment in der Beziehung

Samstag, 02.05.2020, 17.55–18.30 Uhr, KR7+8

Spiritualität kann als „Tiefendimension“ in der Psychotherapie verstanden werden, welche den Menschen in seiner Ganzheit und seinen existenziellen Bezügen erfasst. In diesem Sinne erschließt die Existenz￾analyse spirituelle Ressourcen der Person und der Existenz. Religiosität greift über die existenzielle Dimension hinaus und nimmt Bezug auf die Transzendenz. Anhand konkreter Beispiele aus dem klinischen Alltag werden die Bedeutung von Religiosität und Spiritualität im therapeutischen Prozess diskutiert und dabei der Einfluss auf die therapeutische Beziehung reflektiert. Findet hier ein „Shift“ von einem existenziellen zu einem spirituellen oder religiösen Berührtsein statt?

A10 - Ruth Meidinger, Anita Artens
„Wie werde ich ihn los in der ersten Sitzung?“
Zehn Kardinalfehler im Erstgespräch

Samstag, 02.05.2020, 13.00–14.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Das Erstgespräch ist essenziell für den therapeutischen Beziehungsaufbau. Danach entscheidet der/die Patient/-in, ob er/sie die Therapie
weiterführt. Bereits ein Anrufbeantworter ohne persönliche Ansage,
oder mehrere Tage Wartezeit bis der Rückruf des/der Therapeut/-in
erfolgt, können Irritation auslösen und die Therapiemotivation mindern. Grenzüberschreitendes Verhalten des/der Therapeut/-in oder der Mangel an Wertschätzung führen häufig zum schnellen Therapieabbruch. Wie gelingt der Anstoß zu einer stabilen, auf Vertrauen basierenden Beziehung zwischen TherapeutInnen und PatientInnen, sodass diese sich auf die Beratung oder die Therapie einlassen? In diesem Workshop sollen potenzielle Fehlerquellen im Erstgespräch
auf humorvolle Weise in Form einer paradoxen Herangehensweise
erarbeitet werden.

A11 - Irina Ryazanova
Bodywork in couples therapy –
a way to improve dialogue capability

Samstag, 02.05.2020, 15.00–16.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

A disturbed dialogue is the common reason for conflicts between part￾ners in a couple. The rehabilitation of a good way of communication between their bodies can lead to a good dynamic in couples therapy.
In this workshop, various methods of integrative work with the body
will be demonstrated. The participants will experience how these
methods raise awareness in the dialogue.

A12 - Mariola Niedzielska-Wagener, Stefan Wagener
Auf Flügeln des Gesanges
Die Bedeutung der Stimme und der Musik
für die existenzanalytische Arbeit

Samstag, 02.05.2020, 17.00–18.30 Uhr, KR10 Maximale TeilnehmerInnenzahl: 20 Personen

Der menschliche Gesang ermöglicht durch Selbstdistanzierung und Selbsttranzendenz einen direkten Zugang zum Personsein. Singen er￾fasst den ganzen Menschen in seiner leiblichen, seelischen und geistigen Trinität und ist ein existenzielles Phänomen. Singen fordert Begegnung und Beziehung und findet konkret im Hier und Jetzt statt.
Im Workshop werden aus unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen
Einzel- und Gruppenübungen angeboten, die das Verhältnis zwischen
Beziehung und Stimmklang ausloten.