Vorschau

VORSCHAU Kongresse ab 2023

GLE-KONGRESS IN WIEN 30. April – 1. Mai 2023

ANGST
als existentielle Herausforderung

Grußwort der Kongressleitung

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie diesmal zu einem Kongress einladen, der das Phänomen Angst im Leben von uns Menschen und in unserer Gesellschaft reflektieren wird. Und wir meinen, es sind vielfältige und dringliche Facetten, die dieses Thema in unserer Zeit bedeutsam und höchstaktuell machen, über die wir mit Ihnen gemeinsam nachdenken möchten.

Da sind zum Beispiel die zunehmenden gesellschaftspolitischen Ausprägungen von Angst, die wir allerorten beobachten können, wie sie sich bei den Themen Migration und Umgang mit dem Fremden, Klima und Umweltzerstörung, Ernährung und Pandemien oder sozialer Teilhabe und Globalisierung zeigen. Reaktionen auf diese von vielen als bedrohlich erlebten Herausforderungen sind häufig Radikalisierung, Fanatismus, Ideologien, aber auch absolute Kontrolle, maximale Selbstoptimierung oder eben Leugnung. Und dann sind da die vielfältigen Formen individueller Befürchtungen, die sich in pathologischen Angststörungen manifestieren können. Ihre Behandlung ist ein zentraler Fokus psychotherapeutischer Begleitungen.

Sehr wesentlich und notwendig ist darüber hinaus die Angst, die uns vor einer realistischen Gefahr warnt und schützt, weil wir sonst unvorsichtig würden und verloren wären. Und schließlich gibt es da noch eine existenzielle Tiefenschicht – Angst als Wegbegleiter durch unser Dasein. Denn alles, an dem unser Herz hängt, kann auch scheitern. Wir können versagen in unserem Bemühen oder das Falsche für unser Leben wählen. Existenzphilosophen verorten diese Angst als Begegnung des Menschen mit dem drohenden Nichts. Wir können ihr nicht ausweichen. Dieser Tatsache gilt es, sich zu stellen und mit ihr umzugehen. Aber wie kann das gelingen? Was brauchen wir dafür?

Schließlich stehen wir vor der Frage: Wann also gilt es, Angst auszuhalten und sie in ihrem freundlichen Hinweischarakter zu sehen, obgleich wir sie als unangenehm und bedrängend erleben? Und wann geht es darum, Angst zu überwinden, um am Leben teilzuhaben und nicht auszuweichen und zu erstarren?

Als existenzieller Psychotherapie- und Beratungsrichtung geht es uns nicht um ein angstfreies Leben, sondern um einen Dialog und einen verstehenden Umgang mit den eigenen Ängsten und Befürchtungen – darum, in die Tiefe zu schauen und zu verstehen, worauf sie verweisen, welcher Wert dabei für uns in Gefahr ist. Denn wir streben danach, in einen entschiedenen Umgang mit der Angst zu kommen und das verbleibende Restrisiko im Vertrauen auf haltgebende Strukturen zu überbrücken. Wir werden existenzanalytische Möglichkeiten der professionellen Begleitung aufzeigen und im Dialog mit anderen Schulen diskutieren.

Wir freuen uns, wenn Sie nach Wien kommen – zum Zuhören, Austauschen, zu anregenden Begegnungen, zu Vorträgen und Workshops, und hoffen, dass Sie im vielfältigen Angebot Spannendes und Bereicherndes für sich finden können! Und Wien ist allemal eine Reise wert! Seien Sie herzlich willkommen, wir freuen uns auf die Begegnung mit Ihnen!

Doris Fischer-Danzinger, Karin Steinert, Renate Bukovski, Christoph Kolbe