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Vorschau2018-10-04T13:25:10+00:00

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VORSCHAU Kongresse ab 2020

© Lindau Tourismus | Foto: David Knipping

GLE-Kongress in Lindau

Internationaler Kongress der GLE-International

  1. – 3. Mai 2020

Wenn’s funkt! Das existenzielle Moment in der Beziehung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zur Einstimmung auf den Internationalen Kongress in Lindau 2020 „Wenn‘s funkt. Das existenzielle Moment in der Beziehung“ möchten wir Ihnen einige Hinweise und Fragestellung mitgeben.

Als Menschen suchen und brauchen wir die Beziehung zu unserer Um- und Mitwelt. In der Existenzanalyse sprechen wir hier von Selbsttranszendenz. Gelingende zwischenmenschliche Beziehungen geben uns Halt, aus ihnen schöpfen wir Kraft und Lebensfreude. Sie bestärken uns in unserem Selbstsein und geben uns Erfüllung. Beziehung ist zumeist auch der Rahmen, in welchem Begegnung geschehen kann. In der existenzanalytischen Therapie, Beratung und Begleitung intendieren wir die Begegnung, weil wir in der Begegnung die geistige Dimension des Menschen, die Person antreffen und mobilisieren können. Die Person ist die Grundlage von Authentizität und der Fähigkeit, das Leben eigenverantwortlich und sinnvoll zu gestalten sowie mit den manchmal widrigen Bedingungen des Lebens in einen kreativen Umgang zu kommen.

Dabei brauchen wir das Gegenüber nicht nur, um eigene Bedürfnisse nach Nähe, Beziehung und Bestätigung zu stillen. Wir sind auf das Gegenüber angewiesen, weil wir nur dann zur Entfaltung unseres eigenen Wesens kommen, wenn wir uns auf Anderes ausrichten, für Andere leben und im Anderen auf jemanden treffen, der uns gegenüber steht und uns angemessen konfrontiert. Es braucht in der Begegnung den Anderen als Anderen, der gleichberechtigt aber nicht notwendigerweise gleichgesinnt sein muss. Unser Eigensein wird durch ein Du erweckt. Der Philosoph Martin Buber sagt, der Mensch wird am Du zum Ich.

Was jedoch macht den Menschen beziehungsfähig? Wie gelingt es, für Andere(s) zu leben, ohne sich selbst zu übergehen? Was ermöglicht den Menschen Begegnungen? Kann Begegnung nur in einer bestehenden Beziehung geschehen? Was passiert, wenn das Gegenüber uns fremd bleibt und Gegensätze nicht nur unüberbrückbar erscheinen, sondern auch sind? Braucht Begegnung Sprache oder kann sie auch nonverbal auf rein leiblicher Ebene stattfinden? Was braucht es in einem professionellen Rahmen, damit Begegnung geschehen kann?

Aus existenzieller Sicht braucht der Prozess des Begegnens eine Haltung von Offenheit und Gelassenheit, die den Anderen  in seinem Eigensein sichtbar werden lässt, ihn aber auch in seiner Unverfügbarkeit respektiert. Nicht der Monolog oder die Belehrung fördern das Sichtbarwerden der Person und des eigentlichen Anliegens des Gegenübers, sondern der Dialog und die offene Frage.

Innerhalb der existenziellen Kommunikation (zum Beispiel während eines Beratungs- oder Psychotherapieprozesses) wird ein Raum gestiftet, in dem der Andere beginnt, sich mit für ihn Wesentlichem auseinanderzusetzen und zu Erkenntnissen mit ihren Gründen zu kommen.

Existenzielle Relevanz im Dialog stiftet sich durch drei Merkmale: 1. Erlebtes emotionales Beteiligtsein, 2. Phänomenale Gehalte, die dem Erleben zugrunde liegen und 3. Positionen, die der Mensch zu seinen Gründen bezieht.

Wir möchten den Kongress thematisch nicht nur auf die zwischenmenschliche Situation mit einem Gegenüber in der Dyade oder auf das Verhältnis des Menschen zu sich selbst begrenzen, sondern wollen auch ganz bewusst gesellschaftliche Phänomene und Gruppenprozesse in die Diskussion einbeziehen. Die gesellschaftlichen Herausforderungen durch wachsende Armut bei gleichzeitigem Reichtum, durch Migration und das Auftreten extremer politische Strömungen suchen nach Antworten. Diese finden wir nur im Miteinander eines existenziellen Dialoges, der über die Verschiedenheit des jeweils Anderen hinweg gesucht werden kann.

Wir laden Sie ein, den anstehenden Kongress mit uns zu gestalten. Wir freuen uns auf Ihre Ideen und auf Ihre Erfahrungen aus Ihren Arbeitsfeldern, die Sie auf dem Kongress in Lindau vorstellen und diskutieren. Wir möchten auch zur Auseinandersetzung mit bereits bestehender Literatur anregen, die beispielsweise in unserer Zeitschrift Existenzanalyse aber bei auch bei existenziellen Denkern wie Heidegger, Gadamer, Bollnow, Buber oder Jaspers zu finden ist.  Es wäre schön, mit Ihnen dazu in einen kollegialen Dialog zu kommen, um den „Mehrwert“ existenziellen Verstehens von Begegnung für uns und andere Menschen sichtbar und erlebbar werden zu lassen.

Es wird beim Kongress Symposia mit folgenden Schwerpunkten geben:

Psychotherapie, Beratung, Pädagogik, Kinderpsychotherapie, Seelsorge, Paar & Gruppe, Körperarbeit und Organisationsentwicklung. Innerhalb dieser Symposia werden Beiträge in Form von Vorträgen (ca. 20 bis 30 Minuten) oder Workshops (ca. 90 Minuten) angeboten.

Falls Sie dazu einen Beitrag gestalten möchten, sind Sie eingeladen, Ihren Themenvorschlag bis spätestens 10.12.2018 an folgende email-Adresse zu schicken: steinert.karin@drei.at

Für Ihre Einsendung benötigen wir:

  1. Titel & Untertitel des Beitrags (wenn der Titel fachlich abstrakt ist, dann den Untertitel umgangs- und alltagssprachlich wählen – oder umgekehrt)
  2. Abstract-Text (maximal 700 Zeichen inkl. Leerzeichen) soll beinhalten: Problemaufriss als Hinführung, Benennen der Kernaussage, 2-3 Problemstellungen, die hinsichtlich der Kernthese erarbeitet werden sollen
  3. Angaben zu Ihrer Person

Wir möchten Sie informieren, dass wir keine Garantie geben können, dass die eingesendeten Beiträge auch angenommen werden können. Die Abstracts werden dem Kongressteam und den SymposiaorganisatorInnen vorgelegt, diese entscheiden, ob der Beitrag ins Gesamtkonzept passt und aufgenommen werden kann.

Wir freuen uns über Ihre Ideen zu möglichen Beiträgen!

Herzliche Grüße

Erika Luginbühl, Christoph Kolbe, Ingo Zirks